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Deutsche Wirtschaft boomt im Sommer - Im Winter droht Rezession

24.11.2020 | 08:55
FILE PHOTO: Outbreak of the coronavirus disease (COVID-19) in Frankfurt

Berlin (Reuters) - Die deutsche Wirtschaft hat sich im Sommerquartal stärker vom Corona-Absturz erholt als bislang angenommen.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs von Juli bis September im Rekordtempo von 8,5 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte und die bisherige Schätzung von 8,2 Prozent nach oben revidierte. Im Frühjahr war Europas größte Volkswirtschaft noch mit 9,8 Prozent so stark eingebrochen wie nie, da viele Geschäfte wegen der Pandemie geschlossen blieben und Lieferketten gestört wurden. "In Anbetracht der massiven zweiten Corona-Welle und den daraus sich ergebenden negativen wirtschaftlichen Konsequenzen mutet das Zahlenwerk zum dritten Quartal wie ein verblassender schöner Traum an", sagte der Chefökonom der VP Bank, Thomas Gitzel. Im laufenden Schlussquartal drohe nun ein Rückschlag.

Denn der verhängte Teil-Lockdown trifft etwa Gastgewerbe und Tourismusbranche hart. "Für das Schlussquartal ist daher wieder mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung zu rechnen - erste Schätzungen deuten auf ein Minus um rund ein Prozent hin", sagte Konjunktur-Chef Claus Michelsen vom Berliner DIW-Institut. "Deutschland und viele wichtige Handelspartner dürften damit wieder in die Rezession rutschen." Dies dürfte in Deutschland Konsum, Außenhandel und Investitionen erneut bremsen. Doch die Hilfspakete der Regierung würden die negativen Folgen abmildern, betonte der DIW-Experte. "Auch die Erfolge bei der Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs machen Hoffnung, dass die Einschränkungen nicht zu einem Dauerzustand werden und sich die Erholung im Frühjahr fortsetzt."

REKORDWACHSTUM IM SOMMER-QUARTAL

Im Sommer gelang der Wirtschaft nach dem Ende des ersten Lockdowns eine rasante Aufholjagd. Die Verbraucher steigerten ihre Ausgaben massiv um 10,8 Prozent zum Vorquartal, der Staat erhöhte seinen Konsum um 0,8 Prozent. Unternehmen investierten 16 Prozent mehr in Maschinen und Anlagen. Schwung kam auch vom Außenhandel. Denn die Exporte kletterten um 18,1 Prozent und damit stärker als die Importe mit 9,1 Prozent.

Trotz der stark anziehenden Konjunktur lag die gesamte Wirtschaftskraft im dritten Quartal vier Prozent unter dem Vorjahresniveau. Zudem dürfte der seit November geltende Teil-Lockdown bis mindestens kurz vor Weihnachten verlängert werden und damit die Erholung spürbar bremsen. So bleiben Gastronomie, Kinos und Theater wohl bis auf Weiteres geschlossen. Der Sachverständigenrat erwartet 2020 insgesamt einen Einbruch der Wirtschaft von 5,1 Prozent. Dem soll sich im kommenden Jahr ein Wachstum von 3,7 Prozent anschließen.


© Reuters 2020
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