H&M profitierte von einer stärker auf die Kundenbedürfnisse ausgerichteten Kollektion – und musste daher seine Rabattaktionen nicht ausweiten. Das machte sich direkt im operativen Ergebnis bemerkbar, das auf 4,9 Milliarden schwedische Kronen kletterte – ein Plus von 40 % im Vergleich zum Vorjahr.

Der zweite Hebel war ein konsequentes Lagermanagement: Die Bestände wurden gegenüber dem Vorjahr um 9 % abgebaut. Damit ist die Kostenstruktur deutlich robuster und das Risiko von Abverkaufsaktionen geringer.

Einziger echter Wermutstropfen: Der Umsatz sank um 3,4 % auf 57 Milliarden Kronen. Grund war die Aufwertung der schwedischen Krone – zu konstanten Wechselkursen hätte sich ein Plus von etwa 2 % ergeben. In den meisten Kernmärkten hielt sich die Nachfrage solide, lediglich die amerikanischen Regionen (21 % der Erlöse) litten unter den Folgen handelspolitischer Belastungen. H&M stellt inzwischen klar die Profitabilität über Wachstum – das zeigt auch die um 4 % geschrumpfte Filialbasis, vor allem in Asien.

Mehr als nur ein gutes Quartal: Die Resultate lassen die mittelfristigen Ziele des Konzerns plötzlich realistischer erscheinen. H&M strebt eine operative Marge von 10 % an – im laufenden Quartal lag sie bei 8,6 %.

Die Vergleichsbasis wird jedoch anspruchsvoll: Vor allem im September, dem Auftaktmonat des Schlussquartals, hatte H&M im Vorjahr noch zweistellig zugelegt.

An der Börse spiegeln sich die positiven Nachrichten in einer Bewertung wider, die über dem jüngeren Durchschnitt liegt. Das spricht für eine allmähliche Wende – auch weil die Familie Persson, mit gut 65 % Hauptaktionär, ihre Beteiligung weiter ausbaut. Gleichwohl ist Vorsicht geboten: Der Kurs liegt noch immer auf dem Niveau von 2018 und rund 60 % unter den Höchstständen von 2015. Zwar sind die Umsätze seither um 30 % gestiegen, doch die Margen haben sich halbiert.

Im hart umkämpften Textilhandel trifft H&M auf Schwergewichte wie Inditex (Zara, Pull&Bear, Massimo Dutti, Bershka) in Europa sowie auf aggressive Billiganbieter in Asien. Ohne klar erkennbare Wachstumstreiber bleibt die Hoffnung der Anleger daher vor allem auf eine weitere Margenverbesserung beschränkt.