Ein Blick von Tom Westbrook auf den bevorstehenden Tag an den europäischen und globalen Märkten

Die Ölpreise trotzten den Sorgen über einen Krieg im Nahen Osten und die Produktionskürzungen der OPEC+ und fielen über Nacht auf ein Fünfmonatstief. Damit steuern sie auf den stärksten Jahresrückgang seit dem Jahr der Abriegelung 2020 zu.

Die Brent-Rohöl-Futures sind seit ihren Höchstständen Ende September um mehr als 20% gefallen und wurden auf den niedrigsten Stand seit Ende Juni abverkauft, nachdem ein unerwartet starker Anstieg der US-Benzinvorräte auf eine schwache Nachfrage während des Thanksgiving-Festes hindeutete.

Dies überschattete das Treffen zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman am Mittwoch, bei dem eine weitere Zusammenarbeit bei den Preisen besprochen wurde.

Auf Jahressicht ist Brent um mehr als 13% gesunken und hat sich mit $74,64 pro Barrel in einer Spanne eingependelt. Das ist eine gute Nachricht für die Inflation, für Anleihen und für die Chancen auf Zinssenkungen im Jahr 2024.

Die Renditen von Staatsanleihen stiegen am Donnerstag im asiatischen Handel leicht an, was jedoch nach einer starken Rallye der Anleihen in New York nicht ungewöhnlich ist. Die zehnjährigen Renditen erreichten über Nacht ein Dreimonatstief, bevor sie in Asien um 2 Basispunkte auf 4,14% stiegen.

Im weiteren Tagesverlauf stehen in Europa und den USA die deutschen Industriezahlen und die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in den USA auf dem Programm, während am Freitag die US-Arbeitsmarktdaten im Mittelpunkt stehen.

Am Mittwoch zeigten die Daten, dass die Arbeitskosten in den USA im letzten Quartal gesunken sind, dass sich die Zahl der Neueinstellungen im privaten Sektor stabilisiert hat und dass sich der Lohnanstieg verlangsamt hat - ein weiterer Hinweis darauf, dass sich die Wirtschaft verlangsamt.

Alles in allem ist dies ein freundlicher Hintergrund für die Sitzungen der Zentralbanken in Europa, den USA und Japan in den kommenden Wochen.

In Asien zeigten die chinesischen Handelsdaten am Donnerstag, dass die Exporte im November zum ersten Mal seit sechs Monaten wieder gestiegen sind, während die Importe unerwartet zurückgingen.

Chinesische Aktien erreichten neue Tiefststände, wobei die Herabstufung des Ausblicks für Chinas Staatsschulden durch Moody's Anfang der Woche zusätzlichen Druck auf chinesische Vermögenswerte ausübte.

Der Blue-Chip-Index CSI300 erreichte den schwächsten Stand seit Anfang 2019 und der Hang Seng, der in nur 10 Handelstagen um fast 9% gefallen ist, fiel auf ein 13-Monats-Tief.

Wichtige Entwicklungen, die die Märkte am Donnerstag beeinflussen könnten:

Wirtschaft: Deutsche Industrieproduktion, britische Immobilienpreise, endgültiges BIP der Eurozone, Anträge auf Arbeitslosenunterstützung in den USA