Norwegen sollte derzeit davon absehen, einen umfassenden Prozess zur Einführung der Kernenergie einzuleiten. Angesichts der weiterhin reichlich vorhandenen Wasserkraft und kostengünstigerer alternativer Energiequellen empfahl eine von der Regierung eingesetzte Kommission am Mittwoch Zurückhaltung.

Die norwegische Regierung hatte im Jahr 2024 einen zwölfköpfigen Ausschuss berufen, um die potenzielle künftige Nutzung der Kernenergie in dem nordischen Land zu untersuchen - die erste derart eingehende Prüfung seit den 1970er Jahren.

Der Bedarf an mehr emissionsfreier Energie, um die erwartete Nachfragesteigerung durch die Elektrifizierung zu decken, sowie das Bestreben privater Unternehmen, Kernkraftkapazitäten aufzubauen, rechtfertigten laut Regierung eine Neubewertung der Technologie.

"Das norwegische Stromsystem ist nicht auf die Systemeigenschaften der Kernkraft angewiesen, da wir in Norwegen über reichlich Wasserkraft verfügen", erklärte die Kommissionsvorsitzende und ehemalige Finanzministerin Kristin Halvorsen bei der Vorstellung des Berichts.

Wasserkraft machte im Jahr 2025 laut Statistics Norway 89,9 % der norwegischen Stromerzeugung aus, gefolgt von Windkraft mit einem Anteil von 8,6 %.

Die nordischen Nachbarn Finnland und Schweden haben neue Kernreaktoren gebaut oder planen deren Bau, während auch andere europäische Länder die Kernkraft als Mittel zur Erzeugung emissionsfreier Energie ins Auge fassen.

Obwohl die Kernkraft theoretisch in das norwegische System passen würde, sei sie derzeit nicht rentabel und erfordere zudem umfangreiche Vorarbeiten zur Schaffung des notwendigen Regulierungsrahmens, so der Ausschuss.

Dennoch wurde vorgeschlagen, ein nationales Kompetenzprojekt ins Leben zu rufen, um über technische Innovationen auf dem Laufenden zu bleiben und eine schnellere Einführung der Kernenergie zu ermöglichen, sollte dies in Zukunft relevant werden.

Während Norwegen derzeit über einen Stromüberschuss verfügt, wird erwartet, dass die Nachfrage im Zuge der zunehmenden Elektrifizierung von Verkehr und Industrie steigen wird.

Vorerst werden Onshore-Windkraft, die Modernisierung bestehender Wasserkraftanlagen und Offshore-Windkraft die wichtigsten Hebel zur Deckung des Bedarfs sein, aber die Kernkraft könnte in Zukunft dennoch eine Rolle spielen, sagte Energieminister Terje Aasland. (Berichterstattung durch Nora Buli, Redaktion durch Terje Solsvik)