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Bremsenhersteller Knorr-Bremse nimmt Börse ins Visier

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17.09.2018 | 13:50
Traders work at Frankfurt's stock exchange in Frankfurt

München (Reuters) - Der Bremsenhersteller Knorr-Bremse will im Oktober einen der größten Börsengänge in diesem Jahr in Deutschland hinlegen.

Das Münchner Traditionsunternehmen kündigte den Schritt am Montag offiziell für das vierte Quartal an. Für den 77 Jahre alten Mehrheitsaktionär Heinz Hermann Thiele, der sich seit gut einem Jahr mit den Plänen trug, ist der Verkauf eines "bedeutenden Minderheitsanteils" an Knorr-Bremse ein Weg, sein Erbe zu regeln. Verkauft werden nur Aktien aus dem Besitz von Thiele und seiner Tochter, das schuldenfreie Unternehmen selbst braucht kein frisches Geld. In Finanzkreisen wird erwartet, dass nicht mehr als 30 Prozent der Aktien platziert werden. Bei einem Börsenwert von mindestens zwölf Milliarden Euro könnte Thiele mit einem Erlös von mehr als drei Milliarden rechnen.

Federführend begleitet wird der Börsengang von der Deutschen Bank, JP Morgan und Morgan Stanley.

Der größte Börsengang in diesem Jahr in Frankfurt war die 4,2 Milliarden Euro schwere Emission der Medizintechnik-Tochter von Siemens, Healthineers. Eine Reihe von Unternehmen wollen noch im Herbst den gleichen Weg gehen. Der Online-Möbelhändler Westwing will 120 Millionen Euro einsammeln, der ebenfalls aus München stammende Elektroroller-Hersteller Govecs setzte am Montag bereits die Preisspanne auf 10 bis 12 Euro fest, womit die Emission des Start-up-Unternehmens bis zu 90 Millionen Euro schwer werden könnte. Laut Finanzkreisen treibt auch der auf Reinräume für die Halbleiter-Produktion spezialisierte Anlagenbauer Exyte aus Stuttgart einen bis zu eine Milliarden Euro schweren Börsengang an.

Thiele hatte vor mehr als 30 Jahren die Mehrheit an Knorr-Bremse übernommen. Seither hat sich das Unternehmen mit einem Umsatz von 6,2 Milliarden Euro zum Weltmarktführer bei Zug- und Nutzfahrzeug-Bremsen entwickelt. Aus dem operativen Geschäft hat sich Thiele weitgehend zurückgezogen. Pläne zum Verkauf an ZF Friedrichshafen oder Bosch hatten sich zerschlagen, weil Thiele die Mehrheit nicht abgeben wollte. "Ein Börsengang ist für uns der richtige nächste Schritt. Er verschafft Knorr-Bremse eine stabile strategische und finanzielle Basis", sagte Vorstandschef Klaus Deller.

Knorr-Bremse lockt potenzielle Investoren für seine Aktien mit einer Ausschüttungsquote von 40 bis 50 Prozent, wie Insider der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Im vergangenen Jahr lag das operative Ergebnis (Ebitda) des 30.000 Mitarbeiter starken Konzerns bei 1,12 Milliarden Euro, in den ersten sechs Monaten 2018 stieg es um zwölf Prozent und damit etwas stärker als der Umsatz. In diesem Jahr peilt Knorr-Bremse einen Umsatz von 6,4 bis 6,6 Milliarden Euro und ein Ebitda von bis zu 1,3 Milliarden Euro an. In den nächsten Jahren soll der Umsatz im Schnitt um weitere fünf Prozent pro Jahr wachsen, die operative Umsatzrendite soll sich mittelfristig Richtung 20 (2017: 18,1) Prozent bewegen. Kleinere Zukäufe kann sich Knorr-Bremse aus eigener Kraft leisten.

Im Zug-Geschäft droht Knorr Branchenkennern zufolge wegen des aufwendigen Zulassungsprozesses kaum neue Konkurrenz. Mit 50 Prozent Marktanteil liegt Knorr-Bremse weit vor dem Rivalen Wabtec (15 Prozent), bei Lkw-Bremsen liegt der Konzern mit 42 Prozent ebenfalls vor dem Konkurrenten Wabco (34).

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