Der Inflationsbericht für April brachte eine positive Überraschung. Der Preisindex für die persönlichen Konsumausgaben (PCE) stieg gegenüber März um 0,4 % und damit leicht weniger als die erwarteten 0,5 %. Der Kern-PCE, bei dem Lebensmittel und Energie herausgerechnet werden und der als bevorzugtes Inflationsmaß der Federal Reserve gilt, legte um 0,2 % zu statt der prognostizierten 0,3 %.

Unter normalen Umständen hätte das gereicht, um die Stimmung an den Märkten deutlich aufzuhellen. Die Zahlen deuten darauf hin, dass der Preisdruck nicht so stark zunimmt wie befürchtet, und geben der Fed mehr Spielraum, die Zinsen stabil zu halten, anstatt rasch weitere Zinserhöhungen in Betracht ziehen zu müssen. Das Problem ist jedoch, dass Inflation inzwischen nicht mehr nur von Mieten, Löhnen, Dienstleistungen oder dem üblichen Warenkorb der Verbraucher abhängt. Sie wird zunehmend auch von der Straße von Hormus, Drohnenangriffen, Luftschlägen und dem Ölpreis bestimmt.

Die USA und der Iran senden derzeit zwar Signale in Richtung Diplomatie – allerdings offenbar nicht derselben Diplomatie. Iran stellte die Möglichkeit einer Vereinbarung zur Wiederherstellung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus in Aussicht, angeblich unter iranischer und omanischer Aufsicht. Washington wies jedoch die Auffassung zurück, dass ein Kompromiss unmittelbar bevorstehe. Danach folgten neue militärische Aktionen: US-Luftschläge, iranische Angriffe und neue Zweifel daran, dass die Region kurz vor einer stabilen Beruhigung steht.

Der Ölpreis zog am Donnerstag erneut an, nachdem er zu Wochenbeginn wegen Hoffnungen auf Fortschritte stark gefallen war. Brent war zunächst nach Berichten über ein mögliches Memorandum zur Wiederöffnung der Meerenge eingebrochen, drehte jedoch wieder nach oben, als Dementis und neue Spannungen folgten. Die heutige Sitzung spiegelt diese Unsicherheit wider: Die Futures bewegen sich nahezu unverändert um die Nulllinie.

Dabei hatten Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq erst gestern neue Rekordstände erreicht. Der S&P 500 steuert auf die neunte Gewinnwoche in Folge zu – die längste Serie seit Ende 2023. Anleger waren bislang bereit, geopolitische Risiken auszublenden, weil die Unternehmensgewinne robust bleiben und der KI-Boom weiterhin als nahezu unausweichlich gilt.

Snowflake lieferte das deutlichste Beispiel für diese Euphorie. Die Aktie sprang nach oben, nachdem das Unternehmen seine Prognose für den Jahresumsatz mit Produkten angehoben und einen KI-Infrastrukturvertrag über 6 Mrd. US-Dollar mit Amazon Web Services über fünf Jahre angekündigt hatte. Die Botschaft war klar: Unternehmen, die einen glaubwürdigen Weg von KI-Investitionen zu steigenden Umsätzen aufzeigen können, werden weiterhin großzügig belohnt. Auch Datadog und MongoDB legten zu, da Investoren nach weiteren Softwarewerten suchten, die von diesem Trend profitieren könnten.

An anderer Stelle zeigte sich der Markt jedoch selektiver. Marvell geriet trotz der starken Rally zu Jahresbeginn nach den Quartalszahlen unter Druck. HP Inc. verlor nach einer Warnung, dass steigende Speicherpreise die Margen belasten würden. Salesforce enttäuschte mit seinem Ausblick. Micron wiederum gab nach einer zuvor starken Kursrally nach.

Außerhalb des Technologiesektors zeigte sich das Bild beim Konsum gemischt, aber keineswegs eingebrochen. Dollar Tree stieg nach einer Anhebung der Jahresgewinnprognose, Best Buy gewann nach einer besser als erwarteten Umsatzprognose für das zweite Quartal hinzu. Das deutet zwar nicht auf einen Boom hin, zeigt aber, dass der amerikanische Verbraucher keineswegs verschwunden ist.

Die Fed sucht derzeit nach Belegen dafür, dass sich die Inflation ausreichend abkühlt, um Geduld rechtfertigen zu können. Die schwächeren Inflationsdaten helfen dabei, lösen aber das größere Problem nicht: Sollte der Ölpreis wegen einer anhaltenden Konfrontation mit dem Iran hoch bleiben, könnte die Inflation schwerer einzudämmen sein – genau in dem Moment, in dem sich das Wachstum abschwächt.

Damit taucht wieder ein unangenehmes Wort am Horizont auf: Stagflation. Der Präsident der Chicago Fed, Austan Goolsbee, warnte bereits, dass anhaltende Energieschocks und hartnäckige Inflation die Wirtschaft in diese Richtung drängen könnten. Auch Fed-Gouverneurin Lisa Cook machte deutlich, dass sie höhere Zinsen unterstützen würde, falls die Disinflation nicht rechtzeitig einsetzt. Vorerst kann die Fed jedoch stillhalten.

Der Anleihemarkt scheint diese Gefahr bereits einzupreisen. Die Renditen von US-Staatsanleihen stiegen parallel zu den Ölpreisen, was die Sorge widerspiegelt, dass energiegetriebene Inflation die Fed länger zu einer vorsichtigen Haltung zwingen könnte.

Dax gerät wegen Ölpreissprung unter Druck – Rüstungswerte und Infineon gefragt

Steigende Ölpreise haben den deutschen Aktienmarkt am Donnerstag belastet. Der Dax verlor am frühen Nachmittag 0,1 % auf 25.155 Punkte. Damit steuert der Leitindex auf den dritten Verlusttag in Folge zu. Das Rekordhoch von 25.507 Punkten, dem der Dax am Montag zwischenzeitlich bis auf rund 70 Punkte nahegekommen war, rückt damit wieder etwas in die Ferne. Der MDax verlor 0,15 % auf 32.961 Punkte, während sich der SDax mit einem Plus von 0,4 % weiter auf Rekordkurs hielt. Auch europaweit dominierten Verluste: Der EuroStoxx 50 gab um 0,1 % nach.

Gefragt waren angesichts der geopolitischen Spannungen erneut Rüstungswerte. Rheinmetall führte den Dax mit einem Plus von 4,5 % an. Rückenwind erhielt der Konzern durch einen Auftrag über mehr als 2.000 militärische Transportfahrzeuge im Volumen von rund einer Milliarde Euro. Die Aktie setzte damit ihre Erholung vom Mitte Mai markierten Tief seit April 2025 fort. Trotz der jüngsten Stabilisierung liegt das Papier im Jahresverlauf allerdings noch immer mehr als 17 % im Minus. Auch die Branchenkollegen TKMS, Renk und Hensoldt standen hoch im Kurs. Gemeinsam mit dem Spezialchemiekonzern Alzchem legten die Titel in der zweiten und dritten Börsenreihe um bis zu 7,5 % zu und entwickelten sich damit seit Jahresbeginn sogar besser als Rheinmetall.

Im Technologiesektor rückte erneut Infineon in den Fokus. Die Aktie gewann 2,6 % auf 78,56 Euro und hielt sich damit knapp unter dem am Vortag erreichten Hoch seit dem Jahr 2000. Nach den starken Kursgewinnen der vergangenen Wochen kam es zwar kurzzeitig zu Gewinnmitnahmen, doch neue Analystenkommentare sorgten rasch wieder für Kaufinteresse. Sowohl Morgan Stanley als auch Deutsche Bank Research erhöhten ihre Kursziele deutlich auf 91 beziehungsweise 90 Euro. Auch Siltronic konnten sich nach der jüngsten Aktienplatzierung durch Wacker Chemie erholen und legten rund 2 % zu.

Belastet wurde der Dax dagegen von Bayer. Die Aktie verlor rund 1 %, nachdem Berichte über eine Klage des US-Saatgutunternehmens Latham publik wurden. Dem Konzern wird vorgeworfen, den amerikanischen Markt für gentechnisch verändertes Maissaatgut mit wettbewerbswidrigen Methoden monopolisiert zu haben. Schwach präsentierten sich zudem Chemiewerte. Das Ifo-Institut berichtete über eine weitere Eintrübung der Stimmung in der Branche. Das Geschäftsklima sank im Mai auf minus 30,2 Punkte nach minus 28,6 Zählern im April. Besonders deutlich verschlechterten sich die Erwartungen der Unternehmen. BASF verloren 0,6 %, Brenntag gaben 1,2 % nach.

Im MDax standen Delivery Hero im Fokus. Die Aktie verlor 1,6 %, obwohl Uber seine Beteiligung am Essenslieferdienst deutlich aufgestockt hat. Der direkte Anteil stieg von 19,5 % auf 24,99 %, hinzu kommen weitere knapp 12 % über Finanzinstrumente. Am Markt wurde jedoch darüber diskutiert, ob und wann Uber dadurch zu einem Pflichtangebot verpflichtet sein könnte. Nach deutschem Recht liegt die Schwelle bei 30 % der Stimmrechte. Analysten verwiesen zugleich darauf, dass die Aktie seit den ersten Übernahmespekulationen vor knapp drei Wochen bereits rund 100 % zugelegt hat. Unterdessen setzten Adidas ihre Erholung mit einem Plus von 1,3 % fort, nachdem die Bank of America die Aktie auf „Neutral“ hochgestuft hatte. Puma gerieten dagegen nach einer Abstufung auf „Underperform“ leicht unter Druck.