Zinswunschdenken vs. Marktkräfte
Donald Trump fordert zwar lautstark eine drastische Zinssenkung durch Fed-Chef Jerome Powell – doch dabei wird ignoriert, dass die US-Notenbank auf die langfristigen Zinsen kaum direkten Einfluss hat. Diese spiegeln vielmehr das Spiel von Angebot und Nachfrage wider.
Und genau hier liegt die eigentliche Gefahr: Die wiederholten Zolldrohungen und handelspolitischen Einschüchterungen seitens der USA drohen nicht nur, die Nachfrage nach dem Dollar zu schwächen, sondern auch das Vertrauen in US-Staatsanleihen zu untergraben. Sollte die Rendite für 30-jährige US-Bonds über 5,18 % ausbrechen, wäre dies ein starkes Signal, dass die berüchtigten „Bond Vigilantes“ – also renditehungrige Investoren – zurück auf der Bühne sind.
Ein strukturelles Problem in der westlichen Welt
Das Refinanzierungsproblem ist kein rein amerikanisches Phänomen. Alle entwickelten Volkswirtschaften stehen vor der Herausforderung, ihre Schulden aufrechtzuerhalten. Es wird zunehmend schwieriger, bestehende Anleihen zu „rollen“ – also durch neue zu ersetzen – da potenzielle Käufer rarer werden und höhere Zinsen verlangen.
Möglicherweise spielt diese Sorge auch eine Rolle in den laufenden Handelsgesprächen zwischen den USA und ihren Wirtschaftspartnern. Gewissheit darüber wird jedoch erst die Zukunft bringen. Sicher ist: Die Risiken einer ausgewachsenen Anleihenkrise nehmen zu – eine Rückkehr der Inflation würde diesen Trend weiter verschärfen.
CPI-Daten im Fokus
Ein erster Hinweis auf die weitere Entwicklung könnte schon heute Nachmittag kommen: Dann veröffentlicht das US-Arbeitsministerium den Verbraucherpreisindex (CPI). Der Marktkonsens rechnet mit einem moderaten Anstieg von +0,3 % gegenüber dem Vormonat und +2,6 % im Jahresvergleich.
Wie so oft wird jedoch weniger die Zahl selbst entscheidend sein, als die Reaktion der Märkte – insbesondere bei den Anleiherenditen, dem Dollar, dem Goldpreis und den Aktienindizes. Anleger sollten hier sehr genau hinschauen.