DOHA/TEL AVIV/GAZA (dpa-AFX) - Die indirekten Verhandlungen über eine Waffenruhe im Gaza-Krieg sollten am Sonntag in der katarischen Hauptstadt Doha auf Beamtenebene weitergeführt werden. Dies berichtete der regierungsnahe ägyptische Fernsehsender Al-Kahira News unter Berufung auf Kairoer Regierungsbeamte. Ägypten, Katar und die USA vermitteln bei den schwierigen Gesprächen, die auch zu einer Freilassung der israelischen Geiseln in der Gewalt der islamistischen Hamas führen sollen.

Eine hochrangigere israelische Delegation unter Führung des Auslandsgeheimdienst-Chefs David Barnea hatte am Samstag in Paris Vertreter der Vermittlerstaaten getroffen. Dabei soll es Berichten zufolge "bedeutende Fortschritte" gegeben haben. Das israelische Kriegskabinett, das noch am Samstagabend unter Leitung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zusammentrat, genehmigte die Fortsetzung der Gespräche auf Beamtenebene, wie der israelische Rundfunksender Kan meldete.

Israelischen Regierungsbeamten zufolge, auf die sich der Sender berief, könnten im Falle einer Vereinbarung in einer ersten Phase 35 bis 40 Geiseln freigelassen werden. Das wären vor allem Frauen, Kinder, ältere Männer und Männer mit schweren Krankheiten oder Verletzungen. Israel würde im Gegenzug dafür 300 Palästinenser aus israelischen Gefängnissen freilassen. Die Hamas hält noch rund 100 Geiseln fest, von denen vermutet wird, dass sie am Leben sind. Die Waffenruhe würde etwa sechs Wochen dauern. Sie sollte vor dem muslimischen Fastenmonat Ramadan in Kraft treten. Dieser beginnt um den 10. März.

Zunächst blieb unklar, wie weit die Hamas ihre weitreichenden Forderungen als Bedingung für eine Vereinbarung heruntergeschraubt hat. Der arabische Fernsehsender Al-Dschasira zitierte am Sonntag einen nicht namentlich genannten Hamas-Funktionär mit den Worten: "Der Optimismus in Hinblick auf eine nahende Einigung ist nicht durch die Realitäten gedeckt." Netanjahu würde sich immer noch der zentralen Forderung der Hamas nach einer unbefristeten Einstellung der Kampfhandlungen und einem vollständigen Rückzug der israelischen Streitkräfte aus dem Gazastreifen widersetzen.

Auslöser des Gaza-Kriegs war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen der Hamas sowie anderer extremistischer Palästinenserorganisationen am 7. Oktober im Süden Israels nahe der Grenze zum Gazastreifen verübt hatten. Auf israelischer Seite waren dabei 1200 Menschen getötet und weitere 250 als Geiseln verschleppt worden./raf/DP/jha