Mit dem iX3 und der Neuen Klasse beweist BMW, dass der Konzern noch immer Erwartungen wecken kann: neues Design, Gen6-Batterietechnologie und bereits jetzt Bestellungen über den eigenen Prognosen. Der Name wurde dabei nicht zufällig gewählt. Anfang der 1960er-Jahre bewahrte eine Modellreihe gleichen Namens BMW vor der Insolvenz und prägte die moderne Identität des Unternehmens: prestigeträchtige Fahrzeuge, sportlich, aber nicht exotisch, teuer genug, um begehrenswert zu sein, und zugleich in ausreichender Stückzahl produziert, um ein tragfähiges Industriemodell aufzubauen. 65 Jahre später greift BMW erneut auf diesen Namen zurück – diesmal, um nicht zu einem Autobauer wie jeder andere zu werden.

BMW war nie nur eine Frage des Images. Der Konzern verfügte weder über die Größe von Volkswagen noch über die Exklusivität von Ferrari. Seine Stärke lag in einer seltenen Positionierung: hohe Preise mit hohen Stückzahlen zu verbinden, weil die Marke den Aufpreis rechtfertigte und Verbrennermodelle im Premiumsegment äußerst profitabel waren. Der Übergang zur Elektromobilität schwächt diesen Hebel. Elektroautos erzielen nach wie vor geringere Margen als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor – BMW räumt dies selbst ein. Die zentrale Aufgabe der Neuen Klasse besteht daher darin, diesen Unterschied zu verringern.

Hohe Verkäufe, sinkende Gewinne

Auf der Absatzseite hielt sich BMW im Jahr 2025 stabil. Mit 2,46 Mio. ausgelieferten Fahrzeugen lag das Volumen nahezu auf dem Niveau von 2024. MINI steigerte die Verkäufe um 17,7 %, Europa legte um 7,3 % zu, die Region Amerika um 5,6 % und die Verkäufe von Elektrofahrzeugen um 3,6 %.

Das Problem liegt bei der Profitabilität. BMW verdient weniger an jedem einzelnen Fahrzeug. Die operative Marge im Automobilgeschäft sank auf 5,3 % und liegt damit zwar innerhalb der Zielspanne von 5 bis 7 %, aber deutlich unter dem früheren Korridor von 8 bis 10 %, der lange Zeit als Maßstab galt.

Der Druck kommt zunächst von außen. US-amerikanische und europäische Zölle kosteten den Konzern zusammen rund 1,5 Prozentpunkte Marge. Hinzu kommt die Entwicklung in China. Der wichtigste Einzelmarkt des Unternehmens mit rund 626.000 verkauften Fahrzeugen im Gesamtjahr verzeichnete einen Absatzrückgang von 12,5 %. Lokale Wettbewerber unterbieten die Preise und verfügen über Vorteile bei Software und Digitalisierung. Der freie Cashflow im Automobilgeschäft schrumpfte auf 3,2 Mrd. Euro nach 4,9 Mrd. Euro im Vorjahr.

Die Wette auf die Neue Klasse

Das Management setzt auf ein kostenorientiertes Programm. Der iX3 führt eine neue Fahrzeugarchitektur mit Gen6-Batterien ein, die bis 2027 auf 40 Modelle und Modellüberarbeitungen ausgeweitet werden soll. Gleichzeitig dürften die Investitionen zurückgehen. Produktionsvorstand Milan Nedeljković verkörpert diesen Fokus auf industrielle Effizienz.

Ein zusätzlicher Rückenwind ergibt sich 2028 mit dem Auslaufen einer Belastung im Zusammenhang mit BMW Brilliance. Dies dürfte die Marge um rund 1,2 Prozentpunkte erhöhen. Allein wird dieser Effekt jedoch nicht ausreichen, um die historische Zielspanne von 8 bis 10 % wieder zu erreichen.

Bislang spiegelt sich davon noch nichts in den Zahlen wider. Das erste Quartal 2026 hat dies erneut verdeutlicht: Die operative Marge im Automobilgeschäft lag bei 5 % gegenüber 6,9 % im Vorjahreszeitraum. Das Produkt überzeugt die Kunden. Nun muss es auch die Gewinne steigern.

Die Logik des Abschlags

Mit einem Aktienkurs von rund 72 Euro wirkt BMW auf den ersten Blick attraktiv bewertet: weniger als das Achtfache der erwarteten Gewinne, eine Dividendenrendite von über 5 % und eine für 2026 erwartete Free-Cashflow-Rendite von nahezu 12 %, wie die DZ Bank hervorhebt.

Doch der Bewertungsabschlag hat seine Gründe. Die Eigenkapitalrendite liegt bei rund 6,5 %, während die Kapitalkosten nahe 10 % veranschlagt werden. Auf diesem Niveau erwirtschaftet BMW noch keine Rendite, die den Erwartungen seiner Aktionäre entspricht.

Die Neue Klasse könnte die Wachstumsgeschichte neu beleben. Entscheidend wird jedoch sein, ob sie die Ertragskraft verbessert. Derzeit bleibt BMW eine starke Marke zu einem günstigen Preis – allerdings mit einer Rentabilität, die noch zu wünschen übrig lässt.