Die Futures auf den Dow Jones gaben nach Veröffentlichung des Arbeitsmarktberichts um rund 0,82 % nach, die Futures auf den S&P 500 verloren 0,61 % und die Nasdaq-100-Futures etwa 1,0 %. Auch Öl steht im Zentrum des Geschehens, denn der Nahostkonflikt stört eine der sensibelsten Schlagadern des Welthandels. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus hat sich mit der Intensivierung der Kämpfe nahezu zum Stillstand verlangsamt und die Rohölpreise auf den höchsten Stand seit dem vergangenen Sommer getrieben. Die Folgen breiten sich rasch aus. Fluggesellschaften, die bekanntlich stark vom Kerosinpreis abhängen, geraten bereits unter Druck: Airline-Aktien gaben nach, als die Energiekosten anzogen.
Energieminister aus der Golfregion äußerten sich ungewöhnlich offen über das, was als Nächstes kommen könnte. Selbst wenn morgen ein Waffenstillstand zustande käme, könnte es Wochen oder sogar Monate dauern, bis die normalen Gasströme wiederhergestellt sind. Einige Analysten nennen inzwischen eine Zahl, die Investoren aufhorchen lässt: 150 Dollar je Barrel. Dieses Szenario ist zwar noch nicht der Basiskonsens, aber realistisch genug, um von den Märkten nicht ignoriert zu werden.
Und Öl bringt – wie so oft – das Thema Inflation zurück auf die Agenda. Noch vor wenigen Wochen rechneten die Märkte relativ gelassen damit, dass die US-Notenbank im Sommer mit Zinssenkungen beginnen könnte. Dieser Optimismus wurde seither schrittweise zurückgenommen. Robuste Konjunkturdaten in Kombination mit steigenden Ölpreisen haben die Erwartungen für den ersten Zinsschritt weiter nach hinten verschoben – möglicherweise bis Oktober. Die Notenbank selbst zeigt dabei keinerlei Eile. Wenn Inflationsrisiken steigen, wird Geduld zur Tugend.
Gerade deshalb kam dem Arbeitsmarktbericht vom Freitag besondere Bedeutung zu. Die Daten zeigten, dass die Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft im Februar um 92.000 Stellen zurückging – deutlich unter den Erwartungen eines Anstiegs um etwa 55.000. Die Arbeitslosenquote stieg leicht auf 4,4 % und lag damit etwas über den von Ökonomen prognostizierten 4,3 %. Gleichzeitig wurden die Zahlen der beiden Vormonate um insgesamt 69.000 Stellen nach unten revidiert, was den Eindruck verstärkt, dass der Arbeitsmarkt an Dynamik verlieren könnte.
Für Investoren, die den künftigen geldpolitischen Kurs einschätzen wollen, zeichneten die Zahlen ein gemischtes Bild. Ein schwächerer Arbeitsmarkt könnte die Hoffnung wiederbeleben, dass die Federal Reserve letztlich Spielraum für Zinssenkungen sieht. Gleichzeitig weckt ein plötzlicher Rückgang bei den Neueinstellungen eine andere Sorge: dass sich das Wirtschaftswachstum schneller abkühlen könnte als bislang erwartet.
Die Märkte reagierten entsprechend vorsichtig. Die Futures gaben unmittelbar nach Veröffentlichung der Daten nach, während Investoren abwogen, ob die schwächere Jobdynamik tatsächlich einen bevorstehenden Abschwung signalisiert oder lediglich die übliche Volatilität monatlicher Daten widerspiegelt. Die Einzelhandelsumsätze lieferten ein etwas weniger negatives Signal: Sie gingen im Januar um 0,2 % zurück und damit weniger stark als die von Ökonomen erwarteten 0,3 %.
Trotz der trüberen Stimmung haben sich die US-Märkte in dieser Woche bislang besser gehalten als viele internationale Pendants. Europäische Aktien sind deutlich stärker gefallen, während die asiatischen Märkte mit jeder geopolitischen Schlagzeile heftig schwankten. Der S&P 500 hingegen verzeichnete bislang nur moderate Verluste. Ein Teil dieser Widerstandsfähigkeit erklärt sich durch eine strukturelle Verschiebung, die vor zwei Jahrzehnten noch unwahrscheinlich geklungen hätte: Die Vereinigten Staaten sind inzwischen Nettoexporteur von Öl. Energieschocks schmerzen weiterhin, treffen die US-Wirtschaft aber nicht mehr ganz so hart wie früher.
Auch der Technologiesektor erinnert daran, dass sich nicht jede wirtschaftliche Entwicklung um Öltanker und Raketenangriffe dreht. Der Halbleiterhersteller Marvell schoss im vorbörslichen Handel nach oben, nachdem das Unternehmen ein kräftiges Umsatzwachstum in Aussicht stellte – getragen von der Nachfrage nach Infrastruktur für künstliche Intelligenz. Der KI-Boom, der die Märkte seit mehreren Jahren antreibt, ist nicht verschwunden, nur weil geopolitische Risiken wieder stärker in den Fokus rücken. Dennoch wirkt auch dieses Narrativ inzwischen weniger eindeutig. In Washington wird derzeit über neue Regeln diskutiert, die den Export hochentwickelter KI-Chips stärker kontrollieren könnten – ein Schritt, der die globalen Lieferketten der Tech-Industrie neu ordnen würde.
Der Krieg selbst weitet sich derweil weiter in der Region aus. Israel hat seine Angriffe auf iranische Ziele intensiviert, während Teheran mit Attacken auf mehreren Schauplätzen reagierte. Tanker wurden festgesetzt, Schifffahrtsrouten ausgesetzt, und Investoren müssen sich erneut fragen, wie stabil der Persische Golf tatsächlich ist.
Die Vereinigten Staaten versuchen unterdessen, den Anstieg der Ölpreise mit einer Mischung aus Notmaßnahmen und stiller Diplomatie einzudämmen. Regierungsvertreter haben strategische Reserven angezapft, Möglichkeiten zur Stabilisierung der Terminmärkte geprüft und sogar vorübergehend russische Öllieferungen nach Indien zugelassen, um den globalen Angebotsdruck zu lindern. Auch Saudi-Arabien hat seine Logistik umorganisiert, um den Engpass in der Straße von Hormus möglichst zu umgehen. Diese Maßnahmen drückten die Rohölpreise über Nacht kurzzeitig nach unten – die Entlastung erwies sich jedoch als nur von kurzer Dauer.
Der heutige Tag markiert zudem den 100. Geburtstag des früheren Fed-Vorsitzenden Alan Greenspan, der fast zwei Jahrzehnte lang versuchte, das empfindliche Gleichgewicht zwischen Wachstum, Inflation und Finanzstabilität zu steuern. Seine Amtszeit wurde für das Management zahlreicher Krisen gelobt, später jedoch auch für politische Entscheidungen kritisiert, die zur Immobilienblase beitrugen. Die Lehre daraus lautet vielleicht: Wirtschaftspolitische Steuerung wirkt im Rückspiegel fast immer einfacher als im Moment der Entscheidung.
Ölpreisschock belastet Europas Börsen – Lanxess stürzt ab, Rüstungswerte gefragt
Die stark steigenden Ölpreise infolge des Kriegs im Nahen Osten belasten die europäischen Aktienmärkte weiter. Der Dax gab am Freitag in einem nervösen Handel seine anfänglichen Gewinne wieder ab und verlor 0,8 Prozent auf 23.624 Punkte. Der EuroStoxx 50 lag 0,3 Prozent im Minus. Auf Wochensicht summieren sich die Verluste beider Indizes auf mehr als sechs Prozent. Europa sei Nettoimporteur von Öl, und solange die Preise hoch blieben oder weiter stiegen, würden Anleger europäische Aktien meiden, sagte ein Marktbeobachter.
Bei den Einzelwerten rückten Lufthansa in den Fokus. Nach dem Krisenjahr 2024 gelang der Fluggesellschaft eine deutliche Ergebnisverbesserung: Das bereinigte operative Ergebnis stieg um 19 Prozent auf 1,96 Milliarden Euro. Die Aktie gewann im MDax zeitweise bis zu vier Prozent, gab im Verlauf des Vormittags jedoch einen Teil der Gewinne wieder ab. Gefragt waren zudem Rüstungswerte, die sich von jüngsten Verlusten erholten. Renk stiegen im Nebenwerteindex um fast sieben Prozent, während Rheinmetall im Dax mit einem Plus von knapp zwei Prozent an der Spitze lag. Der Konzern sieht sich durch den Krieg im Iran in seinem Plan bestätigt, die Raketenproduktion rasch auszubauen.
Massiv unter Druck standen dagegen Lanxess. Die Aktien des Spezialchemiekonzerns brachen nach dem vorerst gescheiterten Ausstieg aus einem Gemeinschaftsunternehmen mit dem Finanzinvestor Advent im MDax um 15,5 Prozent auf 13,82 Euro ein – den tiefsten Stand seit 2009. Noch stärker traf es Zealand Pharma: Die Titel des dänischen Arzneimittelherstellers verloren mehr als 30 Prozent, nachdem Studienergebnisse zu einem gemeinsam mit Roche entwickelten Adipositas-Medikament enttäuschten.
SMI deutlich im Minus – Roche belastet nach enttäuschenden Studiendaten
Der Schweizer Aktienmarkt steht zum Wochenschluss ebenfalls unter Druck. Der Leitindex SMI verliert 0,88 Prozent auf 13.180,81 Punkte, nachdem er im Tagesverlauf bis auf 13.152 Zähler gefallen war. Von den 20 Indexwerten notieren 17 im Minus, nur drei Titel halten sich im Plus. Auf Wochensicht steuert der SMI damit auf ein deutliches Minus von rund sechs Prozent zu. Der breiter gefasste Swiss Performance Index (SPI) sinkt um 0,77 Prozent auf 18.211,71 Punkte, während der SMIM für mittelgroße Werte mit minus 0,44 Prozent auf 3.028,61 Punkte etwas stabiler bleibt – auch weil die großen Pharmakonzerne dort nicht enthalten sind.
Größter Verlierer im SMI sind Roche mit einem Minus von 2,8 Prozent. Der Pharmakonzern hatte am Vorabend Ergebnisse einer Phase-II-Studie zu dem Wirkstoff Petrelintide zur Behandlung von Übergewicht und Adipositas veröffentlicht. Nach 28 Wochen erreichten Patienten einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von gut zehn Prozent. Analysten bewerten die Resultate jedoch als enttäuschend und sehen die Wirksamkeit hinter den Erwartungen zurückbleiben. Auch Novartis verlieren mit minus 1,2 Prozent deutlich an Wert, obwohl Konzernchef Vas Narasimhan auf der laufenden Generalversammlung die Strategie mit Fokus auf Innovation, globale Märkte und nachhaltige Wirkung bekräftigte. Nestlé geben als drittes Schwergewicht moderat um 0,4 Prozent nach.
Leicht im Plus halten sich lediglich Richemont (+0,5%), Partners Group (+0,2%) und Logitech (+0,03%), wobei Marktteilnehmer dies vor allem als technische Gegenbewegung nach vorherigen Kursverlusten werten. Im SMIM sind dagegen Galderma gefragt und steigen um 1,6 Prozent auf 157,30 Franken, nachdem mehrere Analysten nach starken Zahlen ihre Kursziele angehoben haben – Barclays sieht den fairen Wert sogar bei 200 Franken. Sonova gewinnen 0,7 Prozent nach einer Gegenbewegung auf die Verluste vom Vortag. Bei den kleineren Werten prägen vor allem Unternehmenszahlen das Bild: Comet brechen um 13 Prozent ein, Mobilezone verlieren vier Prozent, Coltene 4,8 Prozent und Mikron 0,6 Prozent. Dagegen legen SFS um 3,7 Prozent zu.

























