Auch für MarketScreener war das Timing optimal: Die Aktie wurde just in das Europa-Portfolio aufgenommen, bevor sie ihre parabolische Rally startete. Das Unternehmen war bis dahin eher ein Geheimtipp geblieben und hatte vom europaweiten Boom der Rüstungswerte zunächst nicht profitiert – wohl mangels direkter Ukraine-Exponierung.
Diese Zurückhaltung des Marktes spiegelte ein geringes Vertrauen in den strategischen Plan von Indra wider. Nach einer Phase der Konsolidierung des spanischen Marktes – analog zu dem, was BAE, Thales oder Leonardo in ihren Heimatmärkten vollzogen haben – strebt das Management eine Verdopplung des Umsatzes binnen fünf Jahren an.
In den letzten fünf Jahren haben sich immerhin bereits die Gewinne verdoppelt, getrieben von einem so dynamischen Auftragsbestand wie nie zuvor und einer deutlichen Margenausweitung. Die Aktie, traditionell mit dem Sechs- bis Achtfachen des EBITDA bewertet, wird inzwischen zum Rekordmultiplikator von elf bis zwölf Mal dem EBITDA gehandelt.
Das Madrider Unternehmen hat bislang selten Begeisterungsstürme bei Investoren ausgelöst. Lange galt Indra als Wachstumsnachzügler, das Unternehmen kam gerade erst aus einer langjährigen Stagnationsphase heraus.
Die relative Robustheit der Geschäftsaktivitäten in zahlreichen strategisch wichtigen Sektoren wurde bislang durch dauerhaft niedrige Margen und eine strukturell hohe Abhängigkeit vom Heimatmarkt Spanien getrübt – auf diesen entfallen immer noch rund 40 % des Umsatzes, hauptsächlich aus öffentlicher Hand.
Der jüngste Höhenflug ist maßgeblich auch durch die anstehende Übernahme von EM&E getrieben, einem Unternehmen, das vom Bruder des derzeitigen Indra-Konzernchefs gegründet wurde. Die Familie Escribano ist mit 14 % der Anteile der größte Privataktionär des Unternehmens, hinter dem spanischen Staat, der 28 % hält. Auch der viertgrößte Aktionär, der aktivistische Fonds Amber Capital, hat die Fusion bereits ausdrücklich unterstützt und treibt sie voran.
Zwar wirft die Transaktion Fragen hinsichtlich möglicher Interessenkonflikte auf, doch strategisch würde sie Indra erstmals eine substanzielle Präsenz in der Ukraine verschaffen und dem Portfolio sofort einsetzbare militärische Ausrüstung hinzufügen – bisher war Indra vor allem als Zulieferer von Komponenten für die von anderen gefertigten Systeme tätig.



















