Der dänische Erneuerbaren-Riese setzt seine Talfahrt fort und beschert seinen Aktionären erneut eine Hiobsbotschaft. Bereits seit Ende letzter Woche kursierten nach einem Bloomberg-Bericht Gerüchte über eine große Kapitalmaßnahme. Möglicherweise hat genau diese Spekulation Orsted dazu veranlasst, die eigentlich für später in der Woche geplante Ergebnisvorlage vorzuziehen.

Die nun angekündigte Kapitalerhöhung fällt noch umfangreicher aus als erwartet: 60 Milliarden dänische Kronen (8 Milliarden Euro) will das Unternehmen einnehmen – und flankiert diese Nachricht mit weiteren schwergewichtigen Ankündigungen. Vor diesem Hintergrund wirken die schwachen Halbjahreszahlen fast schon wie der beruhigendste Teil des Nachrichtenpakets – was viel über die Lage aussagt.

Zudem startet Orsted einen Verkaufsprozess für seine europäischen Onshore-Aktivitäten, der rund 35 Milliarden Kronen (4,7 Milliarden Euro) einbringen könnte. Gleichzeitig senkt der Konzern seine Prognosen – begründet mit launischen Windverhältnissen.

„Diese neue finanzielle Roadmap überrascht durch das Ausmaß der geplanten Kapitalerhöhung, die die Investoren ins Grübeln bringen dürfte. Sie wird zwar dazu beitragen, das Risiko auf der Bilanz zu verringern, doch das kurzfristige Verwässerungsrisiko erscheint angesichts der Höhe und des scheinbaren Fehlens neuer Wachstumstreiber beträchtlich“, warnt Ahmed Farman von Jefferies.

„Eher vorteilhaft für Anleihegläubiger als für Aktionäre“

Die negative Kursreaktion spricht Bände über die Sackgasse, in der sich das Unternehmen befindet – eine Entwicklung, über die wir bereits mehrfach berichtet haben. „Ich denke, die Struktur der Bezugsrechtsemission dürfte zwar helfen, die Verwässerung für die Aktionäre zu begrenzen; zugleich verdeutlicht sie jedoch die strukturelle Schwäche der Bilanz von Orsted und wird sich wohl eher für die Anleihegläubiger als für die Aktionäre auszahlen, ohne zusätzlichen Wertzuwachs zu schaffen“, fasst Pierre-Alexandre Ramondenc, Analyst bei AlphaValue, zusammen.

Die Kursbewegung am Vormittag hat die gesamten Jahresgewinne 2025 zunichtegemacht – und das nach bereits vier Jahren Durststrecke.