Nach dem Gipfel in Peking: Märkte treten den Rückzug an
Trübe Stimmung zum Wochenausklang an den Börsen. Beim Schlussgong gab der Pariser Leitindex um 1,6% auf 7.953 Punkte nach, während London (-1,71%) und Frankfurt (-2,05%) ebenfalls deutliche Verluste verbuchten. Die europäischen Handelsplätze zeigten sich enttäuscht vom Treffen zwischen Trump und Xi, das keinerlei Fortschritte zwischen Washington und Peking erkennen ließ. Weder ein Fahrplan zur Beilegung des Zollkonflikts noch Lösungsansätze in der Taiwan-Frage wurden skizziert... Hat der Berg am Ende nur eine Maus geboren?
Veröffentlicht am 15.05.2026 um 18:01 - Geändert am 15.05.2026 um 18:06
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Obwohl brisante Dossiers auf dem Tisch lagen, die die Staatschefs hätten beschäftigen können (Zölle, Zugang zu Seltenen Erden, die Souveränität Taiwans, Beziehungen zu Iran und Russland...), fällt die Bilanz eher dürftig aus.
'Die Erwartungen vor dem Gipfel waren sogar bewusst niedrig angesetzt worden', betont Bernd Weidensteiner, Analyst bei der Commerzbank. 'Beide Seiten hatten im Vorfeld signalisiert, dass ein großer Durchbruch unwahrscheinlich sei. Schon die Rahmung des Gipfels - mit dem Fokus auf 'Stabilität' als Dreijahresziel - spiegelt eine strategische Entscheidung wider: die Beziehung eher zu verwalten als grundlegend neu zu gestalten.'
Jenseits der zur Schau gestellten Herzlichkeit zwischen den beiden Staatschefs stand der Gipfel somit unter der Last tiefer struktureller Differenzen. Der mangelnde Elan beider Parteien bei der Suche nach Lösungen dürfte die Märkte kaum beruhigen. Zumal Xi eine ernste Warnung zur Taiwan-Frage aussprach und betonte, dass jeder Fehlgriff in diesem Dossier beide Nationen in einen 'Konflikt' und eine 'extrem gefährliche Situation' stürzen könnte.
Halbleiterwerte auf dem Rückzug
In Frankreich wurde der Pariser Index von STMicro (-4,22%) belastet, wo es nach einer Performance von fast +144% seit Jahresbeginn zu massiven Gewinnmitnahmen kam. Auch andere Stars des Halbleitersektors verzeichneten kräftige Einbußen, darunter die deutsche Infineon (-4,23%) oder die niederländische ASML (-4,42%).
Bislang schienen die KI-Gewinner - Halbleiterhersteller und deren Ausrüster - gegen die wachsenden Inflationssorgen immun zu sein. Doch der Anstieg der Anleiherenditen scheint die Investoren nun dazu zu bewegen, ihr Risikoexposure zu reduzieren. Heute Abend erreichte die Rendite der 10-jährigen T-Bonds 4,59% (+13 Basispunkte), während die OAT mit gleicher Laufzeit bei 3,96% notierte.
Ein weiteres Schlusslicht im CAC 40 war Stellantis mit einem Minus von 3,51% nach der Unterzeichnung eines strategischen Kooperationsabkommens mit Dongfeng zur Stärkung der Partnerschaft mit dem chinesischen Autobauer. Diese Ankündigung wurde von Analysten kühl aufgenommen, die auf den Rückstand des europäischen Konzerns nach Jahren der Unterinvestition hinweisen.
Im Wochenvergleich verzeichnet der CAC 40 damit ein Minus von rund 2% und schneidet damit deutlich schlechter ab als der Footsie (-0,5%) und der DAX (-1,7%).
Iran im Hintergrund
Der Rückzug der Indizes wird zudem durch den Anstieg der Ölpreise gestützt. Brent-Öl wird mittlerweile um die 109 USD pro Barrel gehandelt (+2,3%), während sich die Lage in der Straße von Hormus festfährt.
Abbas Araqchi, der iranische Außenminister, signalisierte Gesprächsbereitschaft, aber 'nur wenn die Gegenseite Ernsthaftigkeit zeigt und aufrichtig nach echten Verhandlungen strebt'.
Es fällt schwer, ihm zu widersprechen: An Bord der Air Force One nach seiner China-Reise befragt, erklärte Donald Trump zu möglichen iranischen Vorschlägen: 'Wenn mir der erste Satz nicht gefällt, werfe ich ihn einfach weg... wenn sie über Atomkraft sprechen, in welcher Form auch immer, lese ich den Rest ihres Briefes gar nicht erst.'
Positive Statistiken reichen nicht zur Beruhigung aus
Die Märkte hätten sich zwar an zwei heute veröffentlichten US-Statistiken aufrichten können. Die Aktivität des verarbeitenden Gewerbes im Bundesstaat New York stieg im Mai laut der New York Fed kräftig an. Der allgemeine Index der Wirtschaftslage kletterte um neun Punkte auf 19,6, den höchsten Stand seit über vier Jahren.
Zudem stieg die US-Industrieproduktion im April auf Monatsbasis um 0,7%, nachdem sie im August um 0,3% zurückgegangen war. Erwartet worden war ein Plus von 0,3%. Die Kapazitätsauslastung lag bei 76,1%, gegenüber erwarteten 75,8% und 75,7% im Vormonat.
Dies reichte jedoch nicht aus, um die US-Märkte zu entlasten: Am Abend gaben der S&P 500 und der Dow Jones um 1,2% nach, während der Nasdaq um 1,6% einknickte.

















