Die erste Woche des neuen Jahres verlief für die europäischen Märkte äußerst positiv. Zahlreiche Indizes begaben sich ungeachtet der unverändert angespannten geopolitischen Lage auf Rekordjagd. Der Trend an der Wall Street war dagegen verhaltener und wurde durch den Technologiesektor gedämpft. Die Veröffentlichung des monatlichen US-Arbeitsmarktberichts führte allerdings zumindest vorübergehend zu einer Belebung der Risikobereitschaft. Kurz vor dem Startschuss für die Berichtssaison nächste Woche und im Vorfeld der Veröffentlichung der US-Inflationszahlen könnte die Volatilität rasch wieder steigen.
Wochenperformance*
STOXX EUROPE 600...
609.67  +2.27%
Chart STOXX EUROPE 600...
S&P 500
6'966.28  +1.57%
Chart S&P 500
NIKKEI 225
51'911.74  +3.06%
Chart NIKKEI 225
GOLD
$ 4'508.98  +3.13%
Chart GOLD
BRENT CRUDE OIL ...
$ 62.92  +3.54%
Chart BRENT CRUDE OIL ...
EURO / US DOLLAR
$ 1.16  -0.61%
Chart EURO / US DOLLAR
Tops / Flops der Woche

TOPS

Die Festnahme von Nicolás Maduro durch US-Spezialkräfte hat den Verteidigungssektor wieder in den Vordergrund rücken lassen. Zudem verschärft sich das geopolitische Klima durch die neuerlichen Drohungen Donald Trumps gegenüber Grönland. Vor diesem Hintergrund stand in dieser Woche die Rüstungsbranche im Fokus, und es profitierten vor allem Titel aus diesem Sektor, darunter Rheinmetall (+16%), Leonardo (+15%) und Thales (+13%).

InPost +37.5%: Nach Bekanntgabe des Eingangs eines indikativen Angebots zum Erwerb aller InPost-Aktien verzeichnete der Paketschließfach-Anbieter ein kräftiges Kursplus. Der Hinweis auf ein von Advent International geführtes Konsortium, dem auch Bestandsaktionäre angehören sollen, nährt Spekulationen über ein mögliches Delisting.

Tecan +17.51%: Nachdem der Schweizer Labortechnik-Hersteller seine Rentabilitätsprognose für das laufende Geschäftsjahr und seine mittelfristigen Ziele bekräftigt hatte, stieg die Aktie in der Gunst der Investoren. Obwohl der Umsatz nach wie vor rückläufig ist, haben die im 2. Halbjahr wieder zunehmenden Auftragseingänge und die höhere Prognosesicherheit für die Margenentwicklung das Anlegervertrauen wiederhergestellt. Die Unternehmensleitung rechnet mit einer weiteren Erholung der Endmärkte.

Valero Energy +12.08%: Nicht nur wegen der neuen Geschäftsaussichten in Venezuela verbuchte der Titel ein Kursplus. Hinzu kam die Bestätigung der kalifornischen Behörden, dass das Mineralölunternehmen trotz der bevorstehenden Stilllegung der Raffinerie in Benicia seinen Markt aus den aktuellen Beständen und Importen weiterhin versorgen könne. Mit dieser Klarstellung konnten die Befürchtungen hinsichtlich einer möglichen regionalen Kraftstoffknappheit ausgeräumt werden.

Rémy Cointreau +11.57%: Nach einer von Zuversicht geprägten Präsentation auf der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag (8. Januar) drehte der Kurs des Wein- und Spirituosenkonzerns wieder ins Plus. Demnach sei für das 3. Quartal eine Erholung des Geschäfts zu erwarten. Die Aufwärtsentwicklung war nicht zuletzt den soliden Ergebnissen von Constellation Brands und positiveren Analystenbewertungen zu verdanken: Jefferies zeigte sich optimistisch und Goldman Sachs hob sein Kursziel an.

Eurofins +11.74%: Nachdem die Analysten von Exane BNP Paribas das auf Analytik, Inspektion und Zertifizierung spezialisierte Unternehmen von Underperform auf Outperform hochgestuft und das Kursziel angehoben hatten, ging es auch für die Aktie wieder bergauf. Nach mehreren Jahren mit Fokus auf Investitionen erkennt das Research-Haus einen Wendepunkt. Hinzu kommt, dass auch Goldman Sachs sein Kursziel angehoben und damit dem Titel weiteren Auftrieb verliehen hat, auch wenn weiterhin Vorsicht geboten ist.

SLB (Schlumberger) +12.44%: Der Dienstleister für die Öl- und Gasindustrie profitiert vom Optimismus hinsichtlich der Zukunftsaussichten der Ölbranche in Venezuela. Darüber hinaus hat das Unternehmen einen Großauftrag von Aramco erhalten und die Kooperation mit Shell im Bereich der Digitalisierung ausgebaut.

FLOPS

Abivax -13.91%: Trotz solider Aussichten für 2026 und zuversichtlich stimmender Ergebnisse der klinischen Prüfung verlor die Aktie des Biotech-Unternehmens im Wochenverlauf an Terrain. Der Markt reagierte vor allem auf die abebbenden Spekulationen über eine mögliche Übernahme durch Eli Lilly, die zuvor durch die Übernahme von Ventyx Biosciences verstärkt worden waren. Auch Gewinnmitnahmen nach dem Kursanstieg trugen zu dem Rücksetzer bei, denn die positiven Faktoren werden ungeachtet der nach wie vor wohlwollenden Empfehlungen nun als weitgehend eingepreist betrachtet.

Munters -13.09%: Nach Äußerungen des CEO von Nvidia auf der CES, die als Risiko für die Nachfrage im Zusammenhang mit Rechenzentren wahrgenommen wurden, drehte der Kurs des Anbieters von Klimatisierungslösungen ins Minus. Die Abwärtsbewegung wurde zum Teil durch die Beibehaltung der Kaufempfehlung von SB1 Markets gedämpft, und das Management relativierte den Effekt.

AB Foods -12.52%: Nach einer Gewinnwarnung im Zusammenhang mit den aggressiveren, auf die Marge drückenden Werbeaktionen von Primark und der schwächelnden Nachfrage in den Vereinigten Staaten gab der Kurs von AB Foods nach. Zur konservativen Gewinnprognose kam eine verhaltenere Einschätzung der Analysten. So senkte die UBS ihr Kursziel, blieb aber bei ihrem neutralen Votum.

Renault -7.04%: Trotz der angekündigten Markteinführung seines neuen Premium-Crossovers Filante musste der Automobilhersteller einen Kursrückgang hinnehmen. Vor allem die erneut zunehmende Vorsicht der Analysten und die Anpassungen der Empfehlungen und Kursziele belasteten den Titel. Die positiven Signale aus einigen Schwellenländern vermochten den Wert im Wochenverlauf nicht zu stützen.

Chart Rohstoffe
Rohstoffe

Energie: Die Rohölpreise notierten zum Wochenschluss fester. Die Nordseesorte Brent wurde zuletzt mit ca. 62,30 USD je Barrel gehandelt, das US-Pendant WTI im Bereich von 58 USD. In der Gesamtbetrachtung stützen die politischen Spannungen in Venezuela und im Iran trotz des fortbestehenden weltweiten Überangebots die Preise. Die Situation in Venezuela bestimmt weiterhin die Nachrichtenlage. Nach der Festnahme von Präsident Nicolás Maduro kündigte die Trump-Regierung an, den venezolanischen Ölsektor auf unbestimmte Zeit kontrollieren zu wollen. Washington plant, Bestände von bis zu 50 Millionen Barrel Rohöl zu verkaufen, die derzeit von der staatlichen Ölgesellschaft PDVSA gelagert werden. Großkonzerne wie Chevron, Vitol und Trafigura konkurrieren um die entsprechenden Exportverträge. Die Aufmerksamkeit der Anleger gilt aber auch dem Iran. Die Protestwelle gegen die iranische Staatsführung sowie aus mehreren Großstädten gemeldete Internet-Abschaltungen lassen für die Stabilität der Produktion im Land Schlimmes befürchten. Die genannten geopolitischen Risiken wiegen derzeit noch die von den Fundamentaldaten des Marktes ausgehenden negativen Preissignale bei einem nach wie vor globalen Überangebot auf.

Metalle: Der Kupferpreis markierte an der London Metal Exchange (LME) vergangene Woche einen Rekord von 13.000 USD pro Tonne. Das knappere Angebot, die US-Zölle und das Risiko von Engpässen steuerten zu diesem fulminanten Anstieg bei. Der Höhenflug facht erneut Spekulationen über eine Annäherung zwischen Rio Tinto und Glencore an. Die Gespräche über eine Fusion zum weltgrößten Bergbaukonzern mit einem Unternehmenswert von insgesamt 263 Mrd. USD wurden wohl wieder aufgenommen. Im Segment Edelmetalle pendelte sich der Goldpreis nach dem Rekord von fast 4.550 USD Ende Dezember bei ca. 4.470 USD je Feinunze ein. Der Ukraine-Konflikt und die Verhaftung von Nicolás Maduro durch die USA unterstützen die Nachfrage nach dem Fluchtwert. Auch die Käufe der Zentralbanken verstärken diesen Trend. Silber entwickelte sich mit einem Wochenplus von ca. 6% überdurchschnittlich. Dabei profitierte das Edelmetall sowohl von seinem Status als Fluchtwert als auch von der Nachfrage der Industrie im Zusammenhang mit der Elektrifizierung.

Agrarrohstoffe: Weizen verteuerte sich in Chicago auf 515 Cent je Scheffel (Kontrakt mit Fälligkeit März 2025). Die von einem großen weltweiten Angebot geprägten Fundamentaldaten für den Markt treten angesichts der geopolitischen Risiken in den Hintergrund. Die jüngsten russischen Angriffe in der Ukraine haben massive Stromausfälle im Südosten des Landes verursacht und schüren die Sorgen über die Versorgungswege im Schwarzen Meer. Mais legte in Chicago ebenfalls zu und stieg auf 445 Cent. Soja verteuerte sich derweil auf 1.066 Cent.

Chart Rohstoffe
Makroökonomie

Marktstimmung: Die US-Beschäftigungszahlen heizen die Aktienindizes an. Nach monatelangem Warten hat das US-Arbeitsministerium die ersehnten Zahlen über die neu geschaffenen Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft veröffentlicht. Demnach wurden in der US-Wirtschaft im Dezember statt der erwarteten 60.000 nur 50.000 neue Stellen geschaffen. Die Arbeitslosenquote sank im selben Zeitraum jedoch um 0,1 Punkte auf 4,4%. Vor diesem Hintergrund setzten die wichtigsten Indizes ihren Aufwärtstrend fort, während die Anleiherenditen nahezu stabil blieben. So verharrte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen unterhalb der Widerstandslinie von 4,20%, mit einer ersten Unterstützungsmarke bei 4,11%. Der US-Dollar trat praktisch auf der Stelle und Gold stabilisierte sich unterhalb seiner jüngsten Höchstmarke bei 4.550 USD je Feinunze.

Kryptowährungen: Der Bitcoin verlor diese Woche 1% und kratzt nun an der 90.000-Dollar-Marke. Auch die zweitwertvollste Kryptowährung am Markt schloss sich diesem Trend an: Der Ether (ETH) gab 1,4% ab und nähert sich wieder der 3.000-Dollar-Schwelle. Die wichtigsten Meldungen der Woche bezogen sich auf den Sektor der Stablecoins. Laut Bloomberg Intelligence ist mit einem massiven Anstieg von Stablecoins zu rechnen. Das Unternehmen spricht sogar von einem möglichen "Tsunami" bis zum Ende des Jahrzehnts. Den Analystenangaben zufolge erreichten Transaktionen mit Stablecoins im Jahr 2025 mit 33 Bio. USD einen Rekordwert - ein Zuwachs von 81% gegenüber dem Vorjahr. Bis zum Jahr 2030 könnte das Volumen 56 Bio. USD überschreiten. Im Gleichlauf dürfte die derzeit bei rund 312 Mrd. USD liegende Kapitalisierung des Sektors rasch anziehen. Prognosen zufolge könnte sie bis zum Jahr 2028 sogar 2 Bio. USD erreichen. Über lange Zeit dienten Stablecoins lediglich als Einstieg in das Krypto-Ökosystem. Mittlerweile sind sie jedoch zu einem der wichtigsten Anlagethemen der gesamten Branche geworden.

Kurs und Volumen
JPMorgan Chase und die Bank of New York eröffnen am Dienstag den Zahlenreigen der Jahresergebnisse. Anschließend werden weitere US-Finanzdienstleister ihre Ergebnisse präsentieren. In Europa macht Sika am Dienstag den Auftakt, bevor am Donnerstag Richemont als erstes Unternehmen aus der Luxusgüterbranche seine Zahlen vorlegt.
Mit Blick auf die Konjunkturdaten werden die US-Inflationsrate für Dezember und das BIP in Deutschland für 2025 am Dienstag bzw. Donnerstag erwartet.
Wie wünschen Ihnen allen einen guten Start ins neue Jahr!
*Die Wochenperformance der Indizes und Aktien bezieht sich auf den Zeitraum von der Eröffnung der Märkte am Montag bis zur Erstellung dieses Newsletters am Freitag.
Die Wochenperformance von Rohstoffen, Edelmetallen und Währungen bezieht sich auf den 7-Tage-Zeitraum von Freitag bis Freitag (bis zur Erstellung des Newsletters). Diese Vermögenswerte notieren auch an Wochenenden.