Europa uneinheitlich – „falkenhafte“ Fed sorgt für Verunsicherung
Die europäischen Börsen zeigen sich am Donnerstag unentschlossen. Die Märkte schwanken zwischen der vorzeitigen Unterzeichnung des Abkommens zwischen den USA und dem Iran und der restriktiven Haltung, welche die Fed gestern Abend nach ihrer Zinssitzung (FOMC) eingenommen hat.
Veröffentlicht am 18.06.2026 um 10:42
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„Presseberichten zufolge sieht die 14 Punkte umfassende Grundsatzvereinbarung eine rasche Wiedereröffnung der Straße von Hormus vor, mit einer verlängerbaren Frist von 60 Tagen, um ein endgültiges Abkommen über Nuklearfragen und umfassende Sanktionserleichterungen auszuhandeln“, fasst die Deutsche Bank zusammen.
Die gestrige Nachricht über die zwei Tage früher als erwartet erfolgte Unterzeichnung dieses Protokolls zwischen den USA und dem Iran stützt den Optimismus der Märkte hinsichtlich einer baldigen Verbesserung der Ölversorgung. Dies spiegelt sich im anhaltenden Rückgang der Rohölpreise wider.
So sinkt der Preis für WTI (West Texas Intermediate) heute Morgen um 1,2% auf rund 75 USD pro Barrel, während die Sorte Brent einen Rückgang von 0,8% auf knapp unter 78 USD pro Barrel verzeichnet. Dies dämpft die Sorgen vor breiteren Inflationsspannungen.
Nach einer Fed-Sitzung mit „hawkish“ Unterton...
Obwohl sich das FOMC wie erwartet für eine Beibehaltung der Zinssätze entschied, schlug es für den weiteren Verlauf härtere Töne an als antizipiert. Laut dem FedWatch-Tool der CME stieg die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung bereits Ende Juli auf über 70%.
„Das Juni-FOMC erwies sich als eindeutig ‚hawkish‘ (falkenhaft): Neun Entscheidungsträger prognostizieren Zinserhöhungen im Jahr 2026, und die Inflationsprognosen wurden deutlich nach oben korrigiert“, betonen die Analysten der Bank of America.
„Warsh selbst zeigte eine rigorose Haltung und betonte die Bedeutung der Wiederherstellung der Preisstabilität. Wir sehen nun ein deutlich höheres Risiko für eine Zinserhöhung noch in diesem Jahr“, so die US-Bank.
...richten sich die Blicke auf die Bank of England
Nun richten die Anleger ihre Aufmerksamkeit auf die Bank of England (BoE). Die britische Zentralbank wird zur Mitte des Tages ihre geldpolitische Entscheidung bekannt geben, wobei auch hier ein Stillstand erwartet wird.
„Die BoE stand kurz davor, ihren Leitzins zu senken, als der Krieg im Nahen Osten ausbrach. Seitdem hat sich der Ton des MPC verschärft, jedoch nicht so sehr, dass in einem so unsicheren Umfeld eine überstürzte Zinserhöhung vorgenommen würde“, erinnerte Oddo BHF zu Beginn der Woche.
„Staatliche Maßnahmen zur Entlastung bei den Energiekosten haben die Inflation gedämpft. Die jüngste Umfrage der BoE hat die Sorgen vor Zweitrundeneffekten etwas zerstreut. Die BoE wird in einer ‚Wait-and-see‘-Position bleiben, jedoch mit einer Tendenz nach oben“, hieß es weiter.
Edenred haussiert, Carrefour strauchelt in Paris
In der Zwischenzeit sorgt das Unternehmensgeschehen für Bewegung: Edenred stürmt mit einem Plus von 15% an die Spitze des CAC 40. Gerüchten zufolge erwägt der britische Fonds BC Partners die Übernahme des Spezialisten für Gutscheinsysteme und sucht dafür nach einem Finanzpartner.
Am anderen Ende der Skala verzeichnet Carrefour mit einem Minus von 6,3% den stärksten Rückgang im Pariser Leitindex. Die Aktie leidet unter einer Senkung des Kursziels durch JPMorgan von 10 auf 9 EUR, wobei die US-Bank ihre Empfehlung auf „Underweight“ belässt.
Andernorts in Europa geben Tesco in London um 2,7% nach. Der führende britische Einzelhändler legte enttäuschende Ergebnisse für das erste Quartal vor, wobei sich das Umsatzwachstum im Vereinigten Königreich verlangsamte, da der Konflikt im Iran den privaten Konsum belastet.
Dagegen legen BE Semiconductor Industries (BESI) in Amsterdam um 1,4% zu. Der niederländische Chipausrüster hob im Vorfeld seines heutigen Investorentags seine langfristigen Ziele deutlich an.
Generali gewinnen in Mailand 1,3%. Hier stützen Presseberichte, wonach UniCredit erwägen könnte, die von Delfin gehaltene Beteiligung von 10% zu übernehmen oder gar zu verdoppeln, was das Anlegerinteresse an dem italienischen Versicherer neu entfacht.


















