Ein Ausblick auf den Tag an den europäischen und globalen Märkten von Stella Qiu

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Präsident Donald Trump hat schon so oft ein unmittelbar bevorstehendes Friedensabkommen mit dem Iran verkündet, dass man leicht den Überblick verlieren kann. Doch dieses Mal bot er etwas verlockend Konkretes an – eine Unterzeichnungszeremonie am Wochenende in Europa gemeinsam mit seinem Vizepräsidenten. Das reichte aus, um die Aktienanleger direkt wieder in einen ohnehin schon überhitzten Markt getrieben.

Seitdem hat der Iran Schiffe in der Straße von Hormus angegriffen, eine endgültige Entscheidung über ein Abkommen dementiert und geschworen, bei seinen Kernforderungen keine Kompromisse einzugehen.

Dennoch war die Reaktion in Asien ein lautstarkes Bekenntnis zum Risiko. Südkorea führte die Rallye mit einem massiven Sprung von 8% an, während der japanische Nikkei um 3,5% zulegte. Die europäischen Börsen dürften fast 2% fester eröffnen, wobei die Wall-Street-Futures an die starke nächtliche Rallye anknüpfen.

Auch Anleihen legten zu, da die Ölpreise auf Zwei-Monats-Tiefs fielen und die Inflationssorgen dämpften. Die Europäische Zentralbank musste die Zinsen zum ersten Mal seit fast drei Jahren anheben, um die kriegsbedingte Inflation im Keim zu erstickten. Sollte die Straße von Hormus jedoch bald wieder freigegeben werden, sinkt die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Zinserhöhung im nächsten Monat.

Für Kevin Warsh, der nächste Woche seine erste Sitzung der US-Notenbank leiten wird, wäre ein Friedensabkommen ein Geschenk des Himmels, das möglicherweise sogar Zinssenkungen wieder auf die Agenda setzen könnte.

Andernorts scheint die Saison der Krankmeldungen bei den Zentralbanken angebrochen zu sein. Der Gouverneur der Bank of Japan, Kazuo Ueda, wird die Sitzung in der nächsten Woche verpassen, bei der allgemein eine Anhebung auf 1% erwartet wird, da er sich von einer Leberzyste erholt.

Die russische Zentralbank tagt am nächsten Freitag, und ihre Chefin Elvira Nabiullina wurde seit dem 28. Mai krankheitsbedingt nicht mehr gesehen. Präsident Wladimir Putin hat bereits signalisiert, dass er eine Zinssenkung erwartet – ganz so, wie es sich ein gewisser Präsident auch für die USA wünschen würde.

Noch vor der ganzen Aufregung um die Zentralbanken feiert Elon Musks SpaceX heute sein Börsendebüt, nachdem das Unternehmen die Rekordsumme von 75 Mrd. USD eingesammelt hat. Dies bewertet das Unternehmen mit 1.770 Mrd. USD und macht seinen Gründer zum ersten Billionär der Welt (ein Wort, das MarketScreener zufolge nicht einmal von der Rechtschreibprüfung erkannt wird). Ein starker Börsenstart wäre ein weiterer Grund für Optimismus.

Wichtige Entwicklungen, die die Märkte am Freitag beeinflussen könnten:

o Aussichten auf ein baldiges Friedensabkommen am Golf

o Handelsstart von SpaceX an der NASDAQ

o University of Michigan Verbrauchervertrauen für Juni

o Monatliche BIP-Daten aus Großbritannien, endgültige CPI-Daten für Mai aus Frankreich und Deutschland