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Aktien Frankfurt: Anleger hoffen weiter auf Brexit-Deal und Handelsstreit-Ende

21.10.2019 | 11:38

FRANKFURT (awp international) - Am deutschen Aktienmarkt ist die Hoffnung der Anleger mit Blick auf den Brexit und ein US-chinesisches Handelsabkommen grösser als die Sorgen um ein Scheitern. Der Dax schüttelte seine Schwäche vom Freitag ab und stieg bis zur Mittagszeit um 0,54 Prozent auf 12 701,69 Punkte. Der MDax für mittelgrosse Werte rückte um 0,35 Prozent auf 26 091,39 Punkte vor. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gewann 0,27 Prozent.

"Am Aktienmarkt ist die Stimmung weiterhin deutlich besser als die Lage", kommentierte Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners. Die abermalige Verschiebung der Brexit-Abstimmung lasse die Anleger kalt. Statt dessen dominiere die Zuversicht, dass der Deal des Premierministers Boris Johnson im Parlament womöglich noch an diesem Montagnachmittag kurzfristig angenommen werde.

Zudem haben die jüngsten Entwicklungen in London laut der Postbank auch ein Gutes: "Die Wahrscheinlichkeit eines ungeordneten EU-Austritts der Vereinigten Königreichs ist definitiv gesunken." Das Unterhaus hatte am Samstag einem Antrag zugestimmt, Johnsons Brexit-Deal erst dann grünes Licht zu geben, wenn alle zur Durchführung des EU-Austritts notwendigen Gesetze verabschiedet sind. Damit war Johnson gezwungen, gegen seinen Willen in Brüssel einen Verlängerungsantrag für den EU-Austritt zu stellen.

Ausserdem verwiesen Marktbeobachter auf Medienberichte über eine positive Entwicklung im Handelsstreit. "Für das Phase-1 Abkommen zwischen den USA und China stehen die Ampeln wohl auf grün", sagte unter anderem Thomas Altmann. Damit würde der Handelskonflikt zumindest nicht weiter eskalieren. "Von einer endgültigen Lösung sind wir damit jedoch weiterhin weit entfernt."

Im Dax erholten sich die Anteilsscheine des Zahlungsabwicklers Wirecard an der Index-Spitze um knapp 8 Prozent. Das durch zahlreiche Presseberichte stark in die Kritik geratene Unternehmen will nun doch die Vorwürfe rund um seine Bilanzierungspraktiken mit einer Sonderprüfung ausräumen. Vorstand und Aufsichtsrat hätten sich entschlossen, die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG mit einer unabhängigen Untersuchung zu beauftragen, hiess es von Wirecard. Damit sollen vor allem die immer wieder neuen Vorwürfe der "Financial Times" umfassend und unabhängig aufgeklärt werden.

Die Einigung zum Berliner Mietendeckel sorgte für Kursverluste im zuletzt wieder stark gelaufenen Immobiliensektor. Die Papiere der Deutsche Wohnen sackten am Ende des MDax um 2,5 Prozent ab und die von Vonovia büssten als Dax-Schlusslicht 1,5 Prozent ein. Der rot-rot-grüne Koalitionsausschuss einigte sich darauf, die zuletzt stark gestiegenen Mieten in Berlin für fünf Jahre einzufrieren.

Die SAP-Aktien legten zuletzt um 1 Prozent zu. Die finale Quartalsbilanz bestätigte die guten vorläufigen Zahlen. Zwar steht nun nach dem überraschenden Rücktritt von Bill McDermott vor gut einer Woche das neue Führungsduo Jennifer Morgan und Christian Klein im Blick. Doch die beiden wollen erst am 12. November, zum Kapitalmarkttag des Softwarekonzerns, genauer darüber informieren, wie sie diesen künftig führen werden. Dann soll es auch Aussagen zum Thema Aktienrückkäufe geben.

Die Papiere der Aareal Bank legten um knapp 2 Prozent und die des Pharma- und Laborzulieferers Sartorius um knapp 4 Prozent zu. Sartorius meldete glänzend gelaufene Geschäfte mit biopharmazeutischen Produkten im dritten Quartal und wurde zudem optimistischer für das Gesamtjahr. Der Immobilienfinanzierer Aareal Bank gibt Kreisen zufolge dem Druck eines aktivistischen Investors nach und erwägt den Verkauf seiner IT-Dienstleistungstochter Aareon. Dies hatte am Freitag die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtet.

Aufmerksamkeit zogen auch die Aktien von ProSiebenSat.1 auf sich. Sie gewannen an der MDax-Spitze knapp 5 Prozent. Die tschechische Investmentfirma Czech Media Invest (CMI) von Daniel Kretinsky ist beim Medienkonzern eingestiegen./ck/mis

--- Von Claudia Müller, dpa-AFX ---


© AWP 2019
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