Die USA befinden sich in den 1920er Jahren im „God Mode“: Die Industrieproduktion wächst zwischen 1926 und 1929 um satte 15 %. Man glaubt an ewigen Wohlstand, auch wenn erste Risse – etwa in Kanada oder Deutschland – bereits im Sommer 1929 erkennbar sind. Doch an der Wall Street ignoriert man die leisen Warnsignale. Konsum auf Pump ist der neue Standard: 70 % aller Autos werden über Kredit finanziert. Die Landwirtschaft leidet unter der russischen Konkurrenz – aber wen kümmert’s?
Die wahre Droge ist die Börse. Der Trend heißt Kreditkauf: Man zahlt nur 10 % des Aktienpreises selbst, der Broker finanziert den Rest – in der Hoffnung, über Kursgewinne entschädigt zu werden. Solange der Dow Jones jährlich 12 % steigt, ist das ein lukratives Spiel. Die Euphorie geht so weit, dass der Ökonom Irving Fisher Anfang Oktober 1929 ein „permanentes Hochplateau“ verkündet. Spoiler: Wenn ein Experte behauptet, „diesmal ist alles anders“, ist es höchste Zeit, den Notausgang zu suchen.
Die Woche, in der sich alle ändert
Am 24. Oktober gerät das Uhrwerk ins Stocken. Die Banken versuchen noch, mit massiven Aktienkäufen gegenzusteuern – vergeblich. Am 29. Oktober schlägt die Apokalypse zu: 16 Millionen Aktien werden an einem einzigen Handelstag umgesetzt, das Dreifache des üblichen Volumens. Die Spekulationsblase platzt, der Dow Jones verliert im letzten Quartal 1929 rund 40 %.
Doch der Börsenkrach ist nur der Auftakt. Es folgt eine beispiellose Bankenkrise. Die Federal Reserve – noch jung und unerfahren – zögert und versäumt es, Liquidität bereitzustellen. Insolvente Kreditnehmer und panische Bankkunden lösen eine Welle von Bank-Runs aus. Zwischen 1929 und 1933 verschwinden fast 9 000 Banken in den USA – das globale Finanzsystem trocknet aus.
Erschütterung mit Nachhall: Das Vermächtnis der Krise
Die Party ist vorbei – der Kater global. Die Krise greift auf Europa über, weil US-Kapital in Panik abgezogen wird. In Österreich und Deutschland brechen Banken zusammen, Großbritannien wird zur Abwertung des Pfunds gezwungen.
Zwischen 1929 und 1932 schrumpft die US-Industrieproduktion um 30 %, der Welthandel kollabiert unter dem Druck eines neuen Protektionismus (Stichwort: Hawley-Smoot-Zölle). Die Folgen sind nicht nur ökonomisch, sondern menschlich: Die Zahl der Arbeitslosen in den Industrieländern steigt von 6 auf 35 Millionen bis 1935. Die Lektion ist hart: Eine systemische Krise beginnt mit übersteigertem Optimismus und exzessivem Leverage – und endet immer in der Realwirtschaft.
Merken Sie sich diese Zahl: 25 Jahre, 2 Monate und 27 Tage – so lange dauerte es, bis der Dow Jones am 23. November 1954 seine Vorkrisenhöchstmarke von 382 Punkten, die er am 3. September 1929 erklommen hatte, wieder erreichte.




















