Das 1988 gegründete und seit 1991 börsennotierte Unternehmen aus Tarrytown entwickelt, produziert und vermarktet seine Medikamente selbst. Im Jahr 2025 erzielte Regeneron einen Umsatz von 14,3 Mrd. US-Dollar, einen Nettogewinn von 4,5 Mrd. US-Dollar und investierte 5,9 Mrd. US-Dollar in Forschung und Entwicklung – mehr als 40 % des Umsatzes.

Genau diese Kombination begeisterte die Börse: ein bereits hochprofitables Biotechnologieunternehmen mit starker Cashflow-Generierung und außergewöhnlich hohen Investitionen in die eigene Forschung. Doch dann begann Eylea auf dem US-Markt zu schwächeln. Mit Pavblu setzte Amgen genau dort an, wo Regeneron bereits verwundbar war.

Das Ende einer sicheren Ertragsquelle

Eylea kam 2011 auf den Markt und wird als Injektion ins Auge vor allem zur Behandlung altersbedingter Netzhauterkrankungen sowie bestimmter diabetischer Augenerkrankungen eingesetzt. Rund zehn Jahre lang war das Medikament ein voller Erfolg.

Dann setzte die Trendwende ein. Innerhalb von zwei Jahren verlor Eylea in den USA nahezu die Hälfte seines Umsatzes. Allein 2025 brachen die Erlöse um weitere 42 % ein. Gleichzeitig entwickelte sich Pavblu in die entgegengesetzte Richtung. Das Biosimilar von Amgen – eine dem biologischen Originalpräparat sehr ähnliche, aber günstigere Alternative – steigerte seinen Umsatz innerhalb eines Jahres von wenigen Dutzend Mio. US-Dollar auf knapp 700 Mio. US-Dollar.

Angriff auf allen Ebenen

Amgen spielt allerdings in einer anderen Größenordnung. Der kalifornische Pharmakonzern erzielte 2025 einen Umsatz von 36,8 Mrd. US-Dollar und weist seit der Übernahme des Biotechunternehmens Horizon im Jahr 2023 eine Nettoverschuldung von mehr als 40 Mrd. US-Dollar aus. Das Unternehmen ähnelt damit einer klassischen Big Pharma: breit aufgestellt, diversifiziert und industriell organisiert. Allein mit Biosimilars erwirtschaftet Amgen inzwischen rund 3 Mrd. US-Dollar pro Jahr – ein Plus von 37 %. Der Konzern ist längst darin geübt, die Gewinnquellen anderer Marktteilnehmer anzugreifen.

Regeneron versuchte zwar, Pavblu gerichtlich zu stoppen – allerdings ohne Erfolg. Am 22. Oktober 2024 hob ein Berufungsgericht die einstweilige Verfügung auf. Nur drei Tage später brachte Amgen sein Biosimilar auf den Markt. Das war durchaus riskant: Hätte Regeneron den Patentstreit später doch noch gewonnen, hätten erhebliche Schadenersatzforderungen drohen können. Im März 2025 bestätigte das Berufungsgericht jedoch seine Entscheidung. Auch ein weiteres Patent, das Regeneron im Juni anmeldete, änderte an der Marktsituation nichts.

Pavblu ist dabei nicht der einzige Herausforderer. Roche konkurriert mit Vabysmo ebenfalls um Patienten mit denselben Netzhauterkrankungen. Zusätzlich sorgt auf der Preisseite aufbereitetes Bevacizumab für Druck. Das ursprünglich als Krebsmedikament entwickelte Präparat wird von spezialisierten Apotheken für Augeninjektionen aufbereitet und kostet rund 50 US-Dollar pro Dosis – gegenüber knapp 2.000 US-Dollar für Eylea.

Regeneron setzt seine Hoffnungen nun auf Eylea HD, die höher dosierte Version des Medikaments, die 2023 eingeführt wurde. Sie gewinnt zwar Marktanteile, kann den Rückgang jedoch bislang nicht ausgleichen. Zusammen erzielten Eylea und Eylea HD im Jahr 2025 noch einen Umsatz von 4,4 Mrd. US-Dollar, nach 5,9 Mrd. US-Dollar im Vorjahr.

Zum Glück gibt es Sanofi

Vor allem gibt es Dupixent. Das gemeinsam mit dem französischen Pharmakonzern Sanofi entwickelte Medikament wird zur Behandlung schwerer Neurodermitis, Asthma und weiterer entzündlicher Erkrankungen eingesetzt. Sanofi vertreibt Dupixent weltweit und beteiligt Regeneron am Gewinn. Der entsprechende Ergebnisbeitrag stieg innerhalb eines Jahres von 4,5 Mrd. US-Dollar auf 5,9 Mrd. US-Dollar. Ohne diesen Zuwachs wäre auch der Gesamtumsatz von Regeneron rückläufig gewesen.

Auch andere Produkte entwickeln sich positiv. Die Immuntherapie Libtayo gegen bestimmte Haut- und Lungenkrebserkrankungen überschritt 2025 weltweit die Umsatzmarke von 1,4 Mrd. US-Dollar. Lynozyfic zur Behandlung des Multiplen Myeloms wurde inzwischen sowohl in den USA als auch in Europa zugelassen. Ob eines dieser Medikamente allerdings das Potenzial eines Dupixent erreicht, bleibt abzuwarten.

Das Bewertungsparadox

Für 2026 wird Regeneron an der Börse mit dem 9,4-Fachen des erwarteten EBITDA bewertet, Amgen dagegen mit dem 11,1-Fachen. Der Bewertungsunterschied spiegelt vor allem die Erwartungen des Marktes an die jeweiligen Entwicklungspipelines wider.

Amgen setzt auf Therapien für sehr große Märkte. Besonders im Fokus steht die Behandlung von Adipositas, doch entsprechende Wirkstoffe werden auch gegen Diabetes, Herzinsuffizienz und weitere chronische Erkrankungen getestet. Hinzu kommen Programme zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie tabakbedingten Lungenerkrankungen.

Regeneron verfolgt einen breiter diversifizierten Ansatz. Das Unternehmen verfügt über rund 15 fortgeschrittene Entwicklungsprogramme, die häufig auf seltenere Erkrankungen abzielen. Zu den wichtigsten Projekten zählen neue Gerinnungshemmer für einen global bedeutenden Markt sowie Therapien gegen Katzen- und Birkenpollenallergien. Mehrere dieser Programme werden gemeinsam mit Sanofi oder Alnylam entwickelt, die im Erfolgsfall entsprechend am wirtschaftlichen Ertrag beteiligt sein werden.

Dupixent als weltweiter Blockbuster liefert heute einen erheblichen Teil der Einnahmen von Regeneron. Das Medikament wird jedoch gemeinsam mit Sanofi vermarktet. Sanofi verbucht die weltweiten Umsätze, während die Gewinne in den USA hälftig geteilt werden. Außerhalb der USA erhält Regeneron je nach Region zwischen 35 % und 45 % der Gewinne.

Damit die Aktie wieder nachhaltig an Attraktivität gewinnt, müssen aus Sicht der Anleger vor allem zwei Voraussetzungen erfüllt werden: Eylea HD muss den Umsatzrückgang des Originalprodukts stabilisieren, und zugleich muss ein neuer Medikamentenkandidat das Potenzial entwickeln, wirtschaftlich eine ähnliche Bedeutung wie Dupixent zu erreichen.