Die US-Aktienfutures lagen vor Handelsbeginn am Montag im Minus, Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq deuteten allesamt auf Verluste hin. Der Grund war nicht schwer zu finden. Neue Drohnenvorfälle im Nahen Osten, darunter ein gemeldeter Angriff nahe einer Nuklearanlage in den Vereinigten Arabischen Emiraten und abgefangene Drohnen über Saudi-Arabien, halten die Region in Alarmbereitschaft. Donald Trump warnte den Iran, die Zeit für ein Ende des Konflikts laufe ab.
Öl bleibt der offensichtlichste Belastungsfaktor für den Markt. Brent notiert nahe 110 US-Dollar je Barrel, West Texas Intermediate bei rund 101 US-Dollar. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg am Montag zeitweise auf 4,631 %, den höchsten Stand seit Februar 2025, bevor sie wieder etwas nachgab. Höhere Renditen schlagen auf Aktien durch, vor allem auf Wachstums- und Technologiewerte, deren Bewertungen stark von künftigen Gewinnen abhängen. Steigen die Finanzierungskosten, wirken diese künftigen Gewinne heute weniger attraktiv.
Die kommende Woche wird zeigen, ob der jüngste Optimismus an der Wall Street diesem neuen Druck standhält. Nvidia legt am Mittwoch Zahlen vor, und die Fallhöhe ist enorm. Das Unternehmen ist zum Gesicht des KI-Booms geworden, seine Aktie hat sich seit dem Tief im März kräftig erholt. Auch der breitere Halbleitersektor ist in diesem Jahr deutlich gestiegen, getragen von der starken Nachfrage nach KI-Chips. Diese Begeisterung half dem S&P 500 und dem Nasdaq zuletzt auf Rekordstände, obwohl Öl- und Inflationssorgen im Hintergrund bereits zunahmen. Nun fragen sich Investoren, ob der KI-Optimismus den Markt weiter tragen kann, wenn Inflationsängste wieder das Ruder übernehmen.
Auch Walmart und The Home Depot berichten in dieser Woche und geben Anlegern einen Blick auf den amerikanischen Verbraucher. Höhere Kraftstoffkosten und hartnäckige Inflation können die Haushaltsbudgets schleichend belasten. Besonders Walmart gilt als nützliches Barometer: Wenn Amerikaner sich unter Druck fühlen, zeigt sich das meist zuerst an der Kasse, lange bevor es in einem Konjunkturmodell sichtbar wird.
Der Makrokalender ist eher dünn. Wichtigster Datenpunkt sind die Einkaufsmanagerindizes der großen Volkswirtschaften am Donnerstag. Der heutige US-Hausmarktindex dürfte unverändert bei 34 liegen. Am Mittwoch werden die Protokolle der jüngsten Fed-Sitzung veröffentlicht; sie könnten mehr Aufmerksamkeit erhalten als sonst, weil sich die Spitze der Fed selbst im Umbruch befindet.
Kevin Warsh soll den Vorsitz der Fed übernehmen, nachdem Jerome Powells Amtszeit am Freitag endete. Er ist noch nicht vereidigt, doch die Bestätigung durch den Senat ist abgeschlossen, und er dürfte die Juni-Sitzung leiten. Das ist kein sanfter Einstieg. Warsh kommt, während die Anleiherenditen steigen, die Ölpreise hoch sind und die Märkte beginnen, die Möglichkeit einer weiteren Zinserhöhung einzupreisen. Händler sehen inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 40 %, dass die Fed im Dezember die Zinsen anhebt, nachdem die Inflationsdaten in der vergangenen Woche höher als erwartet ausgefallen waren.
Die Politik lässt sich dabei nicht ausblenden. Trump wählte Warsh auch deshalb, weil er einen Fed-Chef wollte, der eher zu Zinssenkungen neigt. Warsh hatte argumentiert, Produktivitätsgewinne durch KI könnten niedrigere Finanzierungskosten rechtfertigen. Diese Idee mag weiterhin ihren Reiz haben, doch Kriege können Ölpreise schneller steigen lassen, als Produktivitätsgewinne die Inflation senken. Warsh könnte daher bald in dieselbe Falle geraten wie Powell. Ein Präsident will billigeres Geld, der Markt will Beruhigung, und die Inflation verlangt Aufmerksamkeit. Der Fed-Chef wird am Ende von allen verantwortlich gemacht.
Dahinter steht ein größeres Thema. Über weite Strecken dieses Jahres waren Investoren bereit, geopolitische Risiken auszublenden, weil KI so viel emotionale Arbeit für den Markt leistete. Der S&P 500 schaffte in der vergangenen Woche noch den siebten Wochengewinn in Folge und liegt 2026 inzwischen mehr als 8 % im Plus. Europa, mit deutlich weniger KI-Rückenwind, hatte eine schwächere Woche und kommt seit Jahresbeginn nur auf rund 2,5 %. Doch der Ausverkauf am Anleihemarkt vom Freitag zeigte die Grenzen dieses Optimismus. Märkte können mit teuren Aktien leben, wenn die Zinsen stabil sind. Sie können mit höheren Energiepreisen leben, wenn die Inflation fällt. Sie können sogar mit geopolitischem Risiko leben, solange es beherrschbar wirkt. Was sie nicht mögen, ist, wenn alle drei Faktoren gleichzeitig auftreten.
Die Montagssitzung in Asien zeigte dieselbe Nervosität. China verstärkte die Vorsicht, nachdem Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätze im April enttäuschten, obwohl frühere Indikatoren die Anleger noch ermutigt hatten. Zugleich brachte der Gipfel zwischen Trump und Xi Jinping keine großen Zusagen, die die Märkte hätten feiern können. Taiwan bekräftigte zudem seine Unabhängigkeit von Peking, nachdem Trump ein Waffengeschäft über 14 Mrd. US-Dollar als Verhandlungsmasse gegenüber China bezeichnet hatte: eine Äußerung, die in Taipeh kaum als Meisterstück der Beruhigung verstanden werden dürfte.
Dax dreht ins Plus und erobert 24.000 Punkte zurück
Der Dax hat seine anfänglichen Verluste am Montag abgeschüttelt und deutlich ins Plus gedreht. Spekulationen über neue Verhandlungsvorschläge der USA und des Iran machten Anleger wieder mutiger. Am Nachmittag gewann der Leitindex 1,89 % auf 24.404 Punkte und kletterte damit zurück über die Marke von 24.000 Zählern.
Auch andere Indizes erholten sich. Der MDax legte zuletzt um 0,35 % auf 31.474 Punkte zu, der EuroStoxx 50 stieg ähnlich stark auf 5.846 Punkte. An den US-Börsen drehte zumindest die Nasdaq-Indikation leicht ins Plus. Im Dax stützten vor allem Infineon mit mehr als 2 % Plus und Siemens Energy mit 1,2 %. Beide Werte profitierten weiter vom KI-Thema. Im MDax und SDax standen mit Nordex und SMA Solar ebenfalls Energietechnikwerte an der Spitze.
Rheinmetall erholte sich nach einer Kaufempfehlung um 5 %. Der jüngste Rücksetzer gilt als übertrieben, da ein Friedensabkommen im Krieg zwischen der Ukraine und Russland angesichts anhaltender gegenseitiger Angriffe als unwahrscheinlich eingeschätzt wird. In Deutschland bestehen zudem kaum Zweifel an der Finanzierung steigender Verteidigungsausgaben. Schwächer zeigten sich dagegen die Autowerte: Mercedes-Benz, BMW und Volkswagen blieben mit Abschlägen von bis zu 0,8 % im Minus. Belastend wirkten enttäuschende Konjunkturdaten aus China, einem wichtigen Absatzmarkt der Branche.
Im MDax stachen Sartorius mit einem Plus von 6,7 % hervor. Für Gesprächsstoff sorgte ein Bericht, wonach der Investor Elliott beim Sartorius-Grossaktionär Bio-Rad eingestiegen ist. Da Elliott auch bei Sartorius selbst beteiligt ist, entstünde damit ein komplexes Beteiligungsgeflecht. Die Commerzbank verlor dagegen 0,9 %, nachdem ein zuvor optimistisches Analystenvotum nach dem starken Lauf der Aktie zurückgenommen wurde. Kaum Bewegung löste die Zurückweisung des Übernahmeangebots der italienischen Unicredit durch die Bank aus.
























