Zwar sind die neuen Handelsbarrieren Realität, doch bestehen kurzfristig noch gewisse Verhandlungsspielräume. Der Handelsüberschuss der Schweiz mit den USA ist strukturell gegeben, erreichte jedoch 2024 einen selten hohen Wert. Rund die Hälfte entfällt auf Pharmaexporte, während Goldverkäufe zuletzt kräftig zulegten – ein typisches Phänomen in Zeiten erhöhter Spannungen.

Donald Trump hat Gold bereits von den Zöllen ausgenommen. Damit sind schon 21 % der Schweizer Exporte in die USA vollständig zollfrei.

Bleibt die Frage, was Washington tatsächlich verärgert.

Der von den USA geforderte bessere Marktzugang für amerikanische Produkte stellt hier kein Problem dar, denn seit dem 1. Januar 2024 hat die Schweiz sämtliche Industriezölle abgeschafft. 99,3 % der US-Exporte in die Schweiz sind somit abgabenfrei.

Im Mittelpunkt des Konflikts scheint vielmehr die Pharmaindustrie zu stehen, die 48 % der Schweizer Ausfuhren in die USA ausmacht. Laut Reuters soll es in dieser Woche Gespräche zwischen den Spitzen von Novartis, Roche und der Schweizer Regierung geben, um Lösungen zu finden.

Trotz Befürchtungen eines deutlichen SMI-Rückgangs ist die mediale und politische Aufregung bislang nicht auf die Märkte übergesprungen.

Ein genauer Blick auf die Indexzusammensetzung liefert Erklärungen: Werte, die von den Zöllen unberührt bleiben – etwa Holcim, Partners Group oder Swiss Life – verzeichneten deutliche Kursgewinne. Diese Zugewinne kompensierten die stärkeren Rückgänge von Titeln mit höherer Nordamerika-Exponierung, wie beispielsweise Amrize.

Die Widerstandskraft des SMI erklärt sich zudem dadurch, dass ein Großteil der gelisteten Unternehmen direkt in den USA oder in Europa produziert. Damit greift nur ein Zollsatz von 15 % – rund 24 % weniger, als bei einer vollständigen Exportbelastung fällig wäre. Hinzu kommt, dass Schweizer Exporte überwiegend Produkte mit hoher Wertschöpfung umfassen, die eine geringe Preiselastizität aufweisen – sprich: Bei Preiserhöhungen geht die Nachfrage weniger stark zurück als im Durchschnitt.

Für die Schweizer Wirtschaft ist dies zwar ein Rückschlag, besonders für kleinere Firmen stärker als für die Blue Chips, doch dürfte sie den Schlag verkraften. Die Ökonomen haben ihre Wachstumsprognosen kaum angepasst und erwarten für dieses Jahr ein Plus von 1,4 % – mehr als in der Eurozone.