Wenn sich die Lage im Nahen Osten zuspitzt, verharren viele Fonds zunächst in Wartestellung. Millennium hingegen bereitet bereits die Verlagerung seiner Teams von Dubai nach Jersey vor. Diese Reaktionsgeschwindigkeit ist bezeichnend. Englander verwaltet nicht einfach Kapital – er hat eine Plattform aufgebaut. 6.600 Mitarbeiter, Aktivitäten an mehr als 100 Börsenplätzen und in 45 Währungen. Seit der Gründung erzielte der Fonds laut Institutional Investor eine annualisierte Rendite von 14 %.

Ein Trader, eine Idee, 37 Jahre Umsetzung

1989 hatte Englander eine klare Überzeugung: Niemals von einem einzelnen Portfoliomanager abhängig sein. Stattdessen fragmentierte er das Kapital in zahlreiche kleine, autonome Einheiten – die sogenannten „Pods“. Jedes Team verfügt über ein eigenes Budget und große Entscheidungsfreiheit und agiert innerhalb einer der sechs Strategien des Fonds: Aktien, Arbitrage, Zinsen und Makro, Rohstoffe, quantitative Ansätze sowie Kredit. Die zentrale Regel ist strikt: Wer 5 % verliert, dessen Kapital wird halbiert. Bei 7,5 % Verlust ist das Mandat beendet.

Das Prinzip dahinter: Verluste in einer Strategie sollen durch Gewinne in einer anderen kompensiert werden. Ziel ist nicht, von Haussephasen zu profitieren, sondern in jedem Marktumfeld positive Erträge zu erzielen. 2022 verlor der S&P 500 rund 19 %, während Millennium um 12 % zulegte. Genau dieses Renditeprofil zieht laut Hedgeweek insbesondere Pensionsfonds und institutionelle Investoren an.

37 Jahre nach der Gründung umfasst Millennium rund 330 Pods. Um den Wettbewerbsvorsprung zu sichern, gründete Englander 2007 zudem WorldQuant – eine quantitative Einheit, die Millionen von Prognosemodellen auf Basis alternativer Datenquellen berechnet, etwa Kreditkartentransaktionen, Satellitenbilder oder maritime Verkehrsströme. Die Pods erhalten damit Signale, noch bevor sich diese im Markt widerspiegeln.

Allerdings hat dieses Modell seinen Preis. Millennium arbeitet nach dem „Pass-through“-Prinzip: Sämtliche operativen Kosten werden laut Bloomberg direkt an die Investoren weitergereicht. Im Jahr 2025 erzielte der Fonds eine Rendite von 10,5 % und übertraf damit erstmals seit 2020 den Rivalen Citadel. Solide, aber im Vergleich zu anderen Multi-Strategie-Häusern weniger spektakulär: DE Shaw Oculus kam auf 28,2 %, Balyasny auf 16,7 %.

Zu groß für den US-Markt

Mit 84 Milliarden Dollar verwaltetem Vermögen geraten die Pods zunehmend in Konkurrenz zueinander. Zu viel Kapital konzentriert sich auf identische Positionen. Englander musste neue Wachstumsfelder erschließen.

Bloomberg zufolge allokiert Millennium inzwischen Milliardenbeträge an europäische Manager: Long/Short-Strategien in London über Fulcrum, europäische Finanzwerte über Armar Capital und sogar ein neuer Rohstofffonds in Paris, aufgelegt 2026. Die Expansion auf dem europäischen Markt ist damit klar erkennbar.

Der Millennium Opportunities Fund mit einem Volumen von 5 Milliarden Dollar zielt auf einen Anlagehorizont von fünf Jahren in den Bereichen Kredit und Immobilien – ein neues Terrain für einen Fonds, dessen Kerngeschäft bislang klar in liquiden Märkten lag. Parallel arbeiten WorldQuant und Millennium an einem UCITS-Fonds. Sollte dieses Projekt umgesetzt werden, könnten erstmals auch europäische Privatanleger Zugang zu Strategien erhalten, die bislang ausschließlich institutionellen Großinvestoren vorbehalten waren.

Und wie geht es weiter?

Izzy Englander ist inzwischen 77 Jahre alt. Über Petershill Partners hat er laut Bloomberg und Reuters 15 % seiner Gesellschaft für rund 2 Milliarden Dollar veräußert. Bobby Jain, sechs Jahre lang Co-CIO, verließ das Unternehmen 2023, um einen eigenen Fonds zu gründen. Die Nachfolgefrage bleibt offen.

Für Anleger in europäischen Aktien lohnt sich ein genauer Blick auf diese Entwicklung. Die Pods verfolgen einen anderen Ansatz als klassische Investoren: Sie analysieren weder langfristige Strategien noch Drei-Jahres-Perspektiven. Entscheidend ist allein die kurzfristige Fehlbewertung – wird sie identifiziert, wird sie genutzt, und das Kapital wandert weiter. Das sorgt für zusätzliche Liquidität im Markt, kann aber auch zu Kursbewegungen führen, die sich fundamental nur schwer erklären lassen.