Zürich (awp) - Die Schweizer Tourismuswirtschaft rechnet für den Sommer mit deutlich mehr Logiernächten als im Vorjahr. Das Wachstum dürfte sich aber vor allem auf einzelne Regionen konzentrieren. Gleichzeitig will die Branche nachhaltiger werden. Die Gäste scheinen sich dafür aber nur bedingt zu interessieren.

Gemäss einer Umfrage von Schweiz Tourismus erwarten die Beherbergungsbetriebe für den Sommer ein Frequenz- und Logiernächteplus von bis zu 12 Prozent, wie die Marketingorganisation am Donnerstag mitteilte.

Damit sind die befragten Betriebe deutlich optimistischer als zuletzt die Ökonomen. Die Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) war Ende Mai von einem Logiernächteplus von 0,4 Prozent ausgegangen, BAK Economics von 0,9 Prozent.

Ungleiche Verteilung

Schweiz Tourismus befragt aber vor allem die touristischen Schwergewichte in den Städten und die alpinen Tourismusdestinationen von Graubünden bis ins Wallis. Entsprechend wertet der Verband die Diskrepanz zu den Prognosen der Ökonomen auch als Indiz dafür, dass das touristische Wachstum nicht gleichmässig über die Schweiz verteilt ist.

So seien zwar die touristischen Leuchttürme vor allem für die Hochsaison sehr optimistisch. Ausserhalb der klassischen Tourismusorte herrsche dagegen gerade ausserhalb der Hochsaison eher Zurückhaltung, heisst es.

Der Tourismusverband will sich denn auch weiter für eine saisonal und geografisch bessere Verteilung der Gästeströme engagieren. Dieses Thema beschäftigt die Branche seit geraumer Zeit, nicht zuletzt wegen des Problems des Overtourism.

Mehr ÖV, weniger Foodwaste

Gleiches gilt für das Thema "Nachhaltigkeit". Schweiz Tourismus hat Tourismusbetriebe befragt, welche Massnahmen sie sie in dem Bereich getroffen haben. Besonders oft genannt wurden die Teilnahme am Swisstainable-Programm von Schweiz Tourismus, das auf nachhaltige Tourismusaktivitäten setzt, sowie allgemein eine Ausrichtung der Angebote auf den ÖV.

Oft genannt wurden auch Massnahmen im Bereich Energie und Wärme, so etwa die Umstellung auf LED-Beleuchtung. Viele Betriebe gehen auch gegen Foodwaste vor, beispielsweise mit der Abschaffung des Frühstücksbuffets.

Gäste wenig nachhaltig

Eher ernüchternd ist derweil das Verhalten der Gäste. Laut befragten Tourismusanbietern schaut nämlich nur ein sehr kleiner Teil darauf, ob ein Tourismusbetrieb nachhaltige Massnahmen, Angebote oder ein entsprechendes Zertifikat hat.

Ein vergleichbares Bild zeigt eine Umfrage vom April unter potenziellen Sommergästen aus Deutschland, Frankreich, dem Vereinigten Königreich und der Schweiz. Sie wurden etwa gefragt, ob sie mindestens einmal bewusst eine CO2-Kompensation gewählt haben oder einen Reiseanbieter, der sich um Nachhaltigkeit bemüht.

Und die Schweizer Bevölkerung hatte dabei nicht die Nase vorn. Etwas weniger als ein Drittel der Befragten in der Schweiz bejahte diese Frage. In Grossbritannien waren es etwa gleich viele. Deutlich schwächer waren die Deutschen mit 20 Prozent, während die Franzosen mit fast 40 Prozent am vorbildlichsten waren.

Fernweh nimmt zu

Auch zieht es die Schweizerinnen und Schweizer etwas stärker wieder ins Ausland. Kapp 40 Prozent wollen diesen Sommer Ferien im eigenen Land machen. Im Vorjahr waren es noch 43 Prozent.

Positiv in Sachen Nachhaltigkeit ist dabei aber, dass öfters aufs Auto verzichtet wird. So wollen von denen, die in der Schweiz bleiben, zwar noch immer 47 Prozent das Auto benutzten. Im Jahr davor war es aber noch etwas mehr als die Hälfte.

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