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Börse Frankfurt-News: pfp Advisory: "Der richtige Zeitpunkt"

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21.09.2020 | 13:48

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 21. September 2020. FRANKFURT (pfp Advisory). Fondsmanager Frank beschäftigt sich mit dem passenden Moment für den Einstieg in Aktien, sieht im Market Timing das größte Risiko - und im zu langen Abwarten.

"Soll ich jetzt Aktien kaufen oder noch warten?" Die Frage nach dem "richtigen Zeitpunkt" an der Börse wird mir immer wieder gestellt, in Zeiten des Corona-Crashs und der nachfolgenden Blitz-Erholung noch häufiger. Zuletzt fragten auffallend viele Leute, die sich bisher eigentlich nicht für Wirtschaft und Börse interessierten. Das freut mich, werte ich es doch als Zeichen dafür, dass zunehmend mehr Deutsche von Null- oder Negativzinsen frustriert sind und sich auf der Suche nach mehr Rendite vorsichtig dem Aktienmarkt nähern.

Allerdings stellen sie meines Erachtens die falsche Frage. Den "falschen Zeitpunkt", um in Aktien einzusteigen, gibt es nach meiner Erfahrung in der Praxis höchst selten. Zugegeben: Wer das Pech hatte, mit einer Einmalanlage im März 2000 in Technologieaktien einzusteigen, hatte in der Tat jahrelang erst einmal nichts zu lachen. Seine Malaise lag dann allerdings primär darin begründet, dass er in ein heillos überteuertes Aktiensegment investiert hatte. Old-Economy-Aktien litten 2000 bis 2003 zwar teilweise auch, aber im Schnitt weit weniger als ihre Pendants aus dem Technologiesektor. Wer gestaffelt kaufte und nicht auf einen Schlag mit seinem gesamten Kapital, hatte schon weitaus weniger Probleme. Und wer lange genug durchhielt, kam selbst bei diesem historisch harten Crash nach einigen Jahren Frust wieder in die schwarzen Zahlen. Beispielsweise hat sich der Nasdaq Composite als wichtigstes Barometer für Technologie-Aktien längst deutlich über sein Hoch aus dem Jahr 2000 emporgeschwungen.

Langfristcharts von Aktienindizes sehen denn auch fast immer gleich aus, von seltenen Ausnahmen wie z. B. dem japanischen Nikkei-225 abgesehen: Sie beginnen links unten und enden rechts oben. 25-Jahres-Zeiträume mit negativen Renditen sind überaus selten. Im Schnitt liefern Aktien, je nach konkret ausgewähltem Index und Zeitraum, inklusive Dividenden eine Rendite von 6 bis 10 Prozent pro Jahr. Der DAX (inklusive Dividenden) beispielsweise kommt trotz mehrerer Crashs seit seiner Einführung 1988 auf eine jährliche Rendite von 8,2 Prozent. Der S&P 500 schaffte in den vergangenen 50 Jahren im Schnitt 7,7 Prozent p. a., hinzu kommen noch Dividendenrenditen, die sich im Durchschnitt pro Jahr auf weitere 2 bis 3 Prozent belaufen.

Wenn es an den Aktienmärkten also in der Tendenz in jedem Jahr im Schnitt um ungefähr 8 Prozent nach oben geht, wie sinnvoll erscheint es dann, an der Seitenlinie zu warten? Wenn Sie ein Jahr lang abseits stehen, verpassen Sie im Schnitt 8 Prozent Rendite. Warten Sie zwei Jahre auf den "richtigen Zeitpunkt", gehen im Mittel bereits 16,6 Prozent verloren. Trödeln Sie drei Jahre herum, können Sie mit knapp 26 Prozent entgangener Rendite kalkulieren.

"Zu riskant" und "zu teuer"?

Mit diesen Kalkulationen sollte klar sein: Eines der größten Risiken überhaupt ist, nicht dabei zu sein! Den "richtigen Zeitpunkt" abzuwarten, ist daher nach meiner Erfahrung kontraproduktiv. Denn die Gefahr, durch "Market-Timing" Rendite zu verpassen, ist in der Praxis sehr hoch. Keinesfalls wird sie durch die kleine Chance aufgewogen, zufällig den optimalen Zeitpunkt zu erwischen. Stattdessen führen Timing-Versuche nach meiner Erfahrung oft zu dauerhaftem Zaudern. Denn irgendetwas stört immer. Mal sind die Kurse kollabiert, dann wirkt der Aktienmarkt auf viele Anleger "zu riskant" und unberechenbar. Wenn die Kurse aber kontinuierlich nach oben gelaufen sind, finden sie ihn "zu teuer" und hoffen auf Rücksetzer.

Warten Sie nicht darauf, dass Ihnen ein gnädiges Schicksal die gewünschte Korrektur passgenau auf dem Silbertablett serviert. Und Sie genau dann aufmerksam und nervenstark genug sind, um mit vollem Kapitaleinsatz unerschrocken in den Markt zu spazieren. Das sind sehr viele Annahmen, die erfahrungsgemäß selten zusammen erfüllt werden. Der Aktienmarkt bietet Ihnen im langfristigen Mittel zu jedem Zeitpunkt 6 bis 10 Prozent Rendite pro Jahr. Dieses Angebot sollten Sie nutzen und keine Zeit mit Market-Timing-Versuchen vertrödeln.

Deshalb rate ich jedem, der mich nach dem "richtigen Zeitpunkt" fragt: Wenn Sie sich den Aktienmarkt zutrauen, dann steigen Sie sofort ein. Am besten zeitlich gestaffelt, also auch über die Zeitpunkte vernünftig diversifiziert. Vergeuden Sie keine Zeit mit der Suche nach dem vermeintlich richtigen Zeitpunkt. Nutzen Sie die im Schnitt hohen Renditen des Aktienmarktes, und das über möglichst lange Zeiträume.

Gerade junge Menschen sind sich oft gar nicht bewusst, welche Reichtümer sie durch Verbummeln verschenken. Dazu ein abschließendes Rechenbeispiel: Was glauben Sie, wie viel Geld verlieren Sie, wenn Sie zu Beginn Ihrer 40-jährigen Anlegerkarriere nur ein Jahr vertrödeln? Nehmen wir null Startkapital und einen monatlichen Sparplan je 200 Euro und den bereits genannten durchschnittlichen 8 Prozent pro Jahr an. Halten Sie einmal kurz inne und schätzen Sie, bevor Sie weiterlesen.

Hier die Auflösung: Nach 40 Jahren haben Sie ein Endvermögen von rund 644.000 Euro angesammelt. Haben Sie jedoch das erste Jahr verplempert, sind es mit rund 594.000 Euro etwa 50.000 Euro weniger. Das entspricht mehr als der halben Summe, die Sie in den Sparplan eingezahlt haben (93.600 bzw. 96.000 Euro)! Über 20 Jahre Sparzahlungen gehen verloren, nur weil Sie ein einziges Jahr auf den "richtigen Zeitpunkt" gewartet haben.

von Christoph Frank, 21. September 2020, © pfp Advisory

Christoph Frank ist geschäftsführender Gesellschafter der pfp Advisory GmbH. Gemeinsam mit seinem Partner Roger Peeters steuert der seit über 20 Jahren am deutschen Aktienmarkt aktive Experte den DWS Concept Platow (WKN DWSK62), einen 2006 aufgelegten und mehrfach ausgezeichneten Stock-Picking-Fonds. Weitere Infos unter www.pfp-advisory.de. Frank schreibt regelmäßig für die Börse Frankfurt.

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

© dpa-AFX 2020

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