Am Freitag fragte sich die Redaktion: Wie hoch würden die US-Zölle auf EU-Waren wohl ausfallen? Die gängigste Antwort lautete „10%“ – der derzeitige Aufschlag und der Satz, den das Vereinigte Königreich vor einigen Wochen erfolgreich ausgehandelt hatte (was sich im Nachhinein als äußerst geschickter Schachzug Londons erwies – dazu später mehr). Tatsächlich lautet die Antwort jedoch: 30%. Donald Trump verkündete dies am Samstagmittag – es sei denn, Brüssel lenke bis zum 1. August ein.
Übrigens gilt der 30%-Satz auch für Mexiko. Bis Samstag hatten sich beide Handelspartner weitgehend der Kritikwelle des Weißen Hauses entziehen können. Man hatte irrtümlich angenommen, Europa habe unter der Trump-Administration wieder an Glaubwürdigkeit gewonnen und Mexiko sei nach der kurzzeitigen Umbenennung des Golfs von Mexiko in „Golf von Amerika“ in Vergessenheit geraten. Nun hat sich der weiche Ansatz der EU gerächt. Ursula von der Leyen hofft weiterhin auf eine Reduzierung, doch Brüssel schien nie wirklich bereit zur direkten Konfrontation.
Zur Verdeutlichung ein Zitat eines Diplomaten „mit direkter Kenntnis der Angelegenheit“, der anonym in der französischen Zeitung Le Grand Continent zitiert wurde: „Wir standen kurz vor einem 10%-Abkommen nach britischem Vorbild. Jetzt werden wir ein wenig nachgeben und triumphierend verkünden, dass wir die 30% abgewendet haben.“
Europa, führender Exporteur und Importeur weltweit, droht nun Washingtons nützlicher Idiot zu werden – durch die Finanzierung des US-Defizits und das gleichzeitige Auffangen chinesischer Warenströme, die nicht mehr in die Vereinigten Staaten gelangen. Eine Ausnahme gibt es: das Vereinigte Königreich, das von dem bereits geschlossenen Abkommen und möglichen Exportumlenkungen in Richtung USA profitieren dürfte. „Vor dem Hintergrund der aktuellen Weltlage ist eine Empfehlung klar: britische Aktien kaufen“, notiert das Analysehaus Panmure Liberum am Montagmorgen.
Im großen Bild betrachtet, haben alle wichtigen Handelspartner der USA inzwischen ein Drohschreiben erhalten, in dem Washington die Höhe der angestrebten oder bereits verhängten Abgaben auflistet. An der Wall Street glaubt man weiterhin, dass diese Politik langfristig Früchte tragen wird: Die Aktienindizes stehen auf Rekordniveau. Die Sorgen der Anleger sind zwar vorhanden, bleiben aber diffus. Fest steht: Der durchschnittliche US-Einfuhrzoll liegt inzwischen bei 16%, verglichen mit 2,5% zu Jahresbeginn.
UBS hat errechnet, dass dieser Satz auf Grundlage der bis Freitag getroffenen Ankündigungen auf 18% steigen dürfte. Mit dem Einschluss von Mexiko und der EU dürfte sogar die 20%-Marke überschritten werden. Das stellt einen erheblichen Schock für den Welthandel dar – dessen unmittelbare Auswirkungen jedoch durch vorgezogene Käufe vor Inkrafttreten der Zölle abgefedert werden. Die Finanzmärkte, die am Freitag bereits leicht auf die erste Ankündigungswelle reagiert hatten, zeigen sich am Montagmorgen angespannt. Frühindikatoren an der Wall Street sind rückläufig, die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen steigen, ebenso wie der Dollar. Von der Panik im Februar, März und April sind wir jedoch noch weit entfernt. Doch diese Ruhe erscheint angesichts der implizierten globalen Neuausrichtung trügerisch.
Hier die weiteren wichtigen Themen zum Wochenstart:
- In den USA ist „Crypto Week“ – eine Woche, in der der Kongress eine Reihe von Gesetzesvorhaben verabschieden könnte, die die Kryptoindustrie fest im Finanzsystem verankern. Bitcoin hat den symbolischen Wert von 120.000 Dollar überschritten.
- Donald Trump erhöht den Druck auf Fed-Chef Jerome Powell und erklärte, er hoffe auf dessen Rücktritt. In Washington kursieren Gerüchte, wonach Getreue des Präsidenten Material für ein Amtsenthebungsverfahren gegen Powell zusammentragen.
- In China übertrafen die Import- und Exportzahlen für Juni die Erwartungen. Donald Trump (wieder einmal) kündigte die Lieferung von Patriot-Flugabwehrraketen an die Ukraine an und könnte heute weitere Ausrüstung und Sanktionen gegen Russland bekanntgeben.
In der laufenden Berichtssaison beginnt die dritte Juliwoche mit Zahlen der Börsenschwergewichte. In den USA eröffnen die großen Banken, angeführt von JPMorgan Chase, am Dienstag die Bilanzrunde. Auch Netflix, GE Aerospace und PepsiCo legen Ergebnisse vor. In Europa zählen ASML, Rio Tinto, Compagnie Financière Richemont, Novartis und ABB zu den Highlights. Neben Unternehmenszahlen stehen diese Woche auch zahlreiche makroökonomische Daten an, darunter das BIP Chinas für das zweite Quartal und die US-Inflationszahlen für Juni – zwei zentrale Indikatoren für Investoren.
Im asiatisch-pazifischen Raum zeigen sich die Aktienmärkte trotz der Druckwelle aus dem Weißen Haus relativ unbeeindruckt. In Japan und Australien sind die Börsen leicht im Minus, Hongkong notiert im leicht positiven Bereich, während Südkorea um 0,7% zulegt. Die Märkte in Indien (-0,4%) und Taiwan (-0,8%) starten dagegen im Minus. Die europäischen Futures eröffnen schwächer.
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Wirtschaftliche Höhepunkte:
Auf der heutigen Agenda: die Industrieproduktion in Deutschland. Die gesamte Agenda gibt es hier.
- EUR / USD: 1,17 $
- Gold: 3.360,91 $
- Rohöl (Brent): 70,41 $
- Anleihe Vereinigte Staaten 10 Jahre: 4,42 %
- BITCOIN: 122.180 $
In den Nachrichten:
- Basf: Hat seine Prognosen für 2025 aufgrund der Auswirkungen der Zölle auf die Weltwirtschaft gesenkt, im Einklang mit den Erwartungen der Analysten.
- Thyssenkrupp: Hat zusammen mit der Gewerkschaft IG Metall eine Vereinbarung getroffen, die Arbeitszeitverkürzungen, geringere Prämien und die Schließung bestimmter Standorte im Rahmen eines Umstrukturierungsplans vorsieht.
- Burberry: Unter dem neuen CEO Josh Schulman zeigt das Unternehmen trotz rückläufiger Umsätze erste vielversprechende Ergebnisse und stärkt damit den Optimismus der Anleger.
- Lloyds Banking Group: Wird die digitale Holdinggesellschaft Curve übernehmen.
- Mediobanca: Hat ein feindliches Übernahmeangebot von Banca Monte dei Paschi abgelehnt.
- Bper Banca: Hat ihr Übernahmeangebot für Banca Popolare di Sondrio erfolgreich abgeschlossen und 58,35 % des Kapitals erworben.
- Novartis: Ist mit dem Versuch gescheitert, die Vermarktung des Generikums Entresto in den Vereinigten Staaten bis 2026 zu blockieren.
- Kraft Heinz: Erwägt laut Reuters die Ausgliederung eines großen Teils seines Lebensmittelgeschäfts, einschließlich vieler Kraft-Produkte.
- Walgreens Boots Alliance: Die Aktionäre haben der Transaktion mit Sycamore Partners zugestimmt.
- Nvidia: Der CEO wird am 16. Juli eine Pressekonferenz in Peking abhalten.
- Apple: Hat laut Business Insider mindestens 150 Millionen Dollar pro Jahr für die Streaming-Rechte an der Formel 1 geboten.
- Warner Bros: Superman hat seit seinem Kinostart 217 Millionen Dollar eingespielt.
- China: Genehmigt die Übernahme von Ansys durch Synopsys unter Auflagen.
Weitere Nachrichten von Unternehmen, die in Deutschland notiert sind, finden Sie hier.
Analystenempfehlungen:
- 1&1 Ag: Goldman Sachs behält seine Kaufempfehlung bei und erhöht das Kursziel von 17,20 auf 24,10 EUR.
- United Internet Ag: Goldman Sachs behält seine Kaufempfehlung bei und erhöht das Kursziel von 22,50 auf 34,60 EUR.
- Ionos Group Se: Goldman Sachs bleibt bei seiner Kaufempfehlung und erhöht das Kursziel von 41,10 auf 45,50 EUR.
- Sixt Se: DZ Bank AG Research bestätigt seine Kaufempfehlung und erhöht das Kursziel von 100 auf 105 EUR.
- Brenntag Se: JP Morgan bleibt bei seiner Empfehlung, das Wertpapier unterzugewichten, und senkt das Kursziel von 56 auf 51,50 EUR.
- Commerzbank Ag: Deutsche Bank bestätigt die Kaufempfehlung und erhöht das Kursziel von 29 auf 33 EUR.
- Nordex Se: Citigroup bestätigt seine Kaufempfehlung mit einem Kurszielanstieg von 19 auf 22 EUR.
- Zalando Se: Morgan Stanley bleibt bei seiner Empfehlung untergewichten und senkt das Kursziel von 28,50 auf 25,50 EUR.
- Deutsche Börse Ag: Keefe Bruyette & Woods bestätigt seine Empfehlung zur Marktleistung und erhöht das Kursziel von 265 auf 275 EUR.





















