Block 1: Die wichtigsten Nachrichten
Visa setzt auf Stablecoins und startet Pilotprojekt für internationale Zahlungen
Auch Visa mischt jetzt mit: Der Zahlungsriese hat ein Pilotprojekt angekündigt, um Stablecoins in seine Plattform Visa Direct zu integrieren. Damit sollen internationale Überweisungen nahezu in Echtzeit über Karten, Bankkonten oder Wallets abgewickelt werden. Ziel ist es, herkömmliche, langsame Banküberweisungen durch schnellere, global verfügbare und programmierbare Stablecoin-Zahlungen zu ersetzen. Der Marktstart ist für April 2026 geplant. Visa schließt dabei nicht aus, mittelfristig auch einen eigenen Stablecoin herauszugeben.
Der Schritt folgt auf den GENIUS Act und die rapide wachsende Stablecoin-Industrie – mittlerweile sind über 300 Milliarden US-Dollar im Umlauf. Visa reiht sich damit ein in die Gruppe von Akteuren, die Stablecoins über die Theorie hinaus in den Alltag bringen wollen. Doch der Wettlauf um die breite Nutzerakzeptanz hat gerade erst begonnen.
BlackRock baut Bitcoin-Position im Flaggschifffonds aus
BlackRock hat seine Bitcoin-Allokation im Global Allocation Fund um 38 % erhöht – mit nunmehr 66,4 Millionen US-Dollar im hauseigenen ETF IBIT. Der Fonds verwaltet insgesamt 17,1 Milliarden US-Dollar. Die BTC-Quote stieg auf 0,4 % (zuvor: 0,25 %) mit dem Ziel, sich an die BlackRock-Empfehlung einer Bitcoin-Quote von 1–2 % in diversifizierten Portfolios anzunähern. Der IBIT ist mittlerweile der weltweit größte Bitcoin-ETF mit 61 Milliarden US-Dollar an Nettozuflüssen. Die Kursentwicklung des Bitcoin folgt zunehmend den Zyklen der Aktienmärkte – was die Frage aufwirft, wie stark die Korrelation zum Nasdaq in Zeiten institutioneller Adoption werden kann.
Swift testet mit Consensys Blockchain-Zahlungen weltweit
Swift kooperiert mit Consensys, um die Blockchain-Technologie in sein globales Zahlungsnetzwerk zu integrieren. Ziel ist ein rund um die Uhr verfügbares, grenzüberschreitendes System für tokenisierte Werte auf Smart-Contract-Basis. Beteiligt sind 16 Finanzinstitutionen aus aller Welt – darunter auch Zentralbanken und Großbanken wie Crédit Agricole, JPMorgan, Société Générale-FORGE und Citi. Swift will so seine bestehenden Interbank-Zahlungsstrukturen zu einem blockchainfähigen Rückgrat ausbauen. Bei Consensys handelt es sich noch um einen Prototyp, aber das Projekt zeigt, wie schnell die traditionelle Finanzwelt Blockchain-Anwendungen testet und adaptiert.
Kraken bereitet Börsengang vor – 500 Millionen Dollar geräuschlos eingesammelt
Wie Fortune Crypto berichtet, hat Kraken kürzlich in aller Stille 500 Millionen US-Dollar eingesammelt – als Vorbereitung für einen Börsengang. Die angestrebte Bewertung: 15 Milliarden US-Dollar. Das wäre ein gewaltiger Sprung für die Plattform, die seit ihrer Gründung 2011 lediglich 27 Millionen US-Dollar aufgenommen hatte. Erste Berichte über IPO-Pläne gab es bereits 2024. Neu ist, dass Co-CEO Arjun Sethi selbst über seinen Fonds Tribe Capital investiert haben soll, während bestehende Investoren sich zurückhielten. Noch fehlt der offizielle S-1-Filing bei der SEC – aber der US-Exchange strebt offenbar die nächste Liga an.
Block 2: Die Krypto-Analyse der Woche
Tether bereitet eine spektakuläre Kapitalrunde vor, mit der es zu den am höchsten bewerteten venture-stage-Unternehmen der Welt aufsteigen würde – konkret: 500 Milliarden US-Dollar, also dieselbe Größenordnung wie OpenAI. Das Unternehmen ist schon heute der weltweit führende Stablecoin-Emittent mit über 170 Milliarden USDT im Umlauf. Nun will man auf das nächste Level.
Ein Fundraising der Superlative
Laut Bloomberg sucht Tether derzeit 15 bis 20 Milliarden US-Dollar von privaten Investoren – für rund 3 % der Anteile. Es geht um neu ausgegebene Aktien, keine Sekundärverkäufe. CEO Paolo Ardoino hat das Vorhaben auf X bestätigt. Der Kapitalzufluss soll genutzt werden, um das Geschäft in alle Richtungen zu skalieren: Stablecoins, Distribution, KI, Rohstoffhandel, Energie, Telekommunikation, Medien.
Zum Vergleich: Als Circle 2022 mit einem Börsengang 4–5 Milliarden US-Dollar aufnahm, war das Orderbuch 25-fach überzeichnet. Circle wurde beim IPO-Starttag mit über 20 Milliarden bewertet. Tether dagegen will gleich die halbe Billion – mehr als Circle und Coinbase zusammen, und nur Bitcoin selbst wäre als Krypto-"Asset" höher bewertet.
Wie kommt Tether auf diesen Wert?
Tether und Circle verfolgen ein ähnliches Geschäftsmodell: Sie geben digitale Dollars aus (USDT bzw. USDC) und investieren die Einlagen in sichere, zinsbringende Anlagen (v. a. US-Staatsanleihen). Die Einnahmen stammen aus den Zinserträgen. Circles Bewertung liegt aktuell bei rund 29 Milliarden US-Dollar – und Tether hat etwa das 2,3-fache an ausstehenden Stablecoins. Eine einfache Dreisatzrechnung drängt sich auf… wäre da nicht der Mangel an Transparenz: Tether veröffentlicht keine quartalsgenauen Finanzberichte, und die Businessmodelle sind nicht ganz deckungsgleich.
Einnahmeseite: grobe Schätzungen
Circle hat im ersten Halbjahr 2025 rund 1,2 Milliarden US-Dollar an Zinserträgen gemeldet, was auf rund 2,4 Milliarden für das Gesamtjahr hinausliefe. Tether dürfte mit seinen Volumina bei rund 5,5 Milliarden annualisiert liegen. Hinzu kommen bei beiden weitere Einnahmen: Bei Circle etwa 50 Millionen aus Abonnements und Veräußerungsgewinnen, bei Tether ganze 2,6 Milliarden aus Gold- und Bitcoin-Gewinnen sowie 3,1 Milliarden an „wiederkehrenden Profiten“. Rechnet man diese Positionen hoch, kommt man auf rund 11,4 Milliarden US-Dollar Jahresgewinn (laut eigenen Angaben von Tether) – wobei die Vergleichbarkeit zu Circle eingeschränkt bleibt.
Ein wichtiger Unterschied: Tether muss keine Einnahmen mit Coinbase teilen – Circle dagegen schon, da USDC über Coinbase vertrieben wird. Dies halbiert Circles Nettoertrag je Dollar. Daraus ergibt sich ein nachvollziehbarer Richtwert:
29 Mrd. (Circle) × 2,3 (Volumen) × 2 (Ertrag je Dollar) ≈ 133 Mrd. US-Dollar
Das rechtfertigt eine Bewertung von etwa 100 bis 150 Milliarden US-Dollar für Tether – unter der Annahme vergleichbarer Bewertungsmultiples und stabiler Zinserträge. Um 500 Milliarden zu erreichen, müsste allerdings mehr als das Grundgeschäft bewertet werden: etwa disruptive Wachstumsfantasien in KI, Energie, Rohstoffen oder Medien, dazu eine nachhaltige Kostenüberlegenheit, regulatorische Arbitrage und Margen jenseits des Vorstellbaren.
Warum 500 Milliarden Dollar (noch) weit entfernt scheinen – und warum manche trotzdem daran glauben
Die Kluft zu einer Bewertung von 500 Milliarden US-Dollar lässt sich allein mit den Fundamentaldaten nur schwer überbrücken. Dennoch führen Tether-Befürworter strukturelle Vorteile ins Feld: geringere regulatorische Kosten, steuerliche Arbitragemöglichkeiten, die die Abgabenlast senken, sowie schier unglaubliche Margen auf Skalenniveau – CEO Paolo Ardoino spricht gar von 99 % Marge. Vor allem aber stützt sich das Narrativ auf ambitionierte Expansionspläne: Tether sieht sich selbst als „Unternehmen des Jahrhunderts“, das bereit ist, neue Finanzinfrastrukturen zu erschließen – in den Bereichen Tokenisierung, Zahlungsverkehr, industrielle KI, Energieversorgung.
Würde Tether tatsächlich mit 500 Milliarden Dollar bewertet, wäre es nach Marktkapitalisierung die zweitgrößte „Bank“ der Welt – doppelt so groß wie Goldman Sachs, direkt hinter JPMorgan. Die Optimisten rechtfertigen diesen Wert unter bestimmten Bedingungen: Wenn die Nachfrage nach Stablecoins explodiert, die Zinsen auf hohem Niveau bleiben und USDT seine Vormachtstellung im Markt verteidigt.
Fazit
Eine Bewertung zwischen 100 und 150 Milliarden US-Dollar erscheint nachvollziehbar – gestützt auf Vergleichswerte und die Monetarisierung der US-Staatsanleihenreserven. Für den Sprung auf 500 Milliarden hingegen braucht es den Glauben an einen regulatorischen Burggraben (moat), eiserne Kostendisziplin und vor allem eine erfolgreiche Diversifizierung in Geschäftsfelder wie KI, Rohstoffe, Energie oder Medien – also echte Gewinnquellen jenseits der bloßen Zinsmarge auf Staatsanleihen.
Der Ball liegt nun beim Markt: Tether inszeniert sich als Emittent tokenisierter Dollars, der zum digitalen Infrastrukturkonglomerat aufsteigen will. Bleibt die Frage, ob Investoren schon heute bereit sind, für diese Vision eine halbe Billion Dollar auf den Tisch zu legen.
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