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Makro-Briefing: Griechenland, Südamerika, Iran und US-Arbeitsmarktdaten

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08.07.2019 | 10:09

Bei der Parlamentswahl setzten sich die Konservativen erwartungsgemäß durch. Sie konnten sich die absolute Mehrheit der Sitze mit knapp 40% Stimmenanteil sichern.
Der designierte Premier Mitsokatis kündigte Steuersenkungen, Investitionen und Effizienzsteigerungen im Staatswesen an, um Wachstum, Gehaltssteigerungen und Rentenerhöhungen zu ermöglichen.

Der politische Tenor ist primär und kausal investiv geprägt. In der Folge der Kausalität sollen dann konsumtive Entwicklungen forciert werden. Das passt zu Aristoteles (Struktur!). Harren wir, ob den Worten entsprechende Taten folgen.

Die deutsche Industrie ist optimistischer für das Lateinamerika-Geschäft.

O-Ton Volker Treier, Außenwirtschaftschef der DIHK: „Zum hohen und relativ robusten Wachstum in Ländern wie Kolumbien, Chile und Peru kommt aktuell eine konjunkturelle Stabilisierung des Schwergewichts Brasilien hinzu.

Das sei ein Lichtblick für die Industrie. Die deutschen Exporte nach Lateinamerika sollen 2019 um 10% zulegen. Bislang hatte der DIHK mit einem Anstieg in Höhe von 3% gerechnet. Weltweit geht der DIHK 2019 von einer Zunahme der Exporte um 1% aus, da der Handelsstreit der USA mit China und Europa belaste.

Die Konjunkturerwartungen deutscher Firmen für Lateinamerika sind einer DIHK-Umfrage zufolge so positiv wie auf keinem anderen Kontinent. 44% der Firmen schätzen ihre Lage als gut ein, 16% als schlecht. 63% rechnen für die kommenden Monate mit besseren Geschäften.

Das vorläufig vereinbarte Freihandelsabkommen der EU mit den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay sei laut DIHK ein wichtiges Signal.
O-Ton: Volker Treier: „Hier verbünden sich zwei Märkte mit insgesamt 775 Millionen Menschen."  Entscheidend ist, dass aus dem vorläufigen Abkommen ein endgültiges Abkommen wird. Dabei schweift der Blick nach Paris.

Die Zukunft findet zu größten Teilen (Skaleneffekte) in den aufstrebenden Ländern statt. Es gilt für die EU, sich Ziel orientiert und sachlich unbestechlich aufzustellen.

Geopolitisch steht das Thema Iran im Fokus. Der Iran hat den Druck auf die EU durch Ankündigungen der erhöhten Urananreicherung verschärft.
Das Verhalten Teherans, Druck aufzubauen, ist in Teilen verständlich, da die „Ernte“ aus dem einseitigen Wohlverhalten Irans nach dem Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen nicht stattfand. Ganz im Gegenteil haben die verschärften US-Sanktionen zu einer „Dürre“ geführt. Zu Jahresbeginn hatte sich beispielsweise der Warenaustausch mit Deutschland halbiert.

Durch die Aktion des Iran ergeben sich zwei Entwicklungen:
1. Politischer Gegendruck wird gegenüber dem Iran aufgebaut. Frankreich und Deutschland mahnten den Iran, sich an das Abkommen zu halten, während die USA erwartungsgemäß drohten.
2. Entscheidend ist, dass Europa beginnt, das Thema der Tauschbörse Instex ernsthaft zu forcieren. Es werde mit Hochdruck daran gearbeitet, erste Transaktionen über Instex abzuwickeln, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Das ist bitter notwendig. Beide Parteien des Abkommens müssen einen Nutzen erkennen können und wesentlicher auch haben.
Das Thema Iran bleibt kritisch für die Region als auch für die Welt und Weltwirtschaft.

Die US-Arbeitsmarktdaten setzten am Freitag auf ersten Blick positive Akzente, auch wenn die Divergenz zu dem ADP-Report augenfällig für Profis, offensichtlich jedoch nicht für Opportunisten der Märkte war.
Feiern wir zunächst den positiven Teil des Datenpotpourris des US-Arbeitsmarkts ab:
• „Nonfarm Payrolls“ stiegen um 224.000 (Prognose 160.000)
• Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit verharrte bei 34,4 Stunden
• Die Partizipationsrate erhöhte sich von 62,8% auf 62,9%.
Enttäuschend waren folgende Entwicklungen (bezüglich Erwartungen):
• Die Arbeitslosenrate U-1 legte von 3,6% auf 3,7% zu (Prognose 3,6%)
• Die Arbeitslosenquote u-6 stieg von 7,1% auf 7,2% (im Ansatz vergleichbar zu Quote der EU (6,3%) und der Eurozone (7,5%)).
• Die Durchschnittslöhne legten um 0,2% im Monatsvergleich (Prognose 0,3%) zu. Im Jahresvergleich lag die Zunahme bei 3,1% (Prognose 3,2%).
Laut ADP wurden im Berichtsmonat 102.000 Jobs in der Privatwirtschaft geschaffen, laut „Nonfarm Payrolls“ sollen es 191.000 Jobs (33.000 bei dem Staat) gewesen sein. Was passt besser zu den verfügbaren Daten der US-Konjunkturlage?
„Food for thought!“


Datenpotpourri:

Eurozone:  
Die deutsche Industrieproduktion stieg um 0,3% im Monatsvergleich (Prognose 0,4%) nach zuvor -2,0% (revidiert von -1,9%).
Der Aktivsaldo der deutschen Handelsbilanz stellte sich per Mai auf 18,7 Mrd. nach zuvor 16,9 Mrd. Euro. Exporte legten um 1,1% (Prognose 0,5%), während Importe um 0,5% sanken (Prognose +0,3%).
Der Index des Verbrauchervertrauens nahm in Irland per Juni von 89,9 auf 90,7 Punkte zu.

Japan:
Der Index „Economy Watcher‘s Poll“ sank per Juni unwesentlich von 44,1 auf 44,0 Punkte.
„Machinery Orders“ fielen im Monatsvergleich per Mai um 7,8% (Prognose -4,7%) und im Jahresvergleich um 3,7% (Prognose -3,9%).
Bankausleihungen legten per Juni im Jahresvergleich um 2,3% nach zuvor 2,6% zu.

China:
Per Berichtsmonat Juni nahmen die Devisenreserven von zuvor 3.101 auf 3119 Mrd. USD zu (Prognose 3.103 Mrd. USD).

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützungszone 1.1100 – 30 negiert den positiven Bias des Euros.
Viel Erfolg!

Gastbeitrag von Folker Hellmeyer, Chefanalyst SOLVECON INVEST

www.solvecon-invest.de

Herr Hellmeyer hat am Finanzmarkt ursprünglich als Devisenhändler begonnen. Für Deutsche Bank und Helaba war er in Hamburg, London und Frankfurt tätig. Von 2002 bis 2017 war Herr Hellmeyer Chefanalyst der Bremer Landesbank und hat mit klaren Worten die Entwicklungen an den Börsen und im Finanzmarkt­geschehen kommentiert.
 


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