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Ökonomen - Gefühlte Inflation niedrig wie zuletzt 2016

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16.09.2020 | 09:16
Euro banknotes and coins are displayed in a shop in Brussels

Die Preise sind in der Wahrnehmung deutscher Verbraucher wegen niedrigerer Benzinkosten und der gesenkten Mehrwertsteuer so stark gefallen wie seit knapp viereinhalb Jahren nicht mehr.

Die gefühlte Inflationsrate habe im Juli bei minus 1,8 Prozent und im August bei minus 1,7 Prozent gelegen, ergaben Berechnungen von Ökonomen der italienischen Großbank UniCredit. "Das sind die niedrigsten Werte seit März 2016", sagte Deutschland-Chefvolkswirt Andreas Rees am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Die amtliche Teuerungsrate lag im Juli - dem Monat des Inkrafttretens der vorübergehenden Senkung der Mehrwertsteuer - bei minus 0,1 Prozent und im August bei null Prozent. "Das ist schon eine signifikante Abweichung", sagte Rees.

Diese kommt zustande, weil die UniCredit-Experten die Waren und Dienstleistungen nach ihrer Kaufhäufigkeit gewichten. Preisänderungen bei Artikeln, die nahezu täglich gekauft werden, fallen Kunden stärker auf als bei selten gekauften Waren wie etwa Möbeln.

"Hinter der Entwicklung stecken vor allem die Kraftstoffpreise", sagte Rees. Benzin und Diesel sind in beiden Sommermonaten deutlich günstiger zu haben gewesen als ein Jahr zuvor. Grund: Die Weltmarktpreise haben wegen der Nachfrageschwäche infolge der globalen Corona-Rezession kräftig nachgegeben. "Man sieht aber auch einen Effekt durch die Senkung der Mehrwertsteuer, denn vieles ist dadurch günstiger geworden - wenn auch teilweise nur um wenige Cent, etwa bei Waren des täglichen Bedarfs", sagte der Ökonom. Viele Geschäfte hätten die verringerte Mehrwertsteuer an ihre Kunden weitergeben. Dadurch würden diese in dem Gefühl bestärkt, dass die Teuerungsrate niedriger sei als die amtlich ausgewiesene.

Dass die Preise zuletzt nicht mehr gestiegen sind, stützt die Kaufkraft der Verbraucher. "Zusammen mit der beginnenden Erholung am Arbeitsmarkt und besseren Nachrichten von der Konjunktur dürfte das die Kauflaune heben", prognostiziert Rees. Der positive Effekt auf das Kaufverhalten durch die verringerte Mehrwertsteuer dürfte im Weihnachtsgeschäft deutlicher bemerkbar werden. "Dann werden einige Leute zugreifen, denn im Januar müssen sie mit höheren Preisen rechnen, wenn die Senkung ausläuft", erläuterte Rees.

Die Bundesregierung hat die Mehrwertsteuer zum 1. Juli befristet bis Jahresende von 19 auf 16 Prozent gesenkt, den ermäßigten Satz von sieben auf fünf Prozent. Das soll den privaten Konsum stützen und so der Wirtschaft helfen. Diese kann vorerst nicht mit starken Impulsen aus dem Exportgeschäft rechnen, da viele wichtige Handelspartner wie die USA, Frankreich, Italien und Großbritannien von der Corona-Krise besonders schwer betroffen sind.

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