Die Nervosität ist greifbar. Doch worüber genau machen sich die Investoren Sorgen? Es sind nicht nur Bomben, Raketen oder Schlagzeilen – entscheidend ist, wie sich diese Ereignisse inzwischen gleichzeitig in nahezu allen Bereichen der wirtschaftlichen Perspektiven niederschlagen. Brent ist über 107 Dollar je Barrel gestiegen, WTI über die Marke von 100 Dollar. Die Märkte versuchen nun, zwei Dinge gleichzeitig einzupreisen: erstens, wie stark der sich ausweitende Konflikt im Nahen Osten die Energieflüsse stören könnte, und zweitens, was passiert, wenn Öl so teuer wird, dass es nicht mehr nur die Inflation antreibt, sondern das Wachstum abwürgt.

Jedes Wort von Powell und Williams wird daher auf die Goldwaage gelegt werden – auf Hinweise, ob die US-Notenbank den höheren Ölpreis inzwischen als Risiko für die Inflation, das Wachstum oder beides betrachtet. Noch vor wenigen Wochen rechneten Investoren mit Zinssenkungen in diesem Jahr. Inzwischen preisen die Geldmärkte keine Lockerung mehr ein und ziehen sogar Zinserhöhungen im Jahr 2026 in Betracht. Auch in Europa hat ein Umdenken eingesetzt. Die kurzfristigen Anleiherenditen sind deutlich gestiegen, vor allem am kurzen Ende der Kurve. Die Märkte haben ihre Haltung abrupt von Hoffnung auf Entlastung hin zu Vorbereitung auf Restriktion gedreht.

Damit funktioniert auch die alte Marktlogik nicht mehr: „Bad News sind Good News", weil die Fed dann die Zinsen senkt.“ In diesem Umfeld sind schlechte Nachrichten schlicht wieder schlechte Nachrichten. Entsprechend richtet sich der Blick nun auf die Arbeitsmarktdaten: Bleibt der Arbeitsmarkt robust, könnte sich die Fed Spielraum verschaffen, trotz steigender Energiepreise hart zu bleiben. Schwächt er sich ab, verschärft sich das Dilemma der Notenbank. Ihr Doppelmandat – Preisstabilität und Beschäftigung – droht derzeit, sich gegenseitig zu widersprechen. Erste Daten deuten bereits auf Spannungen hin. Die jüngsten Monate brachten wiederholt Jobverluste, die sich nicht mehr ignorieren lassen. Bestätigt der Bericht am Freitag eine breitere Schwäche, müssen die Währungshüter entscheiden, ob kriegsbedingte Inflation schwerer wiegt als die Abkühlung im Inland.

Der leichte Anstieg der Aktienfutures ist vor diesem Hintergrund zu sehen: nicht als Ausdruck von Zuversicht, sondern als vorsichtige Bewegung mit Restzweifeln. Einige Investoren klammern sich an die Hoffnung auf Diplomatie. Donald Trump erklärte, die USA und Iran hätten direkte und indirekte Gespräche geführt. Pakistan signalisierte, bald könnten substanzielle Verhandlungen stattfinden. Ägypten, Saudi-Arabien und die Türkei sind Teil einer breiteren diplomatischen Initiative. Über Nacht ließ Trump verlauten, Irans neue Führung zeige sich „sehr vernünftig“ und er glaube an eine Einigung. Genau das wollen die Märkte hören.

Gleichzeitig weitet sich der Krieg aus. Am Wochenende griffen Huthi-Kräfte aus dem Jemen in den Konflikt ein und starteten Angriffe in Richtung Israel. Die Meerenge Bab al-Mandeb rückt damit stärker in den Fokus: Wird die Route unsicher, müssten Schiffe um das Kap der Guten Hoffnung ausweichen – mit verdoppelten Transportzeiten und steigenden Kosten. Da die Straße von Hormus ohnehin eingeschränkt ist, gewinnen alternative Routen plötzlich enorme Bedeutung. Saudi-Arabiens Infrastruktur für den Transport von Rohöl über das Rote Meer läuft Berichten zufolge bereits am Limit.

Auch die Rhetorik aus Washington verschärft die Lage. Trump erklärte gegenüber der Financial Times, die USA könnten „das Öl im Iran nehmen“ und brachte die Idee ins Spiel, die Insel Kharg – Irans wichtigstes Exportterminal – zu kontrollieren. Weitere Berichte deuten darauf hin, dass die Regierung riskante Operationen im Iran prüft, darunter mögliche Versuche, Uran zu sichern. Das Pentagon bereitet sich offenbar auch auf längere Bodeneinsätze vor. Sollte der Konflikt von einer Luftkampagne in eine breitere und direktere militärische Auseinandersetzung übergehen, müssten die Märkte nicht nur das Risiko, sondern auch dessen Dauer neu bewerten.

Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass der Ausverkauf am Freitag die fünfte Verlustwoche in Folge für die großen US-Indizes besiegelte. Der Dow Jones befindet sich mit einem Minus von über 10% im Korrekturbereich. Auch Nasdaq und Russell 2000 haben diese Schwelle erreicht. Der S&P 500 steht kurz davor. Die Leitindizes schlossen am Freitag auf dem niedrigsten Stand seit August. Auch am Anleihemarkt bleibt die Lage angespannt: Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen nähert sich wieder den Jahreshochs bei 4,5%, die 30-jährigen laufen auf 5% zu.

Selbst vermeintlich sichere Marktsegmente verhalten sich ungewöhnlich. Versorgeraktien, klassischerweise defensiv, stehen unter Druck. Der Dollar legt in einem Umfeld erhöhter Risikoaversion zu. Gold steigt zwar, aber ohne explosive Dynamik, da höhere Ölpreise zugleich eine straffere Geldpolitik implizieren. Mit anderen Worten: Es gibt derzeit keinen klaren sicheren Hafen.

Das heißt allerdings nicht, dass es keine Gewinner gibt. Exxon und Chevron profitieren vom Ölpreisanstieg. Aluminiumproduzenten wie Alcoa und Century Aluminum verzeichnen kräftige Kursgewinne, nachdem Preise auf ein Vierjahreshoch gestiegen sind – ausgelöst durch iranische Angriffe auf Produktionsstandorte in Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Auch Düngemittelhersteller rücken angesichts möglicher Angebotsstörungen in den Fokus. Sysco hingegen gerät unter Druck, nachdem Berichte über eine mögliche Großübernahme von Restaurant Depot kursieren.

Dax dreht leicht ins Plus - Inflation und Ölpreis bleiben die grössten Sorgen

Vage Hoffnungen auf Fortschritte im Nahost-Konflikt haben dem deutschen Aktienmarkt am Montagnachmittag etwas Auftrieb gegeben. Der Dax drehte ins Plus und stieg zuletzt um 0,5 Prozent auf 22.404 Punkte. Der MDax trat bei 27.654 Zählern nahezu auf der Stelle, während der EuroStoxx 50 um 0,5 Prozent zulegte. Im Mittelpunkt der Anleger bleibt der Ölpreis, der weiter als zentraler Gradmesser für Inflations- und Konjunktursorgen gilt.

Zusätzlichen Druck erzeugten die jüngsten deutschen Inflationsdaten. Im März stiegen die Verbraucherpreise infolge des Iran-Kriegs und des Ölpreisschocks um 2,7 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren. Im Februar hatte die Teuerungsrate noch bei 1,9 Prozent gelegen. Damit gerät die Europäische Zentralbank vor ihrer nächsten Sitzung im April stärker unter Zugzwang, auch wenn vorerst noch nicht mit einer Zinserhöhung gerechnet wird.

Bei den Einzelwerten standen Suss Microtec im Mittelpunkt. Die Aktien sackten zunächst um mehr als 18 Prozent ab, begrenzten den Verlust zuletzt aber auf 8,5 Prozent. Belastend wirkte vor allem der enttäuschende Margenausblick für 2026, obwohl die Zahlen für 2025 über den Erwartungen lagen. RTL Group gewannen 2,4 Prozent, nachdem der Medienkonzern laut einem Reuters-Bericht bei der geplanten Übernahme von Sky Deutschland zu Zugeständnissen bereit sein soll. Südzucker sprangen dank des zuletzt deutlich erholten Zuckerpreises um 9,3 Prozent auf den höchsten Stand seit Mai 2025. Wüstenrot & Württembergische verloren dagegen weitere 5,0 Prozent und fielen nach der Enttäuschung über den Ergebnisausblick vom Freitag auf den tiefsten Stand seit Ende November. Zudem rutschte die Aktie unter ihre 200-Tage-Linie, was das Chartbild weiter eintrübte.