Die europäischen Aktienmärkte verzeichneten am Freitag deutliche Kursgewinne. Die wichtigsten Indizes kletterten um mehr als 1%, da die Hoffnung auf einen diplomatischen Durchbruch im Nahen Osten die Ölpreise belastete und für neuen Optimismus an den Märkten sorgte.

Die Terminkontrakte für Brent-Rohöl fielen um 3,7% und weiteten damit die Verluste der vorangegangenen Sitzung aus. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump Pläne für einen Schlag gegen den Iran abgesagt und erklärt, dass bereits an diesem Wochenende eine Einigung erzielt werden könnte.

Der paneuropäische STOXX 600 Index stieg um 1,9% auf 633,21 Punkte und verbuchte damit auf Wochensicht ein Plus von 1,7%.

Spaniens IBEX 35 schnitt im regionalen Vergleich überdurchschnittlich gut ab, legte um mehr als 2,6% zu und erreichte ein Allzeithoch.

„Nach ein oder zwei Wochen, in denen wir eine gewisse Volatilität sahen – zumeist mit Abwärtstendenz – hat dies der Stimmung in Europa den dringend benötigten Impuls gegeben“, sagte Chris Beauchamp, Chef-Marktanalyst bei der IG Group.

„Europäische Aktien sind nach wie vor günstiger als ihre US-Pendants, insbesondere im Technologiesektor. Vielleicht ist es an der Zeit, dass Anleger angesichts der niedrigeren Bewertungen wieder mit mehr Vertrauen auf europäische Titel blicken.“

Der versöhnliche Wochenausklang folgte auf eine Phase starker Turbulenzen an den europäischen Börsen. Diese war geprägt von heftigen Schwankungen bei KI-bezogenen Technologiewerten, Druck auf britische Banken aufgrund verschärfter Regulierungen in China sowie einer Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank um 25 Basispunkte.

Händler erwarten laut LSEG-Daten weiterhin, dass die Kreditkosten bis zum Jahresende um weitere 25 Basispunkte steigen werden.

Energiewerte bildeten am Freitag das Schlusslicht und gaben im Sog der sinkenden Rohölpreise um 1% nach.

Reise- und Freizeitwerte waren mit einem Plus von 4,1% die Tagessieger und erreichten ein Fünfmonatshoch. Die Fluggesellschaften Lufthansa und Air France legten um 5,2% bzw. 8,4% zu, während der Touristikkonzern TUI AG um 8,7% nach oben sprang.

Der STOXX 600 Bankenindex führte die Sektorgewinne mit einem Plus von 4,3% an, wobei Deutsche Bank und Societe Generale jeweils um mehr als 6% zulegten.

Acciona Energia kletterte um 13%, nachdem Medienberichte besagten, dass globale Infrastrukturfonds gemeinsam für Anteile an dem spanischen Unternehmen für erneuerbare Energien bieten wollen. Die Muttergesellschaft, der Bau- und Energiekonzern Acciona, stieg ebenfalls um 10,4%.

Novo Nordisk gewann 1,7% hinzu, nachdem die britische Arzneimittelbehörde am Donnerstag die Abnehmpille des Herstellers zugelassen hatte. Damit ist Großbritannien der erste Markt in Europa, auf dem Patienten Zugang zu der oralen Behandlung haben.

Auf der Datenseite schwächte sich die Inflation in Deutschland im Mai leicht auf 2,7% ab, während die britische Wirtschaft im April um 0,1% schrumpfte.

Globale Investoren blickten zudem gespannt auf den US-Markt, wo die Aktie von SpaceX bei ihrem Nasdaq-Debüt am Freitag um über 20% in die Höhe schoss, was die Bewertung des Unternehmens auf mehr als 2.000 Mrd. USD hob.