Seit April hat die Aktie stark zugelegt. Man könnte meinen, dass alles zum Besten steht. Doch die letzten Jahre waren für Neste alles andere als einfach.

Die Nachfrage ist eingebrochen. Mehrere Projekte haben sich verzögert. Die Margen sind unter Druck geraten. Regulatorische Unsicherheiten haben die Abhängigkeit des Konzerns von einem schützenden gesetzlichen Rahmen deutlich gemacht: Ohne klare Verpflichtungen für die Kunden ist es für Neste schwierig, mit konventionellen, deutlich günstigeren Erdölprodukten zu konkurrieren. Die Aussetzung der US-Steuergutschrift belastete zudem die Exporte aus Singapur. Technische Zwischenfälle verschärften die Lage zusätzlich: ein Brand im Werk Rotterdam, ein Anlagenausfall in Singapur, Kapazitätsengpässe an anderen Standorten. Diese Probleme führten zu mehreren Gewinnwarnungen und einer Eintrübung der Wachstumsperspektiven.

Im April erreichte die Aktie ihren Tiefpunkt. Damals vertraten wir die Auffassung, dass der Markt zu pessimistisch sei. Schon wenige – wenn auch schwache – positive Signale könnten ausreichen, um das Anlegerinteresse neu zu entfachen. Genau das ist geschehen: Die Aktie legte seither um 140 % zu.

Im Februar hatte das Management einen Restrukturierungsplan angekündigt. Ziel ist es, das Unternehmen zurück auf einen Wachstumspfad zu führen. Zwischen 2022 und 2024 war der Umsatz um 20 % gesunken, die Margen waren eingebrochen. Ende des zweiten Quartals hatten die ergriffenen Maßnahmen bereits 107 Millionen Euro zum EBITDA auf Jahresbasis beigesteuert. Die Verkäufe erneuerbarer Kraftstoffe ziehen wieder an, insbesondere bei SAF, dem nachhaltigen Flugkraftstoff. Auch die Raffinerie im finnischen Porvoo erlebt eine Wiederbelebung – derzeit wird der Standort auf emissionsarme Prozesse umgestellt. Der freie Cashflow ist wieder positiv: 226 Millionen Euro nach -225 Millionen im Vorquartal.

Diese Fortschritte ermöglichen es Neste, mit mehr Zuversicht an der geplanten Erweiterung des Rotterdamer Standorts zu arbeiten. Die Projektkosten belaufen sich auf 2,5 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr hat der Konzern seine Prognosen bestätigt und rechnet mit steigenden Absatzmengen in beiden Hauptgeschäftsbereichen.

Die Aktie steht deutlich besser da als zu Jahresbeginn. Dennoch ist Vorsicht geboten nach einem derart rasanten Kursanstieg, der stark spekulativen Charakter trägt. Eine nachhaltige Erholung hängt von der Konstanz positiver Entwicklungen ab.