Die schwerwiegendste Unterbrechung der globalen Energieversorgung in der Geschichte, die Ende Februar begann, belastet Indiens Außenwirtschaftssektor erheblich. Importe verteuern sich drastisch, während ausländische Investoren lokale Vermögenswerte meiden.
Ökonomen haben ihre Wachstumsprognosen nach unten korrigiert, die Inflationserwartungen angehoben und rechnen mit anhaltendem Druck auf die Rupie, da Indien das dritte Jahr in Folge ein Leistungsbilanzdefizit droht.
Aufgrund der starken Abhängigkeit von Ölimporten ist die Währung unter den Schwellenländern besonders anfällig, sollte sich die Iran-Krise in die Länge ziehen. Das Land importiert etwa 90% seines Ölbedarfs und rund 50% seines Gasbedarfs.
Die glaubwürdige Steuerung der Leistungsbilanz, deren Finanzierung sowie die Verhinderung einer weiteren Währungsabwertung seien angesichts der Golfkrise in diesem Jahr oberste Priorität für Indien, sagte der wirtschaftliche Berater der Regierung, V. Anantha Nageswaran, am Dienstag.
Infolge des Energieschocks durch den Konflikt zwischen den USA und dem Iran wird erwartet, dass sich das Leistungsbilanzdefizit Indiens im März 2027 endenden Geschäftsjahr auf 2,5% des BIP ausweitet, verglichen mit 0,9% im Vorjahr.
Zusätzlich zur Bedrohung der Leistungsbilanz belasten Rekordabflüsse bei ausländischen Portfolioinvestitionen die Kapitalbilanz. Ausländische Investoren haben seit Kriegsbeginn mehr als 20 Milliarden Dollar aus indischen Aktien abgezogen, wobei die Abflüsse seit Jahresbeginn den Rekordwert des Vorjahres bereits übersteigen.
Infolge dieser doppelten Belastung ist die Rupie seit Ausbruch des Iran-Kriegs bereits um mehr als 5% gefallen und erreichte in dieser Woche ein Rekordtief. Damit ist sie die asiatische Währung mit der schlechtesten Performance im bisherigen Verlauf des Jahres 2026.
Um den Druck zu bewältigen, haben die Entscheidungsträger auf Krisenmaßnahmen zurückgegriffen und die Bürger unter anderem dazu aufgerufen, den Konsum einzuschränken, der Devisen verbraucht.
Der indische Premierminister Narendra Modi drängte am Sonntag auf eine Reihe von Maßnahmen zur Schonung der Devisenreserven, während die Zentralregierung am späten Dienstagabend die Zölle auf Edelmetallimporte erhöhte, um die Nachfrage zu drosseln und die Rupie zu stützen.
Die Zentralbank hat ihrerseits Dollar aus ihren Devisenreserven verkauft und seltene regulatorische Maßnahmen ergriffen, um die Währung zu stützen.
Die Belastung des Außenwirtschaftssektors weckt Erinnerungen an vergangene Episoden wie den Russland-Ukraine-Krieg im Jahr 2022, trifft die indische Wirtschaft jedoch in einer vergleichsweise besseren Ausgangslage. Vor Ausbruch des Krieges war die Inflation sehr moderat, während sich das Wachstum auf einem soliden Fundament befand.

















