--Auftragsbestand steigt im Quartal um 4 Milliarden auf 25 Milliarden Euro

--KI-Nachfrage übersteigt das Angebot weiter

--Autohersteller füllen ihre Lagerbestände wieder auf

(NEU: Weitere Details, Aussagen von CEO und Marktreaktion)

Von Olaf Ridder

DOW JONES--Infineon Technologies rechnet angesichts Booms bei Rechenzentren und steigender Nachfrage in seinem wichtigen Automobilgeschäft mit einem beschleunigten Wachstum im zweiten Halbjahr und hebt deshalb die Prognose an. "Der Aufschwung gewinnt an Breite und Tempo", sagte Vorstandschef Jochen Hanebeck bei Vorlage der Zweitquartalszahlen des Halbleiterkonzerns. "Die Erholung weitet sich auf mehr und mehr unserer Zielmärkte aus".

Das zeige sich vor allem im Auftragsbestand, so Hanebeck. Dieser sei binnen eines Quartals per Ende März um 4 Milliarden Euro auf rund 25 Milliarden Euro gestiegen. Und das Orderbuch wachse auch im laufenden Quartal weiter, sagte er. Bei einigen Halbleiter-Typen sei die Fertigung bereits bis ins nächste Geschäftsjahr hinein ausgebucht.

Infineon peilt für das bis Ende September laufende Geschäftsjahr nun ein deutliches und nicht nur moderates Wachstum des Umsatzes auf insgesamt mehr als 16 Milliarden Euro an - trotz eines im Vergleich zum Euro schwächeren US-Dollar, den Infineon für das zweite Halbjahr unterstellt. Das entspreche einem Plus von ungefähr 10 Prozent, bestätigte Hanebeck. Die Segmentergebnis-Marge dürfte auf etwa 20 Prozent kommen, statt wie bisher erwartet im hohen Zehner-Prozentbereich liegen.

Der KI-Boom weite sich aus, sagte Hanebeck, "und unsere Stromversorgungslösungen für KI-Rechenzentren sind äußerst gefragt." Zugleich gewinne der Ausbau der Energieinfrastruktur an Fahrt und sei "ein zunehmender Wachstumstreiber für unser Industriegeschäft".

Auch die Nachfrage aus der Automobilindustrie ziehe an, sagte Hanebeck, nachdem sich die Kunden dort noch im vergangenen Jahr zurückgehalten hatten. "Kunden beginnen, ihre niedrigen Lagerbestände wieder aufzufüllen." Dabei seien es vor allem die Software-definierten Fahrzeuge, die dieses Geschäft treiben. Bei den Elektroautos schwächele der Markt weiter, wie Hanebeck einräumte.

Im Bereich des hoch wettbewerbsintensiven Hochvoltgeschäfts wird sich Infineon nun wohl von Produkten verabschieden und die frei werdenden Kapazitäten im Wafer-Bereich für KI-Anwendungen umwidmen. Dort übersteige die Nachfrage das Angebot weiter. "Wir verlagern freie Fertigungskapazitäten aus anderen Bereichen und fahren gleichzeitig neue Kapazitäten hoch, so schnell es geht", sagte Hanebeck.

Die Prognosen für das stark wachsende Rechenzentrumsgeschäft behielt Infineon bei. Für 2025/26 wird weiter mit einer Umsatzverdoppelung auf 1,5 Milliarden Euro gerechnet. Im nächsten Geschäftsjahr dürften sich die Einnahmen dann voraussichtlich auf 2,5 Milliarden Euro erhöhen.

Im abgelaufenen zweiten Geschäftsquartal (per Ende März) konnte der Chipkonzern bei einem Umsatzanstieg von 4 Prozent zum Vorquartal auf 3,8 Milliarden Euro das Segmentergebnis mit 653 (Vorjahr: 655) Millionen Euro fast konstant halten. Die wichtige Segmentergebnismarge stieg um 40 Basispunkte auf 17,1 Prozent. Der Markt hatte bei der Marge mit etwas mehr gerechnet nämlich mit 17,7 Prozent. Die Einnahmen verbesserten sich zum Vorquartal in drei von vier Segmenten.

Für das dritte Quartal rechnet Infineon mit etwa 4,1 Milliarden Euro Umsatz. Im Quartalsvergleich dürfte das Wachstum in allen Segmenten abseits von Automotive deutlich ausfallen. Letzteres dürfte ein leichtes Wachstum verzeichnen.

Die Infineon-Aktie startete zunächst mit mehr als 2 Prozent Plus in den Handel, anschließend kam es dann aber zu Gewinnmitnahmen und sie rutschte um 2,7 Prozent ins Minus.

Kontakt zum Autor: olaf.ridder@wsj.com

DJG/rio/hab

(END) Dow Jones Newswires

May 06, 2026 04:40 ET (08:40 GMT)