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Nach Boeing-Absturz: Auswertung der Flugschreiber kann beginnen

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14.03.2019 | 16:42

PARIS/WASHINGTON (awp international) - Der Absturz einer Boeing 737 Max 8 in Äthiopien hat weltweit zu einer Furcht vor neuen Zwischenfällen geführt und den US-Hersteller in grosse Bedrängnis gebracht. Jetzt kann die akribische Klärung der Unglücksursache beginnen: Die beiden Flugschreiber der verunglückten Ethiopian-Airlines-Maschine kamen am Donnerstag in Frankreich an. Die sogenannten Blackboxes zeichnen den Sprechfunk im Cockpit und alle Flugdaten auf, weswegen sie für die Klärung der Unglücksursache entscheidend sein könnten.

Vom Pariser Flughafen Charles de Gaulle wurden die Flugschreiber direkt zur französischen Luftsicherheitsbehörde gebracht, wie das in einem Vorort ansässige Bureau d'Enquêtes et d'Analyses (BEA) mitteilte.

Bei dem Absturz am Sonntag in Äthiopien waren alle 157 Menschen an Bord der relativ neuen Maschine ums Leben gekommen. Es war der zweite tödliche Crash einer neuen Boeing 737 Max 8 innerhalb weniger Monate, weshalb seit Montag zahlreiche Länder als Vorsichtsmassnahme ihren Luftraum für Maschinen dieses Typs gesperrt hatten. Am Mittwochabend zog schliesslich auch das Herstellerland USA nach. Damit bleiben die rund 370 seit 2017 ausgelieferten Maschinen am Boden.

Für den Luft- und Raumfahrtkonzern Boeing ist die Stilllegung der Flotte ein Debakel. Der Aktienkurs ist seit Montag drastisch gesunken, es drohen wohl auch Entschädigungsforderungen der Airlines, die nun Flüge streichen oder andere Maschinen chartern müssen. Mindestens so schwer wiegt der Imageschaden. Manche Experten sahen in der Entscheidung Äthiopiens, die Blackboxes in Europa analysieren zu lassen, auch ein Misstrauensvotum gegen Boeing. Für gewöhnlich werden die Flugschreiber nach Unglücken ins Land des Flugzeugherstellers geschickt, was in diesem Fall die USA gewesen wären.

Die US-Luftsicherheitsbehörde NTSB teilte am Donnerstag mit, es würden drei Experten nach Frankreich geschickt, um den Kollegen dort bei der Untersuchung der Flugschreiber zu helfen. Dies sei ein Routinevorgang, da es sich um ein in den USA hergestelltes Flugzeug handle. Alle Informationen zu dem Unglück würden aber allein von äthiopischen Behörden kommuniziert, hiess es weiter.

In ihrer Begründung des Startverbots für die Flugzeuge der Max-Reihe von Boeing verwies die US-Luftfahrtbehörde FAA auf neue Erkenntnisse zum Absturz in Äthiopien, die auf Ähnlichkeiten zum Crash eines baugleichen Flugzeugs im vergangenen Oktober in Indonesien hinwiesen. Diese Informationen erforderten weitergehende Untersuchungen, ob es sich möglicherweise um dieselbe Absturzursache gehandelt habe, hiess es. Bis einschliesslich Dienstag hatten FAA und Hersteller Boeing ein Flugverbot noch abgelehnt. Angesichts von Flugverboten in Europa, Kanada sowie weiten Teilen Asiens und steigendem politischen Druck in Washington war die Position aber offenbar kaum mehr zu halten.

In der FAA-Anordnung heisst es, die Untersuchungen am Wrack der Maschine in Äthiopien hätten am Mittwoch neue Informationen zutage gefördert. Gekoppelt mit Satellitendaten zur Flugbahn nach dem Start in Addis Abeba wiesen sie "einige Ähnlichkeiten" zum Absturz in Indonesien auf. Die FAA rechnet nun offenbar mit einer längeren Stilllegung der Maschinen.

Die Behörde zieht mit dem Startverbot für die 737 Max erst zum dritten Mal eine gesamte Baureihe eines Flugzeugtyps in den USA vorübergehend aus dem Verkehr. Boeing erklärte indes, die zeitweise Stilllegung sei eine reine Vorsichtsmassnahme. "Boeing hat weiterhin volles Vertrauen in die Sicherheit der 737 Max."

Bei dem Crash der Boeing 737 Max 8 der indonesischen Lion Air waren im Oktober 189 Menschen gestorben. Experten vermuten, dass eine von Boeing für das Flugzeug neu entwickelte Steuerungssoftware eine entscheidende Rolle bei dem Absturz gespielt hat.

In Deutschland ist von dem Startverbot vor allem der Reisekonzern Tui betroffen, der bislang 14 Boeing 737 Max 8 im Einsatz hatte und weitere bestellt hat. Die Flieger waren vor allem in Grossbritannien und den Benelux-Staaten im Einsatz. Tui rechnet jedoch nicht mit grösseren Flugausfällen. "Wir müssen zwar 15 Maschinen ersetzen, deswegen aber keine 15 Flugzeuge anmieten", sagte Tuifly-Sprecher Aage Dünhaupt. Der Konzern will Flüge umbuchen, Ersatzkapazitäten nutzen, aber auch Maschinen anmieten. Zuvor hatte das Unternehmen die Ausfallkosten auf rund drei Millionen Euro pro Woche geschätzt./jbz/DP/tav

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