Bei 1.181 CHF hat Barry Callebaut seit Jahresbeginn 10 % verloren, gegenüber -0,44 % beim SMI Mid. Am 16. April kündigte der weltweit führende Hersteller von Industrie-Schokolade an, dass die Gewinne 2026 unter den Erwartungen liegen werden. Der Free Cashflow (FCF) im Halbjahr drehte innerhalb eines Jahres von -2,1 Mrd. CHF auf +0,8 Mrd. CHF. Gleiche Ursache, gegensätzliche Wirkung: die Kehrtwende bei den Kakaopreisen.

Das Cost-Plus-Modell unter Druck

Barry Callebaut ist kein klassischer Chocolatier für Endkunden. Das Unternehmen, das laut Berenberg rund 20 % des weltweit gehandelten Kakaos einkauft, beliefert Industrie und Handwerk. Sein Geschäftsmodell basiert auf einem Cost-Plus-Ansatz: Die Kosten für Kakaobohnen, Verarbeitung und Lagerfinanzierung werden weitergereicht, zuzüglich einer Marge.

Während der Kakao-Hausse zeigte dieses Modell seine Fähigkeit, steigende Rohstoffkosten mehr als weiterzugeben. Zwischen 2023 und Anfang 2025 stieg der S&P GSCI Cocoa Index um 400 %.

Mit der Trendwende verändert sich das Bild grundlegend. Seit seinem Höchststand hat Kakao rund 70 % verloren. Die Lagerkosten sinken – und mit ihnen ein Teil der Margen. Laut Berenberg hat insbesondere das Gourmet-Segment den Effekt verstärkt: teure Lagerbestände, zu hohe Preise und schnellere Wettbewerber. Barry Callebaut musste Rabatte gewähren, um Volumen zu sichern. Die Schließung des Werks in Saint-Hyacinthe (Kanada) verursachte zusätzliche Kosten. Berenberg erwartet für 2026 ein EBIT von 593 Mio. CHF, nach 703 Mio. CHF im Jahr 2025.

Die Bilanz profitiert vom gegenteiligen Effekt

Die Auswirkungen beschränken sich jedoch nicht auf die Gewinn- und Verlustrechnung. Was die Margen belastet, entlastet gleichzeitig die Bilanz: Günstigere Lagerbestände binden weniger Kapital. Nach zwei Jahren mit negativem Cashflow dürfte der FCF laut Berenberg 2026 wieder über 2 Mrd. CHF steigen – ausreichend, um die Verschuldung deutlich zu reduzieren.

Diese Verbesserung bedeutet jedoch nicht, dass das Geschäftsmodell bereits repariert ist. Sie beruht vor allem auf einem mechanischen Effekt: Niedrigere Lagerwerte setzen Liquidität frei. Steigen die Kakaopreise wieder, kann sich dieser Effekt rasch umkehren. Laut Berenberg kann bereits eine Veränderung von 100 GBP pro Tonne Kakao den FCF um 80 Mio. CHF beeinflussen. Der Schuldenabbau bleibt somit stark vom Rohstoffpreis abhängig.

Die Erholung muss sich noch beweisen

Auch die Entwicklung des Umsatzes wird durch die Kakaopreise verzerrt. Für 2026 wird ein Rückgang um 13 % erwartet – auf den ersten Blick ein negatives Signal. Tatsächlich gibt Barry Callebaut jedoch lediglich niedrigere Rohstoffpreise an seine Kunden weiter. Entscheidend sind daher die Volumina, die nur um 1 bis 3 % sinken dürften, nach zuvor erwarteten 4 bis 6 %.

Die Profitabilität bleibt dennoch ein Thema. Die Rendite auf das eingesetzte Kapital lag 2025 bei 7,4 %, nach über 10 % im Jahr zuvor. Eine Rückkehr auf dieses Niveau wird erst für 2028 erwartet. Voraussetzung ist, dass das Sparprogramm „BC Next Level“ Wirkung zeigt und der Preisdruck durch Überkapazitäten nachlässt.

Die Investoren tun sich derweil schwer, die negativen Nachrichten zu verarbeiten – insbesondere nachdem sich der Kurs zwischen dem Tief im Mai 2025 und dem Hoch im Februar dieses Jahres verdoppelt hatte. Gemessen an den erwarteten Ergebnissen bleibt die Bewertung hoch. Wer auf weiteres Potenzial setzen will, muss den Blick bereits auf 2027 richten – in der Hoffnung, dass der Kakaomarkt nicht erneut für Turbulenzen sorgt.