Risikoaversion in Europa hält angesichts der Spannungen am Anleihemarkt an
Die wichtigsten europäischen Börsen dürften am Montagmorgen im Minus eröffnen. Die Anleger passen ihre Zinserwartungen angesichts des jüngsten Wiederaufflammens des Inflationsdrucks weiter an, während sie vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen und im Vorfeld der mit Spannung erwarteten Quartalszahlen von Nvidia vorsichtig bleiben. Den ersten verfügbaren Indikationen zufolge steuert der CAC 40 auf ein Minus von mehr als 1% zu, ebenso wie der DAX (-1,2%) und der Euro STOXX 50 (-1,3%).
Veröffentlicht am 18.05.2026 um 08:42
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In der vergangenen Woche verzeichnete der CAC 40 einen Rückgang von rund 2%, was deutlich über dem Minus des FTSE 100 (-0,5%) oder des DAX (-1,7%) lag.
Ein weiterhin fragiler Grundtrend
Der fundamentale Markttrend gibt derzeit dem alten angelsächsischen Sprichwort recht, das Anlegern rät: 'Sell in May and go away' (Verkaufe im Mai und geh weg).
Diesem Mantra zufolge tendiert die Performance von Aktien dazu, hinter der anderer Monate zurückzubleiben, was die Marktteilnehmer dazu veranlasst, den Markt vor dem Sommer zu verlassen, um für einige Wochen an der Seitenlinie zu bleiben.
Seit dem 1. Mai hat der CAC 40 etwas mehr als 2% verloren. Auch für den Euro STOXX 50 Index begann der Monat schlecht; er gab im selben Zeitraum 0,9% nach.
Dank der Stärke der KI-bezogenen Titel schneidet die Wall Street besser ab: Der S&P 500 konnte bislang um 2,7% zulegen.
Alarmstufe Rot bei den Zinsen
Die Schwierigkeit, in Europa zu investieren, nimmt zu - nicht nur wegen des steigenden Inflationsdrucks und einer bevorstehenden Wende in der Geldpolitik, sondern auch wegen der zunehmenden Wachstumsrisiken.
Vor dem Hintergrund explodierender Benzinpreise hat sich die Inflation in der Eurozone im April erneut beschleunigt und erreichte 3%, nach 2,6% im März und 1,9% im Februar - der höchste Stand seit Oktober 2023.
Diese Unsicherheiten spiegeln sich in einem Anstieg der Anleiherenditen wider, die am Freitag sämtliche Widerstände durchbrochen haben. Die Rendite des Bundes stieg um 12 Basispunkte auf 3,1680%, während die OATs um 15 Basispunkte auf 3,967% kletterten.
Auch die Rendite zehnjähriger Treasuries blieb nicht verschont; sie erreichte am Freitag 4,60%, den höchsten Stand seit Mai 2025. Viele Analysten erwarten nun einen Anstieg in Richtung 5%.
Diese Nervosität dürfte im Vorfeld mehrerer wichtiger Termine an der Front der Wirtschaftsindikatoren, Zentralbanken und Unternehmensgewinne weiterhin vorherrschen.
Eine volle Agenda zwischen Makroökonomie und Tech
Zwar werden für diesen Montag keine wichtigen Statistiken erwartet, doch dürften die europäischen Anleger am Donnerstag besonders aufmerksam auf die Veröffentlichung der vorläufigen PMI-Daten für die Eurozone im Mai blicken.
Diese Einkaufsmanagerindizes, die in der Regel verlässliche Signale für die konjunkturelle Entwicklung liefern, zeigten zuletzt Anzeichen einer Verlangsamung.
Die jüngste Umfrage von S&P Global markierte einen Abwärtstrend der Aktivität in der Eurozone im April. Der zusammengesetzte PMI-Index fiel unter die Neutralitätsschwelle von 50 auf 48,8 Punkte, verglichen mit 50,7 im März. Dies ist der niedrigste Stand seit Dezember 2024.
Besonders ereignisreich verspricht der Mittwoch zu werden, unter anderem mit den jüngsten Inflationsdaten aus Großbritannien, den Protokollen ('Minutes') der letzten Fed-Sitzung und den Quartalsergebnissen von Nvidia.
In einer heute Nacht veröffentlichten Notiz vertritt Dan Ives, der Star-Analyst von Wedbush Securities, die Ansicht, dass diese Veröffentlichung einen neuen Höhepunkt für den US-Technologiesektor markieren könnte, der sich derzeit in einem Zustand der Euphorie befindet.
'Wir schätzen, dass Tech-Werte bis zum Jahresende um weitere 10% bis 12% zulegen könnten, wenn der Markt das volle Ausmaß der historischen vierten industriellen Revolution begreift, die weiterhin meisterhaft von den US-Tech-Giganten und ihrer weltweiten KI-Monetarisierung angeführt wird', betont der Experte.
Das Gespenst eines Ölpreises von 150 Dollar
Der Nikkei-Index an der Tokioter Börse verlor 0,7% in einem Markt, der vor einer intensiven Woche von Abwartetaktik geprägt war.
Der Euro bleibt gegenüber dem Dollar unter Druck. Belastet wird er durch die nach oben korrigierten Inflationserwartungen in den USA, die am Markt Befürchtungen über eine geldpolitische Straffung der Fed und eine mögliche Zinserhöhung im Jahr 2027 schüren. Die Gemeinschaftswährung notiert weiterhin unter der Marke von 1,1630 gegenüber dem Greenback.
Am Energiemarkt bleiben die Rohölpreise nahe ihrer Vierjahreshöchststände, weiterhin gestützt durch die Blockade der Straße von Hormus.
Ein Barrel der Nordseesorte Brent verteuert sich um weitere 1,7% auf fast 111,2 Dollar, und das US-Leichtöl (WTI) legt um mehr als 2% auf rund 107,6 Dollar zu.
Die Spezialisten der SG warnen, dass die Situation aufgrund verlängerter Logistikfristen (52 Tage bis zur Belieferung der Endverbraucher) bis Mitte Juni kritisch bleiben könnte. Dies könnte ihrer Meinung nach den Brent-Preis auf 125 Dollar treiben, während eine Fortsetzung der Blockade bis Ende Juni eine Spitze von 150 Dollar provozieren würde, was jede Rückkehr zur Normalität der Kurse bis Dezember 2027 verzögern könnte.

















