Berlin (Reuters) - Kurz vor den deutsch-brasilianischen Regierungskonsultationen hat BDI-Präsident Siegfried Russwurm eine engere Kooperation mit dem südamerikanischen Land gefordert.

"Die deutsche Wirtschaft appelliert an die Politik, mit Flexibilität und Kompromissbereitschaft das EU-Mercosur-Abkommen in diesem Jahr doch noch zu einem Abschluss zu bringen", sagte Russwurm am Montag in Berlin. Mit dem Abkommen könnten die EU und Südamerika die größte Handelszone der Welt schaffen, mit mehr als 720 Millionen Menschen. Mit der EU sowie Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay wären fast 20 Prozent der Weltwirtschaft und mehr als 31 Prozent der globalen Warenexporte abdeckt. 

Zudem fordert der BDI, die Gesprächen zur Vermeidung einer Doppelbesteuerung wieder aufzunehmen. "Das Doppelbesteuerungsabkommen wäre ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor für deutsche Unternehmen in Brasilien und gäbe einen zusätzlichen Impuls für die Diversifizierung unserer wirtschaftlichen Kooperationen", sagte Russwurm. "Die deutsche Industrie braucht Brasilien als geostrategischen Partner für mehr wirtschaftliche Unabhängigkeit." Brasilien könne einer der Hauptakteure auf dem Weg zur grünen Transformation der Weltwirtschaft werden. Das Land verfüge über riesige Potenziale für die Erzeugung erneuerbarer Energien, die schon heute einen Anteil von 87 Prozent im brasilianischen Strommix beitragen.

Aus einer Reuters vorliegenden Umfrage der Außenhandelskammern (AHK) geht hervor, dass deutsche Unternehmen ihre Geschäftsentwicklung in Brasilien optimistisch sehen. Demnach berichten 59 Prozent der befragten Firmen von gut laufenden Geschäften, lediglich zwölf von schlechten. Die Einfuhren aus Brasilien haben in den ersten zehn Monaten dieses Jahres nach Angaben des brasilianischen Wirtschaftsministeriums um 4,8 Prozent zugenommen, die deutschen Exporte sogar um 11,2 Prozent.

(Bericht von Andreas Rinke, redigiert von Hans Busemann; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)