Am Samstag haben die Vereinigten Staaten die Operation „Epic Fury“ im Iran gestartet. Eine weitere Eskalation, die einer ohnehin angespannten geopolitischen Lage zusätzliche Unsicherheit verleiht. In diesem Umfeld stehen risikoreiche Anlagen – zu denen Bitcoin zweifellos zählt – unter Druck. Der BTC verliert am Samstag rund 3 % und notiert bei etwa 64.000 USD. Nach einem Rückgang von -10 % im Januar dürfte der Kurs im Februar um rund -17 % fallen.

MarketScreener
Bitcoin - die Stadt der Angst
Bevor wir die Bitcoin-Blockchain im Detail analysieren, lohnt sich ein Blick auf die Stimmung der Anleger. Die Google-Suchanfragen nach „Bitcoin going to zero“ haben den höchsten Stand der vergangenen fünf Jahre erreicht. Mit anderen Worten: Das Vertrauen der Krypto-Investoren und Interessenten ist derzeit stark erschüttert.

Google Trends
Ein weiterer Indikator für die Marktstimmung ist der Crypto Fear & Greed Index. Zur Messung der Emotionen der Anleger berücksichtigt dieser mehrere unterschiedlich gewichtete Faktoren: Volatilität (25 %), Markt-Momentum/Volumen (25 %), soziale Netzwerke (15 %), Umfragen (15 %), Dominanz (10 %) und Trends (10 %).
Aktuell steht der Index bei 5 von 100 Punkten – ein Niveau extremer Angst. Vergleichbare Werte wurden in anderen dunklen Phasen der Bitcoin-Geschichte erreicht: beim Zusammenbruch von FTX, während der Covid-Krise oder beim Kollaps von Terra/Luna.

Glassnode
Werfen wir nun einen Blick direkt in die Bitcoin-Blockchain mithilfe der sogenannten On-Chain-Analyse. Dabei werden die unmittelbar auf der Blockchain gespeicherten Daten – Transaktionen, Wallet-Bewegungen, Miner-Aktivitäten – ausgewertet, um das Verhalten der Marktteilnehmer und den Zustand des Marktes in Echtzeit zu beurteilen.
Im Gewinn oder im Verlust?
Der Anteil der aktuell im Umlauf befindlichen Bitcoins, die im Gewinn liegen, beträgt 53 % – also nahezu die Hälfte. Zur Berechnung wird ermittelt, bei welchem Preis die jeweiligen Coins zuletzt bewegt wurden, und dieser Wert mit dem aktuellen Kurs verglichen. Ein ähnlich niedriger Prozentsatz wurde zuletzt verzeichnet, als der Bitcoin nach dem FTX-Debakel zwischen 15.000 und 20.000 USD pendelte.

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Eine weitere aufschlussreiche Kennzahl: Nach kontinuierlichen Gewinnmitnahmen seit dem Start der Bitcoin-ETFs Anfang 2024 markiert der Jahresbeginn 2026 eine schmerzhafte Trendwende. Die realisierten Verluste erreichen inzwischen historische Dimensionen, vergleichbar mit den Niveaus während des FTX-Zusammenbruchs 2022. Seit rund einem Monat werden täglich zwischen 500 Mio. USD und 2 Mrd. USD an realisierten Verlusten im Netzwerk verbucht – in einem Zeitraum, in dem der Bitcoin von 90.000 USD auf aktuell 64.000 USD gefallen ist.

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Der Halving-Effekt…
Historisch betrachtet hatte das Bitcoin-Halving – also die Halbierung der Blockbelohnung für Miner – stets einen positiven Effekt auf den Kurs. Bei sinkendem Angebot und stabiler Nachfrage entsteht theoretisch ein Aufwärtsdruck auf den Preis. Das letzte Halving im April 2024 hat diese Erwartungen bislang nicht erfüllt. Seitdem verzeichnet der Bitcoin lediglich einen Anstieg von rund +3 %. In früheren Zyklen lag die Kursentwicklung zwei Jahre nach dem Halving zwischen +400 % und +6.800 %.

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Große Wallets akkumulieren
Die sogenannten großen Wallets hingegen nutzen die Schwächephase zur Akkumulation. Die Zahl der Entitäten mit mindestens 100 BTC – derzeit rund 6,4 Mio. USD Gegenwert – steigt kontinuierlich. Das deutet darauf hin, dass diese Marktteilnehmer langfristig orientiert bleiben und die Kursrückgänge für Zukäufe nutzen.

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Übergeordnet zeigt sich ein Muster, das bereits aus früheren Zyklen bekannt ist: Langjährige Investoren realisieren in Haussephasen Gewinne, indem sie ihre Bestände an spekulativ orientierte Neueinsteiger verkaufen. Es folgt eine mitunter lang anhaltende und teils heftige Korrekturphase, in der die Nachfrage der Neulinge nicht ausreicht, um den Verkaufsdruck zu absorbieren. Die Kurse fallen, die neuen Marktteilnehmer geraten in Panik und verkaufen mit Verlust, während erfahrene Investoren unterhalb ihrer ursprünglichen Verkaufspreise wieder einsteigen.
Seit nunmehr zehn Jahren liefert die On-Chain-Analyse immer wieder dieselbe Lehre – auch wenn sich die konkreten Auslöser für Angst und Kursrückgänge von Zyklus zu Zyklus unterscheiden. Ist es diesmal anders? Darüber werden wir in Kürze wieder in den Spalten von MarketScreener berichten.
Zum Abschluss ein letzter Chart, der zum Nachdenken anregen dürfte. Betrachtet man historisch die relativen Rückgänge vom jeweiligen Allzeithoch bis zum Tiefpunkt (Drawdown vom ATH), zeigt sich weiteres Abwärtspotenzial:
- 2011: von 29 USD auf 2 USD (-93 %)
- 2013–2015: von 1.130 USD auf 210 USD (-85 %)
- 2017–2018: von 19.000 USD auf 3.200 USD (-83 %)
- 2021–2022: von 67.500 USD auf 15.800 USD (-76 %)
Seit dem Hoch im Oktober 2025 bei 126.000 USD liegt der Bitcoin rund -50 % im Minus.
Unter der Annahme eines anhaltenden Bärenmarkts – den niemand mit Sicherheit vorhersagen kann, selbst nicht mit der bestpolierten Kristallkugel – und eines möglichen Rückgangs von -70 % bis -75 % vom Allzeithoch könnte sich der Bitcoin in einer Spanne zwischen 31.000 und 38.000 USD einpendeln. Garantien für ein solches Szenario gibt es selbstverständlich nicht. Sicher ist lediglich: Der Bitcoin hat in der Vergangenheit eindrucksvoll bewiesen, dass seine Volatilität enorm ist – und dass Investoren starke Nerven brauchen.






















