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KONJUNKTUR IM BLICK/Ifo und Fed dominieren die Agenda

21.01.2022 | 15:43

Von Andreas Plecko

FRANKFURT (Dow Jones)--In der Woche stehen zwei herausragende Termine auf dem Kalender, auf die sich alle Augen richten werden: Das Ifo-Geschäftsklima am Dienstag und die Sitzung der US-Zentralbank am Mittwoch. Außerdem werden Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das vierte Quartal offenbaren, welche Staaten, wirtschaftlich betrachtet, vergleichsweise gut durch die Pandemie kommen und welche hinterherhinken. Es zeichnet sich bereits ab, dass China und die USA zu den Gewinnern gehören, während Deutschland ein Nachzügler ist.

Die verschärfte Pandemielage trifft konsumnahe Dienstleister und den Einzelhandel in Deutschland hart. Das Ifo-Geschäftsklima ist im Dezember auf 94,7 Punkte gefallen. Das Geschäftsklimaindex sank im Dezember das sechste Mal in Folge. Von Dow Jones Newswires befragte Ökonomen erwarten für Januar eine Stagnation auf diesem Niveau.

Der überdurchschnittlich hohe Anteil der Industrie bremst derzeit die konjunkturelle Erholung in Deutschland, weil dieser Sektor besonders unter den Staus auf den Weltmeeren und den Unterbrechungen der Lieferketten leidet. Diese Engpässe treiben wiederum die Inflation in die Höhe.

In der Woche publiziert IHS Markit die Umfragen unter Einkaufsmanagern. Das Wachstum in der deutschen Wirtschaft ist im Dezember wegen der vierten Corona-Welle zum Stillstand gekommen. Der Sammelindex für die Produktion in der Privatwirtschaft - Industrie und Dienstleister zusammen - verringerte sich auf 50,0 von 52,2 Punkten im Vormonat.

Ökonomen erwarten für Januar einen weiteren Rückgang. Die Geschäftsaussichten könnten sich jedoch verbessern, verknüpft mit der Hoffnung auf nachlassende Lieferschwierigkeiten und Lockerungen bei den Corona-Restriktionen.

   Deutsche Wirtschaft im Rückwärtsgang 

Volkswirte gehen davon aus, dass die deutsche Volkswirtschaft im Winterhalbjahr schrumpft, bevor es im Frühjahr wieder aufwärts gehen soll. Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat bereits eine erste Schätzung für das vierte Quartal abgegeben: Es geht davon aus, dass das BIP gegenüber dem Vorquartal um 0,5 bis 1,0 Prozent gefallen ist.

Es besteht die Gefahr, dass die globale wirtschaftliche Erholung durch die Omikron-Variante aus der Bahn geworfen wird. Besonders Europa scheint anfällig zu sein: Der Aufschwung in Deutschland, Frankreich und Italien wird durch den Anstieg der Infektionsfälle zunehmend belastet.

In den USA bietet sich ein ganz anderes Bild: Zwar sollten nachlassende Erwartungen für fiskalische Anreize und die Verbreitung der Omikron-Variante den Privatkonsum belastet haben, aber die Unternehmen dürften ihre Lagerbestände nach drei Quartalen mit Rückgängen erstmals wiederaufgebaut haben.

Dadurch ergibt sich für das vierte Quartal ein großer Wachstumsbeitrag: Die Atlanta-Fed prognostiziert ein annualisiertes Wachstum von 5,0 Prozent, was umgelegt auf die europäische Rechenweise 1,8 Prozent bedeuten würde. China hat für das vierte Quartal ein BIP-Wachstum von 1,6 Prozent ausgewiesen.

   Fed wartet bis März noch ab 

Die günstigere konjunkturelle Lage in den USA spiegelt sich auch in der Geldpolitik der Federal Reserve. Die Inflation liegt mit derzeit 7,0 Prozent weit über dem Zielwert der Fed, die eine jährliche Rate von 2 Prozent anpeilt. Der Grund für die aus dem Ruder laufende Teuerung sind die starke Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen sowie Engpässe in den Lieferketten im Zuge der weltweiten Konjunkturerholung nach der Corona-Krise.

Die US-Notenbank beurteilt die Inflationsentwicklung in den USA jetzt als sehr viel hartnäckiger und deutete deshalb eine raschere Zinserhöhung an. Der erste Schritt dürfte bereits im März erfolgen, wenn das Kaufprogramm der Fed ausläuft. Für die Sitzung im Januar werden aber noch keine Beschlüsse erwartet. Zuletzt sprach Fed-Gouverneur Christopher Waller sogar von bis zu fünf Zinserhöhungen, sollte die Inflation in der ersten Jahreshälfte hoch bleiben.

An den Märkten wird indessen spekuliert, ob die Fed zu der "Shock and Awe"-Taktik drastischer Zinserhöhungen zurückkehrt, die sie in den 1980er und 1990er Jahren zur Inflationsbekämpfung eingesetzt hat oder ob sie den maßvollen Ansatz der jüngsten Jahre beibehält. Da die Inflation den höchsten Stand seit vier Jahrzehnten erreicht hat, mehren sich die Gerüchte über eine drastische Anhebung des Leitzinses um 50 Basispunkte bereits im März.

Kontakt zum Autor: konjunktur.de@dowjones.com

DJG/apo/sha

(END) Dow Jones Newswires

January 21, 2022 09:42 ET (14:42 GMT)

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