Die britische Wettbewerbsbehörde CMA begründete ihr Veto mit kartellrechtlichen Bedenken. Aus rein finanzieller Sicht kommt die Entscheidung für die Analysten von MarketScreener jedoch nicht überraschend. Darauf hatten wir bereits Anfang des Jahres in unserem Beitrag Getty Images am Rande der Insolvenz hingewiesen.

Die entscheidende Frage für beide Unternehmen lautet, ob der Wert ihrer wichtigsten Vermögenswerte – ihrer Bilddatenbanken – in einer von generativer Künstlicher Intelligenz dominierten Welt Bestand haben wird. Bei Getty, das unter einer hohen Schuldenlast leidet, zeigt sich bereits heute, dass diese Entwicklung die finanzielle Stabilität zunehmend belastet.

Wie wir damals auch im Beitrag Shutterstock versetzt Arbitrage-Händler in Aufregung schrieben, verlief die Entwicklung von Shutterstock seit dem Börsengang im Jahr 2012 deutlich erfolgreicher. Der Umsatz hat sich seitdem versechsfacht, das EBITDA sogar verachtfacht.

Auch nach dem Scheitern der Fusion dürfte die Aktie ein bevorzugtes Spielfeld für Merger-Arbitrageure bleiben – möglicherweise sogar mehr als zuvor. Getty hatte rund 29 US-Dollar je Aktie geboten. Nach der endgültigen Ablehnung durch die CMA ist der Kurs nun jedoch unter die Marke von 10 US-Dollar gefallen.

Der Unternehmenswert von Shutterstock entspricht damit nur noch etwa dem Dreifachen des EBITDA beziehungsweise dem Fünffachen des im Geschäftsjahr 2025 erzielten freien Cashflows – ohne Bereinigung um aktienbasierte Vergütungen.

Optimisten können dieser Entwicklung zwei positive Aspekte abgewinnen. Erstens bietet das frühere Übernahmeangebot von Getty mit mehr als dem Dreifachen des aktuellen Aktienkurses einen klaren Anhaltspunkt für den Fall, dass sich ein anderer strategischer Käufer findet. Zweitens erscheint Shutterstock selbst auf eigenständiger Basis nach der möglicherweise überzogenen Marktreaktion inzwischen attraktiv bewertet.

Ob Shutterstock letztlich zu den Gewinnern oder Verlierern des KI-Booms gehören wird, bleibt die entscheidende Frage – und sie ist angesichts des aktuellen Unternehmenswerts von rund 500 Mio. US-Dollar buchstäblich eine 500-Mio.-US-Dollar-Frage.

Nur wenige Tage vor dem endgültigen Aus der Fusion gab Getty eine Partnerschaft mit OpenAI bekannt. Wie diese Vereinbarung zu bewerten ist, lässt sich allerdings kaum einschätzen, da weder technische noch finanzielle Details veröffentlicht wurden. Das könnte darauf hindeuten, dass die Konditionen für Getty weniger attraktiv ausfallen, als manche gehofft hatten.

Bei Shutterstock tragen Lizenzvereinbarungen mit Anbietern von KI-Modellen bereits rund ein Sechstel zum Umsatz bei. Bislang hat das Wachstum dieser Partnerschaften jedoch keinen nennenswerten positiven Effekt auf das operative Ergebnis gehabt.

Die Anleger, die in der Fusion mit Getty einen möglichen Rettungsanker gesehen hatten, haben sich daher klar positioniert – und zwar auf der Seite der Skeptiker. Die Zahlen für das erste Quartal untermauern diese Einschätzung zusätzlich: Der Umsatz von Shutterstock brach im Jahresvergleich um deutliche 18 % ein.