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HINTERGRUND/Die Abhängigkeit der Welt von einem Chipkonzern aus Taiwan

21.06.2021 | 12:50

Von Yang Jie, Stephanie Yang und Asa Fitch

TAIPEH (Dow Jones)--Die Chips der Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. (TSMC) sind überall, was den meisten Verbrauchern aber gar nicht auffällt. Der Konzern fertigt fast alle der höchstentwickelten Chips der Welt, auch viele der einfacheren. Sie befinden sich in Milliarden von Produkten, in denen Elektronik verbaut ist - von iPhones über PCs bis hin zu Autos. Dass die Chips von TSMC kommen, ist kaum zu erkennen, denn der Konzern baut sie für die bekannteren Unternehmen wie Apple und Qualcomm, die die Chips designen.

TSMC hat sich in den vergangenen Jahren zum wichtigsten Halbleiterkonzern gemausert und hat einen enormen Einfluss auf die Weltwirtschaft. Mit einem Marktwert von rund 550 Milliarden US-Dollar rangiert TSMC unter den wertvollsten Unternehmen der Welt an elfter Stelle.

Diese Dominanz macht den Rest der Welt verwundbar. Immer mehr Technologien benötigen Chips mit atemberaubender Komplexität, und das bedarf immer mehr Halbleiter von TMSC mit Sitz in Taiwan. Die Insel ist ein Knackpunkt in den Spannungen zwischen den USA und China. Peking betrachtet Taiwan als Teil Chinas.

TSMC ist dem Rest der Branche weit voraus. Andere Hersteller werden es schwer haben, zu den Taiwanern aufzuschließen, meinen Analysten. Aber TSMC kann nicht genügend Chips herstellen, um jeden zu bedienen. Das ist mit der herrschenden globalen Chip-Knappheit deutlich geworden. Sie belastet vor allem die Autoindustrie. So mussten beispielsweise Volkswagen und Daimler zuletzt wieder Kurzarbeit anmelden, weil Halbleiter fehlen.

Die Situation ist ähnlich wie seinerzeit, als die weltweite Ölversorgung vom Nahen Osten abhing. Jegliche Instabilität in Taiwan könnte sich weltweit bemerkbar machen. Auf das Land entfielen im ersten Quartal 65 Prozent des weltweiten Umsatzes mit auftragsgefertigten Chips, wie aus Daten des Marktforschers Trendforce hervorgeht. Auf TSMC entfielen 56 Prozent der weltweiten Umsätze. Die Abhängigkeit von taiwanischen Chips sei "eine Bedrohung für die Weltwirtschaft", schrieben kürzlich Analysten von Capital Economics.

   TSMC führend bei Smartphone- und Autochips 

Dem Unternehmen geht es gut: Die an der New Yorker Börse gelistete TSMC erzielte im vergangenen Jahr einen Gewinn von 17,6 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 45,5 Milliarden Dollar. Seine Technologie ist so fortgeschritten, dass es jetzt 92 Prozent der höchstentwickelten Chips der Welt herstellt mit Transistoren, die nur noch ein Tausendstel so stark sind wie ein menschliches Haar, so Capital Economics. Samsung Electronics produziert den Rest. Die meisten der 1,4 Milliarden Smartphone-Chips wurden von TSMC hergestellt.

Zudem stellt TSMC 60 Prozent der weniger entwickelten Microcontroller her, die Autobauer brauchen, wie IHS Markit berichtet. TSMC beziffert seinen Marktanteil auf 35 Prozent. Eine Sprecherin des Unternehmens wies die These, dass die Welt zu abhängig von TSMC sei, angesichts der starken Spezialisierungen innerhalb der weltweiten Lieferketten zurück.

Die USA, Europa und China versuchen, ihre Abhängigkeit von taiwanischen Chips zu reduzieren. Auf die USA entfallen laut BCG trotz Intel und Qualcomm mittlerweile nur noch 12 Prozent der weltweiten Chipherstellung. 1990 waren es noch 37 Prozent. Die Staaten investieren Milliarden, um ihre Chipherstellung voranzutreiben.

Die USA und Deutschland haben auch bei TSMC direkt versucht, mehr Chips für ihre jeweilige Autoindustrie zu bekommen. Im Mai kam es zu einem von US-Präsident Joe Biden arrangierten Treffen zwischen Autobauern und Chipherstellern. Die Autohersteller fühlten sich jedoch von TSMC nicht ausreichend über Maßnahmen für die Steigerung der Herstellungsmenge informiert, sagten mit den Vorgängen vertraute Personen.

TSMC erklärte, der Konzern habe nie dagewesene Maßnahmen ergriffen, um die Microcontroller-Produktion um 60 Prozent gegenüber 2020 zu erhöhen.

   Kapazitätsaufbau erfordert sehr viel Zeit und Geld 

Andere Chipfirmen haben es laut Analysten schwer, ihre Produktpaletten breiter aufzustellen. Halbleiter sind mittlerweile so komplex und kapitalintensiv, dass ein Hersteller kaum aufholen kann, wenn er einmal ins Hintertreffen geraten ist. Konzerne können Milliarden von Dollar und Jahre aufbringen, ohne dass sie auf den neuesten Stand der Technik kommen.

Eine einzige Fertigungsanlage kann bis zu 20 Milliarden Dollar kosten. TSMC plant für die nächsten drei Jahre mit Investitionen von 100 Milliarden Dollar, was knapp einem Viertel der weltweiten Investitionen entspricht.

Einzelne Länder müssten mindestens 30 Milliarden Dollar im Jahr über einen Zeitraum von fünf Jahren investieren, "um eine vernünftige Chance auf Erfolg" zu haben und zu TSMC und Samsung aufzuschließen, meinen die Analysten von IC Insights.

   TSMC machte schnell als Auftragsfertiger Karriere 

Im Konflikt mit China sieht sich Taiwan dank seiner starken Chipindustrie derzeit auf der sicheren Seite. Taiwanische Politiker bezeichnen ihre Chipindustrie auch als "Silicon Shield". Auch viele Analysten gehen davon aus, dass China in naher Zukunft erst einmal nicht versuchen wird, Taiwan unter Druck zu setzen, allein um seine eigene Chip-Versorgung nicht zu gefährden. Auch deswegen wird die Industrie mit Subventionen überschüttet. TMSC erhält für die Errichtung neuer Fabriken allerdings nach eigenen Angaben keine Subventionen.

Das war nicht immer so. Bei der Gründung 1987 durch Morris Chang stellte die Regierung etwa die Hälfte der Anfangsfinanzierung bereit. Changs Idee damals war, dass immer mehr Chipfirmen die Produktion an Auftragsfertiger auslagern würden. Das funktionierte: Unternehmen wie Nvidia und Qualcomm sahen Vorteile darin, sich stärker auf das Design konzentrieren zu können, ohne eigene Werke unterhalten oder bei einem direkten Konkurrenten produzieren lassen zu müssen. AMD verkaufte seine Produktionsstätten und wurde der größte Kunde von TSMC; andere große Konzerne folgten.

Mit jedem neuen Kunden konnte TSMC mehr investieren. Die Macht des Geschäftsmodells habe sich erst mit einer massiven Größe gezeigt, wodurch Skaleneffekte erzielt werden konnten, sagte Harvard-Professor David Yoffie. "Sobald sich die Kalkulation änderte, änderte sich das ganze Spiel." TSMC investierte in der globalen Finanzkrise massiv in Forschung & Entwicklung, während andere kürzten. 2009 legten die Investitionen um 42 Prozent auf 2,7 Milliarden Dollar zu, womit TSMC für den Smartphone-Boom stark positioniert war. Ab 2013 produzierte TSMC in Masse für Apple, jetzt der größte Kunde. Vorher war Samsung exklusiver Samsung-Lieferant.

  TSMC im Fadenkreuz der Weltpolitik 

Mit wachsender Dominanz wurde es für TSMC schwieriger, die Rolle als neutraler Spieler in der Branche zu halten, insbesondere angesichts der wachsenden Spannungen zwischen den USA und China, den beiden wichtigsten Märkten.

Als Antwort auf den wachsenden Druck der USA auf China stornierte TSMC Aufträge von Huawei und erklärte sich bereit, 12 Milliarden Dollar in eine neue Fabrik in Arizona zu investieren. Dort sollen ab 2024 sogenannte 5-Nanometer-Chips produziert werden. Analysten gehen aber davon aus, dass das Maß der Dinge bis dahin schon 3-Nanometer-Technolgie sein wird; die produziert TSMC aber lieber in der Heimat.

   Deutsche Autobauer schalten Politik ein 

Bei Microcontrollern für Autos ist man bei TSMC hinter vorgehaltener Hand frustriert über den Druck der Branche, ihren Aufträgen Priorität einzuräumen, sagten mit den Vorgängen vertraute Personen. Waren es doch die Autohersteller, die ihre Orders zu Beginn der Pandemie reduzierten. Als die Nachfrage wieder anzog, hatte TSMC seine Kapazitäten schon anderweitig verplant.

Analysten sagen, dass für TSMC wenig Anreiz besteht, die Produktion wieder umzustellen. Die weniger lukrativen Autochips machen nur rund 4 Prozent des Gesamtumsatzes aus.

Als die deutschen Autobauer im vergangenen Jahr wegen der verschärften Halbleiterknappheit damit begannen, die Produktion zu drosseln und Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken, forderten sie von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) mehr Druck auf Taiwan. Altmaier wandte sich auch an die Regierung um sicherzustellen, dass TSMC das Angebot ausweitet. Zudem warnte er, dass die Chip-Knappheit die Erholung der Weltwirtschaft gefährdet.

Jüngst erklärte Altmaier bei einem Treffen mit der Auslandspresse in Berlin, dass die Gespräche weiterhin andauerten. Details wollte er aber nicht nennen.

Vergangene Woche kündigten Volkswagen und Daimler an, wegen Lieferschwierigkeiten bei bestimmten Halbleiterkomponenten in mehreren Werken Kurzarbeit zu beantragen. Auch Audi wurde vom Chipmangel getroffen.

"Fast alle Microchips, die in allen neuen Autos wie denen von Audi verbaut werden, kommen von TSMC in Taiwan", schrieb Autohändler Dimitris Dotis aus Virginia. "Die Engpässe dürften noch mindestens bis Ende 2022 andauern."

Mitarbeit: William Boston, Bojan Pancevski und Ben Foldy

Kontakt zum Autor: unternehmen.de@dowjones.com

DJG/DJN/mgo

(END) Dow Jones Newswires

June 21, 2021 06:49 ET (10:49 GMT)

Im Artikel erwähnte Wertpapiere
%Kurs01.01.
APPLE INC. -1.49%146.77 verzögerte Kurse.10.61%
DAIMLER AG 0.66%74.5 verzögerte Kurse.28.07%
INTEL CORPORATION -2.08%53.18 verzögerte Kurse.6.74%
NVIDIA CORPORATION -0.45%192.08 verzögerte Kurse.47.13%
QUALCOMM, INC. -1.79%140.93 verzögerte Kurse.-7.49%
SAMSUNG ELECTRONICS CO., LTD. -0.38%78500 Schlusskurs.-3.09%
TAIWAN SEMICONDUCTOR MANUFACTURING COMPANY LIMITED 0.00%580 Schlusskurs.9.43%
VOLKSWAGEN AG 0.99%204.5 verzögerte Kurse.32.86%
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