Der Wendepunkt kam am 23. Juni 2025. Holcim schloss die Abspaltung seines Nordamerika-Geschäfts ab, das nun unter dem Namen Amrize in New York und Zürich börsennotiert ist. Ziel war es, der Tochtergesellschaft eine Bewertung näher an US-Standards zu ermöglichen. Das Nordamerika-Geschäft erzielte 2024 einen Umsatz von nahezu 12 Mrd. US-Dollar.

Für Holcim sorgt die Abspaltung zwar für mehr Klarheit, zugleich verliert der Konzern damit aber einen von Investoren besonders geschätzten Geschäftsbereich. Das verbleibende Unternehmen ist stärker fokussiert und konzentriert sich vor allem auf Europa, Lateinamerika sowie Asien, Nahost und Afrika. Holcim muss nun beweisen, dass auch ohne das Nordamerika-Geschäft Wert geschaffen werden kann.

Solide Dynamik

Die Zahlen für 2025 zeigen, dass diese neue Phase das Unternehmen bislang nicht geschwächt hat. Holcim erzielte einen Umsatz von 15,7 Mrd. CHF bei einem wiederkehrenden EBIT von 2,9 Mrd. CHF und einer Marge von 18,3 %.

Vor allem stieg das wiederkehrende EBIT zu konstanten Wechselkursen um 10,3 %, ein Zeichen dafür, dass der Konzern seine Profitabilität weiter verbessert.

Auch der Jahresauftakt 2026 bestätigt diese Entwicklung. Im ersten Quartal erreichte der Umsatz 3,52 Mrd. CHF, organisch ein Plus von 3,9 %, während das wiederkehrende EBIT auf vergleichbarer Basis um 8,3 % zulegte. Auf berichteter Basis gingen die Umsätze allerdings um 4,8 % zurück und das wiederkehrende EBIT sank um 11,2 %. Belastend wirkten Wechselkurseffekte und Veränderungen im Konsolidierungskreis. Mit anderen Worten: Operativ läuft das Geschäft gut, doch dies spiegelt sich bislang noch nicht vollständig in den veröffentlichten Zahlen wider.

Besser verkaufen statt nur mehr verkaufen

Mit CO₂-armem Beton, Recyclingmaterialien und Baulösungen will Holcim seine Abhängigkeit vom traditionellen Zementgeschäft reduzieren, das als besonders zyklisch und wenig differenziert gilt. Der Wandel hin zu nachhaltigeren Produkten wird bereits sichtbar.

ECOPact, der CO₂-arme Beton des Konzerns, macht inzwischen 31 % der Betonumsätze aus, während ECOPlanet, der CO₂-arme Zement, für 39 % der Zementumsätze steht. Das Volumen recycelter Materialien aus Rückbauprojekten stieg im ersten Quartal um 24 %. Es handelt sich also nicht nur um eine ESG-Botschaft.

Ein weiterer Punkt, der Investoren aufmerksam gemacht hat, ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Dabei geht es nicht um Marktfantasien, sondern um die Optimierung von Werken, Logistik und Verwaltung. Holcim strebt bis 2028 ein zusätzliches wiederkehrendes EBIT von 200 Mio. CHF an – bei jährlichen Investitionen von rund 20 Mio. CHF. Dieser Produktivitätshebel könnte entscheidend werden.

Für 2026 bleibt das Unternehmen ambitioniert. Holcim rechnet mit einem organischen Umsatzwachstum von 3 % bis 5 %, einem organischen Anstieg des wiederkehrenden EBIT von 8 % bis 10 %, einer weiteren Margenverbesserung sowie einem Free Cashflow von rund 2 Mrd. CHF. Zudem will der Konzern die Menge recycelter Materialien aus Rückbauprojekten um mehr als 20 % steigern.

Die Zyklik bleibt bestehen

Doch der Wandel löst nicht alle Probleme. Holcim bleibt stark vom Bauzyklus, von der Schwäche des Immobilienmarktes, von Energiekosten und den CO₂-Vorgaben in Europa abhängig.

Auch die geografische Aufstellung belastet teilweise. Europa litt im ersten Quartal unter ungünstigen Wetterbedingungen, während Lateinamerika sowie die Region Asien-Nahost-Afrika Wachstum und Margen treiben.

Hinzu kommt das Wechselkursrisiko. Holcim ist zwar ein Schweizer Unternehmen, erzielt aber einen erheblichen Teil seiner Gewinne in Lateinamerika. Diese Erträge müssen in Schweizer Franken umgerechnet werden. Das Wachstum in Lima, Mexiko-Stadt oder Bogotá schlägt sich daher nicht immer vollständig in den veröffentlichten Ergebnissen nieder.

Ein geteilter Markt

Holcim verfügt über solide Fundamentaldaten und befindet sich in einer Phase steigender Profitabilität. Der Kursrückgang der Aktie um 20 % binnen eines Jahres hat die Bewertung wieder auf ein attraktiveres Niveau gebracht. Der Markt scheint inzwischen die Belastung durch den starken Schweizer Franken in den Zahlen eingepreist zu haben.