Nutzer berichten in Online-Foren von einem nachlassenden Verlangen sowie Unsicherheiten darüber, wie GLP-1-Therapien die Nachwirkungen von Marihuana beeinflussen könnten - insbesondere den appetitgetriebenen "Heiehunger" (Munchies). Gleichzeitig registrieren Fachgeschäfte (Dispensaries) eine Verschiebung der Kundenpräferenzen.
Obwohl die wissenschaftliche Datenlage noch begrenzt ist, reagieren Cannabis-Einzelhändler bereits auf diesen Wandel.
Stoops NYC, ein Fachgeschäft im New Yorker Flatiron-Distrikt, gab an, Kunden, die GLP-1-Medikamente einnehmen, vermehrt niedrig dosierte Edibles, Vapes oder Tinkturen zu empfehlen.
Ein unmittelbarer Interaktionsbereich ist die Verdauung: Da GLP-1-Therapien die Magenentleerung verzögern, kann sich der Wirkungseintritt von Cannabis-Edibles verspäten. Dies erhöht das Risiko, dass Konsumenten zu früh weitere Dosen einnehmen, was zu unerwartet starken Rauschzuständen führen kann.
"Da die GLP-Adoption an Fahrt gewinnt, prüfen wir Möglichkeiten, um am Point of Sale eine klarere Beratung anzubieten", sagte Wendy Bronfein, Mitbegründerin und Chief Brand Officer bei Curio Wellness.
Forscher beginnen nun, den Zusammenhang direkter zu untersuchen. Das National Institute on Drug Abuse sponsert in diesem Jahr eine klinische Studie zur Bewertung von Tirzepatid - dem Wirkstoff in den Abnehmpräparaten von Eli Lilly - als potenzielle Behandlung für Cannabis-Abhängigkeit.
Die Direktorin der Behörde, Dr. Nora Volkow, erklärte zudem, dass retrospektive Analysen elektronischer Gesundheitsakten zeigten, dass Diabetiker, denen GLP-1-Medikamente wie Semaglutid verschrieben wurden, signifikant bessere gesundheitliche Ergebnisse im Zusammenhang mit Cannabis-Konsumstörungen aufwiesen als Patienten unter anderen Diabetes-Therapien.
Eine weitere Studie des Brigham and Women's Hospital soll voraussichtlich im Laufe dieses Jahres beginnen.
Das Konsumverhalten könnte sich auch in anderer Hinsicht verändern. Einige Nutzer scheinen Alkohol durch Cannabis zu ersetzen, während andere zu einer gezielten oder intentionalen Nutzung gegen Schlafstörungen oder Stress übergehen, so Steph Woods, Vice President of Sales bei SRSE Technology.
Daten der gemeinnützigen Cannabis-Bildungsorganisation Realm of Caring belegen eine wachsende Neugier der Verbraucher bezüglich der Verbindung zwischen Cannabis und Stoffwechsel. Seit 2024 gehören Anfragen wie "THC zur Gewichtsabnahme", "Cannabissorten, die den Appetit zügeln" und "Edibles, die nicht hungrig machen" zu den Top 20 der Cannabis-Hotline.
Dennoch mahnen Brancheninsider zur Vorsicht, da viele Erkenntnisse bisher anekdotisch bleiben. "Es gibt hier kein Eins-plus-eins-gleich-zwei-Szenario", sagte Michael Flemmens, Executive Vice President of Research bei SRSE Technology. Er wies darauf hin, dass Unterschiede im Stoffwechsel, in der Dosierung, der Toleranz und sogar der Art des verwendeten GLP-1-Medikaments eine Rolle spielten. (Berichterstattung durch Mrinalika Roy in Bengaluru; Redaktion durch Pooja Desai)


















