Rückblick: 2019 galt Goldman Sachs als massiv unterbewertet – die Marktkapitalisierung lag unter dem Buchwert des Eigenkapitals. Kritisiert wurden damals die verlustreiche Expansion ins Privatkundengeschäft, die Führungsleistung von CEO David Solomon, steigende Bonuszahlungen sowie unglückliche Engagements im Immobilienkreditbereich.

Heute hat sich das Blatt vollständig gewendet. Die Aktie wird mit dem mehr als Zweifachen des Buchwerts gehandelt – ein Bewertungsniveau, das zuletzt vor über 15 Jahren erreicht wurde. Auch die Rentabilität zieht spürbar an: Im ersten Halbjahr 2025 erzielte Goldman Sachs eine Eigenkapitalrendite von 14,9 %, ein Niveau, das man seit Jahren nicht mehr gesehen hatte.

Die Halbjahresergebnisse bestätigen einen Trend, der sich quer durch die US-Bankenlandschaft zieht: Die Investmentbanking-Sparten florieren – insbesondere die Handelsabteilungen erwirtschaften erneut Rekordgewinne.

Doch auch der Beratungsbereich von Goldman Sachs liefert: Der Umsatz in diesem Segment stieg im Jahresvergleich um 16 %. Besonders dynamisch zeigt sich erneut die Finanzierung im Bereich Private Debt – das derzeit beherrschende Thema an den Kapitalmärkten. Hier legten die Erlöse um 21 % zu.

Zudem belebt sich das Kapitalmarktgeschäft nach einer längeren Phase der Zurückhaltung deutlich – Börsengänge und Kapitalerhöhungen feiern ihr Comeback und sorgen für zusätzliche Erträge. Die übrigen Geschäftsbereiche – Brokerage, Services und Asset Management – erweisen sich weiterhin als stabile Ertragspfeiler.

Diese vorteilhafte Marktlage ermöglicht es Goldman Sachs, die seit der Pandemie deutlich gestiegenen operativen Kosten zu schultern und dennoch den höchsten Halbjahresgewinn seit 2021 zu erzielen – ebenfalls ein Ausnahmejahr in der Unternehmensgeschichte.

Zudem reduzierte das Institut seine ausstehenden Aktien in nur sechs Monaten um weitere 3,5 % und erhöhte die Quartalsdividende um ein Drittel. Damit folgt Goldman dem Kurs anderer großer Wall-Street-Häuser, die aktuell unter schwachen Ergebnissen im Privatkundengeschäft leiden, aber mit ihren Investmentbanking-Aktivitäten glänzen – vor allem dank florierender Handelsabteilungen.

Siehe hierzu auch unsere aktuellen Analysen zu den Halbjahreszahlen von JPMorgan, Wells Fargo und Citigroup.

Die Bank wird nun zu mehr als dem doppelten Wert ihres Eigenkapitals gehandelt, d. h. auf dem höchsten Stand seit fünfzehn Jahren. Mit 14,9 % kehrt auch die Eigenkapitalrendite im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres auf ein Niveau zurück, das seit dieser Zeit nicht mehr erreicht wurde.

Die Ergebnisse der ersten sechs Monate des Jahres bestätigen, was auch anderswo im US-Bankensektor zu beobachten ist – nämlich in erster Linie die gute Entwicklung des Investmentbankings, das vor allem von Rekordgewinnen im Handelsgeschäft getragen wird.

Bei Goldman steht der Beratungsbereich mit einem Umsatzsprung von 16 % gegenüber dem Vorjahr nicht zurück. Die Finanzierung privater Schulden – nach wie vor das wichtigste Thema an den Märkten – sorgt weiterhin für eine robuste Performance mit einem Umsatzanstieg von 21 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Die Rückkehr der Kapitalerhöhungen nach der seit einigen Halbjahren zu beobachtenden Flaute kurbelt ebenfalls die Rentabilität an. Parallel dazu sorgen die stabileren und gut aufgestellten Segmente Brokerage, Dienstleistungen und Vermögensverwaltung für den Zusammenhalt des Gesamtunternehmens.

Dank dieser günstigen Konjunkturlage kann Goldman den kritischen Anstieg seiner Betriebsausgaben seit der Pandemie auffangen und den besten Gewinn seit 2021 erzielen – einem in jeder Hinsicht außergewöhnlichen Jahr.

Innerhalb von sechs Monaten reduziert Goldman Sachs sein ausstehendes Wertpapiervolumen um weitere 3,5 % und erhöht gleichzeitig seine vierteljährliche Dividende um ein Drittel. All dies steht im Einklang mit den anderen großen Finanzinstituten an der Wall Street, die alle mit schwachen Ergebnissen im Privatkundengeschäft, aber Rekordgewinnen im Investmentbanking – insbesondere dank ihrer Handelssegmente – zu kämpfen haben.

Siehe hierzu unsere jüngsten Kommentare zu den Halbjahresergebnissen von JPMorgan, Wells Fargo und Citigroup, letzte Woche in unseren Spalten erschienen.