Im ersten Halbjahr des Jahres sind die Umsätze um 8,3 % zurückgegangen, der Bruttogewinn um 13,9 % – ein Zeichen dafür, dass Preiserhöhungen den Volumenrückgang nicht ausgleichen konnten –, das operative Ergebnis um 25,8 % und der Gewinn je Aktie um 32,6 %.

Diese Zahlen sind wie so oft bei Rémy Cointreau mit Vorsicht zu betrachten, denn ein strukturelles Problem bleibt: Der traditionell hohe Bedarf an Umlaufvermögen belastet den Cashflow und hält ihn weiterhin im negativen Bereich.

Infolge der schwachen Cognac-Verkäufe und einem Umsatzwachstum bei Likören und Spirituosen, das unterhalb der Inflationsrate bleibt, ist die Nettoverschuldung weiter um 6,6 % gestiegen – von 644 auf 687 Millionen Euro.

Die Lage ist in Europa und Asien kritisch, dort gingen die Umsätze im zweistelligen Prozentbereich zurück. Abgemildert wird die Entwicklung lediglich durch den stabilen nordamerikanischen Markt, der wie der asiatisch-pazifische Raum jeweils 39 % zum Konzernumsatz beiträgt.

Der einzige Stellhebel, den der Konzern kurzfristig beeinflussen kann, sind die Ausgaben – insbesondere für Marketing und Vertrieb, die nun um 8,1 % gesenkt wurden, um das Schlimmste zu verhindern. Die Entwicklung erinnert an die Lage bei Pernod Ricard im vergangenen August.

Die Strategie von Rémy Cointreau für den Neustart ist, trotz viel Branchensprache, im Kern klar: Die Angebotspalette soll über Cognac hinaus diversifiziert und insbesondere auf massentauglichere Segmente ausgeweitet werden. Das exklusive Premium- und Luxus-Image der Vergangenheit steht nicht mehr im Mittelpunkt.

Damit sind auch die Bewertungsaufschläge der Vergangenheit passé: Rémy Cointreau wird an der Börse derzeit nur noch zum Buchwert und zum Zehnfachen des EBITDA (Betriebsergebnis vor Investitionen) gehandelt. Das sind Bewertungsniveaus, die zuletzt im März 2009 während der Subprime-Krise erreicht wurden.

Obwohl die Verschuldungskennzahlen angespannt sind – zumal der Konzern sich verschuldet hat, um großzügige Dividenden auszuschütten, obwohl das operative Geschäft bereits Anzeichen deutlicher Schwäche zeigte –, könnte das Unternehmen das Vertrauen der Investoren durch die Ankündigung eines Aktienrückkaufprogramms stärken.