Sie haben es zweifellos bemerkt: Die Preise an den Zapfsäulen sind in den vergangenen Tagen regelrecht explodiert. Die Auswirkungen der Schließung der Straße von Hormus erklären diesen Anstieg, der inzwischen auch auf die Aktienmärkte durchschlägt. Historisch betrachtet wird die Korrelation zwischen Ölpreisen und Aktien häufig negativ, wenn Rohöl neue Höchststände erreicht: Je stärker der Ölpreis steigt, desto größer wird das Risiko fallender Aktienmärkte. Der Grund ist einfach: teurere Energie bedeutet höhere Inflation, geringere Kaufkraft und eine niedrigere Wahrscheinlichkeit von Zinssenkungen durch die Zentralbanken. Die langfristigen Zinsen spiegeln diese Entwicklung bereits wider, da sie seit Beginn des Konflikts im Nahen Osten deutlich gestiegen sind, während Anleihen ihre Rolle als stabilisierender Puffer überhaupt nicht erfüllen. Auch Gold übernimmt diese Funktion derzeit nicht. Auffällig ist zudem, dass unter den betroffenen Anlageklassen die US-Aktienmärkte bislang am wenigsten unter der Krise leiden. Im Gegensatz dazu werden die Schwellenländer und Europa doppelt getroffen – durch ihre Energieabhängigkeit und durch die Stärke des Dollars. Man könnte von einem doppelten Belastungseffekt sprechen.
Gründe zur Hoffnung
Der Markt richtet seinen Blick derzeit vor allem auf den Ölpreis, der sowohl beim WTI als auch beim Brent die Marke von 120 US-Dollar beinahe erreicht hat. Interessant ist dabei, dass sich der Markt in einer sogenannten Backwardation-Situation befindet: Die Preise für kurzfristige Futures liegen über denen für länger laufende Kontrakte. Eine solche Konstellation fällt häufig mit einem Höhepunkt am Markt zusammen. Sollte sich der Konflikt beruhigen oder sollten Verhandlungen beginnen, könnte der Ölpreis rasch nachgeben und eine Erholung riskanter Anlageklassen auslösen. Historisch betrachtet gingen zahlreiche regionale Konflikte mit Markt-Tiefs einher, wenn der Ölpreis seinen Höhepunkt erreicht hatte.
Gleichzeitig haben die beteiligten Akteure ein gemeinsames Interesse daran, die Dauer des Konflikts zu begrenzen. Iran muss seine Ölexporte – eine der wichtigsten Quellen für Deviseneinnahmen – wieder aufnehmen. China möchte seine Energieimporte sichern. Und Donald Trump hat ebenfalls ein Interesse daran, einen Inflationsschock vor den Midterm-Wahlen zu vermeiden, wenn er seine Mehrheit bewahren und der Federal Reserve Zinssenkungen ermöglichen will.
Auch aus technischer Sicht befinden sich viele Märkte an einem Wendepunkt. Der Dollar-Index bewegt sich um eine symmetrische Marke bei 99,70, während der horizontale Widerstand bei etwa 100,30 liegt. Parallel dazu nähert sich EUR/USD den Tiefständen vom vergangenen November bei 1,1485/1,1475. Der Euro Stoxx 50 liegt nur noch wenige Prozent unter den Höchstständen von 2025 im Bereich von 5515/5450, während sich der S&P 500 seinem gleitenden Durchschnitt der letzten 200 Handelstage nähert, der als Unterstützung im Bereich von 6600/6550 gilt. Entsprechend wird der Markt aufmerksam nach Anzeichen einer Kapitulation Ausschau halten, die das Ende der aktuellen Abwärtsphase signalisieren könnten.
























