Der Ölmarkt bleibt extrem volatil und reagiert weiterhin sensibel auf jede Entwicklung im Iran-Konflikt. In der vergangenen Woche hatten wir noch den historischen Preisanstieg im März thematisiert: Der Brent-Preis legte um 41,6 % zu. Gleichzeitig öffnete sich eine ungewöhnlich große Preisdifferenz zwischen den beiden globalen Referenzsorten Brent und WTI, die am 19. März einen Abstand von 20 Dollar erreichte.
Nach dieser historischen Rally verzeichnete der Ölpreis in dieser Woche den stärksten Rückgang seit 2020. Auslöser war die in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch von Donald Trump verkündete Waffenruhe. Die Aussicht auf eine Wiederöffnung der Straße von Hormus nährt die Hoffnung auf eine schrittweise Normalisierung der Versorgung.

Doch auch wenn die Preise bereits deutlich nachgegeben haben, dürfte die Rückkehr zur Normalität Zeit in Anspruch nehmen. Die Golfstaaten waren gezwungen, Teile ihrer Produktion einzustellen – nicht nur wegen beschädigter Infrastruktur infolge iranischer Angriffe, sondern auch, weil ihre Lagerkapazitäten ausgeschöpft waren. Während sich der Fokus auf die Ausfahrt aus der Straße von Hormus richtet, ist ebenso entscheidend, dass wieder ausreichend Tanker in die Region einlaufen können, um die Lager zu entlasten.
Je länger die Unterbrechung andauert, desto schwieriger wird es, die Förderung rasch wieder hochzufahren. Laut der US-Energiebehörde EIA dürfte die Ölproduktion im Nahen Osten im April um 9,1 Millionen Barrel pro Tag unter dem Normalniveau liegen, nach einem Rückgang von 7,5 Millionen Barrel pro Tag im März.
Während Saudi-Arabien seine Produktion „nur“ um rund 25 % reduziert hat und über die Kapazitäten verfügt, relativ schnell wieder hochzufahren, stellt sich die Lage in anderen Ländern deutlich schwieriger dar. Im Irak ist die Produktion seit Beginn des Krieges um rund 80 % eingebrochen. Die dortige Ölindustrie ist stark auf ausländisches Fachpersonal angewiesen, das erst zurückkehren wird, wenn sich die Sicherheitslage nachhaltig stabilisiert.
Selbst wenn der Markt derzeit auf ein Ende des Konflikts und eine Wiederöffnung der Straße von Hormus setzt, dürfte der Weg dorthin alles andere als geradlinig verlaufen. Ein Blick in die jüngere Vergangenheit zeigt die Fragilität der maritimen Routen: Ende 2023 griffen die Huthi-Rebellen im Jemen Schiffe im Roten Meer an – als Reaktion auf israelische Angriffe im Gazastreifen. Diese Aktionen legten den Schiffsverkehr in der Region weitgehend lahm. Bis heute hat sich der Verkehr durch die Meerenge von Bab al-Mandab nicht vollständig erholt.






















