Märkte agieren vorsichtig: Blick auf Hormus, Ohr in Islamabad
Die vergangenen 48 Stunden waren für die Märkte von hoher Intensität geprägt. Nach einer kurzen Euphorie-Welle infolge der Deeskalation im Iran kamen schnell Zweifel an der Beständigkeit des Waffenstillstands auf. Die Anleger richten ihren Fokus nun auf Islamabad, wo Delegationen beider Länder ab heute zusammenkommen, um über einen potenziellen 10-Punkte-Friedensplan zu beraten. Unterdessen bleibt die Lage in der Straße von Hormus aufgrund massiver Stauungen angespannt.
Veröffentlicht am 10.04.2026 um 10:31
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Während die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran heute beginnen sollen, scheint Donald Trump das Kriegsbeil noch nicht begraben zu haben. Er erklärte gestern, dass die Zeit der Gespräche seinen Streitkräften die Möglichkeit gebe, sich vorzubereiten, auszuruhen und "in Wahrheit ihre nächste Eroberung vorwegzunehmen". Die Islamische Republik ließ ihrerseits verlauten, dass die Treffen "in völligem Misstrauen gegenüber der amerikanischen Seite" stattfinden werden.
Straße von Hormus nahezu zum Erliegen gekommen
Die Straße von Hormus bleibt zudem weitgehend verwaist. Spezialisierte Portale zur Schiffsverfolgung meldeten lediglich 9 Schiffspassagen innerhalb der letzten 24 Stunden. Damit ist der Seeverkehr trotz des Waffenstillstands weiterhin fast vollständig zum Erliegen gekommen. Die Commerzbank geht davon aus, dass dieser Zustand anhalten könnte, da der Iran in diesem für den Welthandel essenziellen Korridor weiterhin über einen strategischen Hebel verfügt.
"Da die Schließung der Straße von Hormus den Transport eines erheblichen Teils der weltweiten Öl- und Düngemittelströme blockiert, ist mit einem recht raschen Anstieg der Lebensmittelpreise zu rechnen - zumindest aufgrund der höheren Transport- und Kühlkosten", warnt Bastien Drut, Leiter Strategie und Volkswirtschaft bei CPR AM.
Zudem sei daran erinnert, dass im Nahen Osten weiterhin die Waffen sprechen, da Israel den Libanon und Stellungen der Hisbollah massiv bombardiert. In diesem angespannten Umfeld ziehen die Notierungen für das schwarze Gold wieder leicht an: WTI steigt um 1,2 % und Brent um 1,5 % auf 99 bzw. 98 USD pro Barrel, womit sie knapp unter der psychologisch wichtigen Marke von 100 USD bleiben. Der VIX ist jedoch wieder unter die Schwelle von 20 Punkten gesunken, was auf einen deutlichen Rückgang des Marktstresses hindeutet.
Werte im Fokus
Der CAC 40 wird heute Morgen von STMicro (+2,5 %) und Publicis (+1,3 %) angeführt. Capgemini komplettiert das Podium mit einem Plus von 1 %.
Im SBF 120 bricht Sodexo um fast 15 % ein, nachdem das Unternehmen für das erste Halbjahr einen Rückgang des bereinigten Nettoergebnisses um 36,7 % auf 285 Mio. EUR gemeldet hat, während der Umsatz um 3,7 % auf 12 Mrd. EUR sank.
Getlink veröffentlichte gemischte Verkehrszahlen für den Monat März: Le Shuttle Freight transportierte im vergangenen Monat 104.449 Lkw, was einem Rückgang von 1 % gegenüber März 2025 entspricht. In den ersten drei Monaten des Jahres querten knapp 295.000 Lkw den Ärmelkanal an Bord der Shuttles, ein Minus von 2 %.
Inflation in Deutschland im Rahmen der Erwartungen
Bei den Wirtschaftsdaten stieg der Verbraucherpreisindex in Deutschland zwischen Februar und März um 1,1 % und entsprach damit den Erwartungen, nach +0,2 % im Vormonat. Auf Jahresbasis lag die Inflationsrate bei 2,7 %, was punktgenau dem Konsens entsprach, nach +1,9 % im Vormonat.
Am Nachmittag werden die Märkte mehrere Statistiken aus den USA zur Kenntnis nehmen, darunter die Inflation (erwartet um 14:30 Uhr), den Umich-Index zum Verbrauchervertrauen (16:00 Uhr) sowie die Auftragseingänge der Industrie (16:00 Uhr).




















