Indien hat die Lizenzpflicht für jene Funkfrequenzen aufgehoben, die für Kollisionswarnsysteme und autonomes Fahren genutzt werden. Damit beseitigt die Regierung eine kommerzielle Hürde für Automobilhersteller, um die Sicherheit auf den Straßen des Landes zu erhöhen, die zu den gefährlichsten der Welt zählen.

Indien ist der drittgrößte Automobilmarkt der Welt. Jüngsten Regierungsdaten zufolge gab es im Jahr 2024 mehr als 177.000 Todesopfer bei fast einer halben Mio. Verkehrsunfällen.

In Mitteilungen vom Donnerstag hob die Regierung die Lizenzanforderungen für Radarsensoren im Frequenzband von 77 GHz bis 81 GHz auf. Dies ermöglicht es Unternehmen, das Spektrum ohne gesonderte Zuteilung durch die Behörden zu nutzen.

Eine weitere Bekanntmachung sah denselben Schritt für Systeme im 5,9-GHz-Band vor, die es Fahrzeugen ermöglichen, untereinander sowie mit der Straßeninfrastruktur zu kommunizieren.

INDIEN PASST SICH GLOBALEN STANDARDS AN

Mit diesem Schritt passt sich Indien den in den USA und der EU geltenden Standards an. Automobilhersteller können nun standardisierte Hardware von der Stange einsetzen, anstatt kostspieligere lokale Versionen entwickeln zu müssen. Dies senkt die Kosten und beschleunigt die Markteinführung.

Luxusautohersteller wie Mercedes-Benz und BMW, die bereits im Ausland radarbasierte Fahrerassistenzsysteme anbieten, können diese nun auch in Indien einführen.

Einheimische Akteure wie Maruti Suzuki, Tata Motors und Mahindra & Mahindra könnten fortschrittliche Fahrerassistenzsysteme (ADAS) leichter implementieren und so Premium-Sicherheitsfunktionen auch in günstigere Modelle bringen.

Zulieferer wie die deutschen Konzerne Bosch und Continental sowie der Chiphersteller Qualcomm dürften ebenfalls profitieren.

Radarsensoren helfen dabei, Sicherheitsabstände einzuschätzen, und ermöglichen Funktionen wie Notbremsassistenten, adaptive Abstandsregeltempomaten und Totwinkel-Warner – die technologische Basis für autonomes Fahren.

Vehicle-to-Everything-Systeme (V2X) warnen Fahrer vor Gefahren außerhalb ihres Sichtfeldes, etwa vor einem bremsenden Fahrzeug hinter einer unübersichtlichen Kurve oder einem herannahenden Rettungswagen.

Ein Regierungsausschuss stellte 2023 fest, dass die meisten Verkehrsprobleme in solchen Situationen auftreten. „Die meisten Sensoren funktionieren in diesen Szenarien nicht optimal, und V2X schließt diese Lücke“, hieß es in dem Bericht.

Das Gremium empfahl zudem, V2X in die freiwilligen Bharat NCAP-Sicherheitsbewertungen Indiens aufzunehmen, die das Crashverhalten bewerten, anstatt bestimmte Merkmale vorzuschreiben.

Auf Indiens überfüllten Straßen sind Autofahrer ständig Gefahren ausgesetzt, die von Vieh auf der Fahrbahn bis hin zu Fußgängern reichen, während Disziplin beim Spurhalten und Geschwindigkeitsbegrenzungen häufig missachtet und nur schwach kontrolliert werden.