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Makro Briefing: Trump mit weiterem Olivenzweig - Argusaugen auf EZB

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12.09.2019 | 18:14

In dem Handelskrieg zwischen den USA und China kommt es zu einer Fortsetzung der zarten Entspannung. 

Nachdem der falkenhafte Sicherheitsberater neokonservativer Prägung John Bolton entlassen wurde und China mit einer großzügigen Liste von Gütern, die zunächst nicht den angekündigten erhöhten Zöllen unterworfen werden, reagierte, folgte gestern der nächste Olivenzweig aus Washington. 

US-Präsident Trump verschob die Einführung der neuen Zölle gegen China um zwei Wochen auf Mitte Oktober.

Dieser Schachzug Washingtons macht Sinn, da Anfang Oktober hochrangige Handelsgespräche zwischen Peking und Washington anstehen. Der Boden, der mit den jüngsten Aktionen aus den USA und China bereitet wurde und voraussichtlich weiter bereitet wird, erscheint fruchtbar zu sein.

Insbesondere die Erkenntnis, dass die US-Handelspolitik am Ende den Interessen, die die US-Regierung mit dem Wiederaufbau der industriellen Basis anstrebt, faktisch quantitativ (Zölle = Steuern) und qualitativ (Lieferketten, Absatzmärkte) zuwider laufen, mögen den aktuellen Entspannungsprozess forcieren.

Entsprechend ist der Ausblick auf eine Nivellierung des Handelskriegs besser als in den vorherigen 18 Monaten. 

Zuversicht darf obwalten. Für Euphorie ist hinsichtlich der anekdotischen Evidenz des in Teilen unberechenbaren US-Verhaltens in den letzten 18 Monaten unverändert kein Raum.

 

Heute steht die EZB-Ratssitzung im Mittelpunkt des Interesses:

An den Finanzmärkten wird erwartet, dass der Leitzins unverändert bleibt. Dagegen unterstellen die Marktteilnehmer die Senkung des Anlagesatzes für Banken bei der EZB von -0,40% auf -0,50%.

Die Frage ist, ob so ein Zinsschritt bei dem Einlagezinssatz einen positiven konjunkturellen Einfluss entwickeln kann. Das Ziel der EZB scheint es zu sein, wir betonen scheint, Banken zu stimulieren, stärker aktiv in der Kreditvergabe zu agieren. Das klingt auf ersten Blick plausibel, aber eben nur auf ersten Blick. 

Das Zinsdilemma durch den Negativzins ist hinlänglich bekannt. Es belastet die Banken. Laut Berechnungen von Scope Ratings haben die Banken im Euroraum in den letzten fünf Jahren Belastungen durch die Negativzinsen in Höhe von 23 Mrd. Euro erlitten. Übrigens werden US-Banken nicht durch eine derartige Politik der Federal Reserve in ihrer Profitabilität behindert. Ganz im Gegenteil (positiver Ergebniseffekt)!

Die EZB und Aufsicht haben Banken immer höheren Eigenkapitalforderungen ausgesetzt. Das ist bezüglich der Erfahrungen der Krise 2008/2009 und 2011/2013 sinnvoll. Eigenkapitalaufbau erfordert aber Profitabilität der Banken, die durch die Zinspolitik der EZB letztlich unterminiert wird.

Mehr noch wurde durch Regulierung, die fraglos auch in Teilen bitter erforderlich war, der gesamte Kostenapparat der Banken deutlich erhöht. 

Insbesondere ist die Folge, dass ein prozyklisches System der Eigenkapitalunterlegung für Kreditrisiken (Banken sollten antizyklische Merkmale in ihrer Geschäftspolitik verfolgen) die Kreditvergabebereitschaft der Banken einschränkt.

Anders ausgedrückt lockt die EZB vermeintlich mit dem Zinsdruck, um auf der anderen Seite regulativ die Peitsche zu schwingen und den notwendigen antizyklischen Charakter des Bankwesens auszuschalten. 

Das bedeutet übrigens, dass im extremen Krisenfall Staat und Zentralbanken als ultimative antizyklische Kräfte wieder die Zeche zahlen würden. Es gilt, mehr antizyklische Kräfte zu mobilisieren (früher deutsche Banken mit „Stillen Reserven“, Bilanzierungsstandard HGB ermöglichte das!). 

Das Ergebnis ist an der Überschussliquidität ablesbar. Das Volumen der quantitativen Maßnahmen der EZB stellt sich auf 2.600 Mrd. Euro. Die Überschussliquidität, die die Banken der Eurozone abends bei der EZB parken, stellt sich auf circa 1.900 Mrd. USD. Diese 1.900 Mrd. Euro werden mit dem Negativzins belastet.

Wir wagen eine Prognose:

Dieser Zinsschritt, der Banken und Kapitalsammelstellen belastete, würde keinen merklichen Einfluss auf die Konjunkturlage der Eurozone haben, denn die Verlangsamung der Konjunktur hat weder etwas mit dem Zins noch der gegebenen Liquiditätslage zu tun, sondern ist Ausdruck gestiegener Risikoaversion durch US-Politik. Mit anderen Worten ist es ein exogener und damit nicht durch die EZB beeinflussbarer Faktor, der insbesondere den Investitionsgütersektor, in dem die Eurozone stark aufgestellt ist, belastet. Will die EZB mit ihrem Ruf spielen?

 

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone:                     Inflation/Deflation kein Thema              

Deutschland: Die Verbraucherpreise sanken laut finaler Berechnung per August im Monatsvergleich um 0,2%. Im Jahresvergleich stellte sich der Anstieg auf 1,4%.

USA:                             Keine neuen Erkenntnisse

Die Erzeugerpreise legten per August im Monatsvergleich um 0,1% zu (Prognose 0,0%). Im Jahresverglich stellte sich eine Zunahme um 2,3% nach 2,1% ein (Prognose 2,2%).

Die Großhandelslagerbestände stiegen per Juli erwartungsgemäß um 0,2% im Monatsvergleich. Der Absatz im Großhandel legte um 0,3% zu (Prognose 0,2%).

Russland:                      Aktive Handelsbilanz

Der Handelsbilanzüberschuss Russlands stellte sich per Juli auf 11,2 Mrd. USD nach zuvor 12,5 Mrd. USD (Prognose 11,0 Mrd. USD).

China:                           Stabiles monetäres Umfeld

Per August legte die Geldmenge im Jahresvergleich um 8,2% nach zuvor 8,1% (Prognose 8,1%). Der Anstieg des Kreditvolumens stellte sich im Jahresvergleich auf 12,4% nach 12,6% (Prognose 12,4%)

 

Japan:                          Datenpotpourri durchwachsen

Der Reuters Tankan Index sank per September von -4 auf -7 Punkte.

Erzeugerpreise verzeichneten per August im Monatsvergleich einen Rückgang um 0,3% (Prognose -0,2) nach 0,0% und im Jahresvergleich um -0,9% (Prognose -0,8%) nach -0,6%. 

„Machinery Orders“ sanken per Juli im Monatsvergleich um 6,6% (Prognose -9,9%) nach +13,9%. Im Jahresvergleich ergab sich ein Anstieg um 0,3% (Prognose -4,5%) nach +12,5%. 

 

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Ein Überwinden der Widerstandszone bei 1.1160 – 80 negiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg! 

 

Gastbeitrag von Folker Hellmeyer, Chefanalyst SOLVECON INVEST


www.solvecon-invest.de

Herr Hellmeyer hat am Finanzmarkt ursprünglich als Devisenhändler begonnen. Für Deutsche Bank und Helaba war er in Hamburg, London und Frankfurt tätig. Von 2002 bis 2017 war Herr Hellmeyer Chefanalyst der Bremer Landesbank und hat mit klaren Worten die Entwicklungen an den Börsen und im Finanzmarkt­geschehen kommentiert.

 

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